Ein halbes Jahr nach der Schweiz-Premiere des deutschen Reparatur- und Zubehör-Discounters Auto-Teile-Unger (ATU) eröffnet er sechs Tage vor Weihnachten seine zweite Filiale. Nach Information der «Handelszeitung» will ATU in Winterthur das gleiche Konzept wie in der ersten Filiale in Spreitenbach fahren: Die Fläche für Werkstatt und Verkaufsräume wird ebenfalls rund 1000 m2 betragen und der Preis vorherrschendes Argument sein. Im Heimmarkt Deutschland bewirbt ATU seine Angebote derzeit mit 20% Weihnachtsrabatt.

Diesen Preisdruck lernen Wettbewerber bereits kennen. Regional spüre man den aggressiven Preis-auftritt von ATU, sagt etwa Bernhard Glaninger, Chef der Hostettler Autotechnik AG. Dessen Töchter Autofit, ATE-Bremsencenter und Lehrlingsbetriebe Auto Pro verfügen über das dichteste Netz in der Schweiz.

Markt in Bewegung

«Es ist etwas in Bewegung geraten», meint Glaninger, hier und da komme der Markt bereits unter Druck. Doch der Automanager gesteht auch, dass ATU offensichtlich akzeptiert werde. «Wir sehen das als Belebung und nehmen die Herausforderung an.» Mit dem dreigleisigen Angebot verfüge man über ein schlagkräftiges Angebot im Schweizer Markt.

Anzeige

Um darüber keine Zweifel entstehen zu lassen, verrät Glaninger seine Gegenstragegie für das nächste Jahr: Die Partnerzahl der Autofit-Garagen soll von derzeit 240 auf 270 erhöht und das Netz von ATE-Centern von 50 auf 70 Partner enger geknüpft werden. Darüber hinaus soll das Angebot von Schulungskonzepten ausgebaut werden. Qualität und Know-how würden immer wichtiger.

Der Hostettler-Chef glaubt auch, dass vor allem im Markt für Speziallösungen wie Bremsentechnologie (ATE-Center) weiteres Wachstum möglich sei. Nach Branchenschätzung ist der Markt für Garagenleistungen insgesamt mit rund 28 Mrd Fr. Umsatz eigentlich an seiner Obergrenze angelangt.

Auch der drittgrösste Player im Markt, Le Garage, will aus diesem Grund im nächsten Jahr «weiter Gas geben», wie Projektleiter Heribert Käser betont. «Ich glaube nicht, dass wir Kunden verloren haben.» Bereits seit Sommer, zum Start des neuen Mitbewerbers, sei die Zahl der Reparaturangebote von 118 auf aktuell 136 erhöht worden. Wöchentlich soll die Filialzahl der Franchisepartner weiter wachsen. «Wir werden aber nichts Aggressives unternehmen», meint Käser. Gemeint sind damit Preisaktionen, mit denen der Discount-Anbieter ATU gekontert werden sollte. Auch Autofit-Manager Glaninger will sich auf etwaige Preiskämpfe auf keinen Fall einlassen. Beide Marktteilnehmer verliessen sich voll und ganz auf das dichte Garagennetz sowie die Qualitätsleistung. «Wir können auch von ATU lernen», meint Käser, man schätze und beobachte den neuen Mitbewerber.

Verband beobachtet

Das tut auch der Autogewerbe-Verband der Schweiz (AGVS), der rund 5300 Betriebe vertritt. Verbandschef Urs Wernli weiss, dass es mit dem ATU-Start zwar keinen Aufstand gegeben habe, es aber auch genügend Kollegen gebe, die «keine Freude daran haben». Trotzdem gelte: «Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.» Der Schweizer Autofahrer bleibe ein anspruchsvoller Kunde.

Wernli will es jedoch genau wissen und ruft seine Mitglieder Ende Januar 2008 zu regionalen Sitzungen zusammen, an denen das Thema ATU erörtert werden sollen. Aufgrund der konkreten Rückmeldungen könne man dann auch entscheiden, ob es Anlass zur Gegenwehr gebe, meint Wernli.