Etihad-Chef James Hogan hat heute in einer Medienkonferenz die Bedeutung des Standortes Schweiz für  die Golf-Airline betont. «Zürich ist ein Knotenpunkt, der mit der Welt verbindet», so Hogan. Seit Anfang Juni fliegt Etihad täglich von Zürich nach Abu Dhabi.

Die Etihad erweitert damit ihre Präsenz in der Schweiz um eine wichtige Langstreckenverbindung. Auch der Ausbau bei Etihad Regional, vormals Darwin Airlines, geht voran: Bis Mitte 2014 wird das Streckennetz auf 34 Destinationen ausgebaut. An der Tessiner Airline hält Etihad seit November 2013 ein Drittel der Anteile.

Swiss fürchtet um ihre Marktanteile

Die Vorstösse in den Schweizer Markt werden mit Misstrauen beobachtet, vor allem die Swiss fürchtet um ihre Gewinne im Langstreckengeschäft. «Wir müssen viel härter kämpfen, um erfolgreich zu sein und das ist natürlich auf Dauer sehr kritisch zu sehen, auch im Sinne der Arbeitsplatzentwicklung», sagte Swiss-Chef Harry Hohmeister kürzlich im TV-Magazin «Eco». Luftfahrtexperte Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen hält darum Erleichterung zum Beispiel bei der Flughafengebühr für die Swiss notwendig. «Fakt ist, dass die Lage problematisch ist», sagt Wittmer.  Er fordert, dass die Politik, «sich engagiert, indem sie eben die Entwicklung der Airlines aus dem Mittleren Osten an den Schweizer Flughäfen regelt».

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Hogan tut diese Befürchtungen ab. „Es ist absurd, anzunehmen, für die Swiss wäre kein Platz mehr im Markt», sagt er. Bisher biete Etihad ja lediglich eine tägliche Langstreckenverbindung nach Abu Dhabi. Etihad Regional sei ausserdem eine Schweizer Airline, «mit Schweizer Besitzern und einem Schweizer Management».

Die Zurückhaltung hat aber offensichtlich enge Grenzen. Nur wenig später setzt Hogan auseinander, dass Etihad bei jedem neuen Partner als erstes das Kabinenpersonal schule, um den gleichen Standard wie beim Anteilseigner zu erreichen. Bei Etihad Regional hört die Ähnlichkeit mit dem Namen nicht auf, die Stewardessen tragen auch die Uniformen von Etihad.

EU-Kommission prüft Expansionspläne

Die Frage, ob Etihad mit seinen Minderheitenbeteiligungen – unter anderem bei Air Berlin und in Bälde Alitalia – zu viel Einfluss ausübt, ruft auch die Wettbewerbshüter auf den Plan.  Die EU-Kommission will bis Ende 2015 die Besitzverhältnisse der europäischen Fluggesellschaften überprüfen und sicherstellen, dass sie tatsächlich von Europa aus gesteuert werden. Etihad steht dabei besonders im Blick.

«Wir verfolgen natürlich Etihads Expansionspläne in Europa ganz genau», sagt Matthias Ruete von der EU-Kommission gegenüber dem Luftfahrt-Blog «AeroTelegraph». Es gehe darum, sicherzustellen, dass Minderheitenaktionäre nicht in irgendeiner Form Einfluss ausübten, der über die üblichen Rechte von Minderheiten hinausgehe. «Wir schauen als Oberaufseher, ob wirklich die europäischen Aktionäre den Businessplan aufstellen und bei der Ernennung zentraler Manager das Sagen haben», so Ruete.

Verlust der Betriebserlaubnis kann drohen

Denn Etihad verankert sich immer weiter in Europa. Vor wenigen Tagen hat der Aufsichtsrat von Alitalia dem Engagement von Etihad zugestimmt. Die Golf-Airline will 560 Millionen Dollar zahlen, um ihren Anteil auf 49 Prozent an der italienischen Fluggesellschaft aufzustocken, die seit Jahren in der Krise steckt.

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Auch Air Berlin ist Etihad kürzlich ein weiteres Mal zu Seite gestanden, der zweitgrössten deutschen Fluggesellschaft. Mittels einer komplizierten Wandelanleihe, die faktisch einem Geschenk entspricht, investierte Etihad insgesamt 2,5 Milliarden Dollar. Die Beteiligung der Fluggesellschaft entspricht damit mittlerweile einem Stimmrechtsanteil von gut 47 Prozent. Würde sie die Anleihen vollständig einlösen, läge er gar bei 89 Prozent.

Das europäische Luftfahrtrecht, das auch für die Schweiz gilt, schreibt vor, dass eine in der EU beheimatete Airline die Betriebserlaubnis verlieren kann, wenn das Geschäft faktisch von Investoren kontrolliert wird, die aus einem Land kommen, das nicht zur EU gehört.

Ähnliche Vorgänge sind bei Etihad Regional zu beobachten. Obschon Etihad nur eine Minderheitsbeteiligung von einem Drittel hält, hat die Frage der Kontrollverhältnisse das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) auf den Plan gerufen. So prüfte jetzt auch das Bazl, ob die Tessiner Airline tatsächlich von der Schweiz aus kontrolliert wird.

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