Investitionen zahlen sich ausRadisson SAS baut aus

Kein Hotel zu klein, um ein Luxustempel zu sein. Dies beweist etwa das Wellness- und Golfhotel Vereina in Klosters. Von seinen 25 Zimmern sind 14 als noble Suiten hergerichtet. Die Investition im zweistelligen Millionen-Bereich hat sich für das «Vereina» gelohnt. Heute liegt die Auslastung, im Winter bei 90%, dies bei durchschnittlichen Zimmerpreisen von gegen 400 Fr. Das ist eine doppelt so hohe Auslastung, wie sie vor dem Neubau erreicht wurde. Wenn Mittelklassehotels ohne durchschlagendes Verkaufsargument nicht rechtzeitig oder falsch investieren, droht ihnen im harten Wettbewerb das Aus. Genau auf diese Zielgruppe hat es die französische Touristik- und Hotelkette Accor abgesehen, die heute mit 32 Hotels und gegen 1000 Mitarbeitenden bereits die Nummer eins in der Schweizer Hotellerie ist. Accor will mit ihrer gehobenen Mittelklassemarke Mercure unabhängige Schweizer Hoteliers für Franchising-Kooperationen gewinnen. Die Hotels bleiben dabei eigenständig, können aber von der bekannten Marke Mercure und zahlreichen Accor-Dienstleistungen in den Bereichen Marketing, Kommunikation, Weiterbildung der Angestellten, Kundenbindung und Informationstechnologie profitieren. Georges Schneider, Generaldirektor der Accor Hotellerie Schweiz, hegt ehrgeizige Ziele: «Wir wollen in der Schweiz zehn Hotels, fünf in Städten, fünf in Bergregionen, als Mercure-Franchise-Partner gewinnen.» Voraussetzung: Die Hotels müssen über mindestens 80 Zimmer verfügen. Anfang November wird mit dem Hotel du Parc in Martigny VS der zweite Schweizer Betrieb zu einem Mercure-Franchising-Partner.

Der Präsident von Hotelleriesuisse fordert von den Hoteliers mehr als nur beherbergen und verpflegen.Die Schweizer Luxushotellerie investiert und boomt. Wie wichtig ist diese Entwicklung für den gesamten Hotelstandort Schweiz?Guglielmo Brentel: Sehr wichtig, denn Fünfsternhotels nehmen für den Tourismus einer Region eine Art Leuchtturmfunktion ein. Sie können auch kleineren Hotels vor Ort willkommene Impulse geben. Ich denke an internationale Anlässe, die ein Luxusbetrieb durchführen und damit neue Kundensegmente für die ganze Region generieren kann. Brentel: In allen Kategorien ist der Nachholbedarf nach wie vor gross. Brentel: Der für den Schweizer Berg-Tourismus typische Familienbetrieb sollte in sinnvolle Dienstleistungen investieren. Zum Beispiel in authentische Angebote wie zum Beispiel eine regionale Küche, Kräuterwanderungen oder Bike-Touren. Er muss dem Gast die Schweiz erlebbar machen und auf der Klaviatur seiner Emotionen spielen. Dafür braucht es nicht unbedingt Geld, dafür aber Know-how. Voraussetzung für den Erfolg ist ein qualitativer Minimalstandard in den Zimmern und Nasszellen.Brentel: Wenn ein Mittelklasse-hotelier nur beherbergt und verpflegt, hat er kaum Chancen im Markt. Wenn er hingegen eine authentische und originelle Dienstleistung gekonnt rüberbringt, kann er erfolgreich sein und hohe Preise durchsetzen. Brentel: Das entscheidet der Markt. In der Schweiz gibt es über 5000 Hotels. Das sind nicht zu viele, es gibt darunter aber noch zu viele falsch positionierte.

Wo hat die Schweizer Hotellerie noch einen dringenden Bedarf an Investitionen?Welche Art von Investitionen lohnt sich denn für Betriebe aus dem mittleren und unteren Segment?Hat die Hotelmittelklasse in Zeiten der Polarisierung der Nachfrage zu sehr luxuriös oder sehr günstig überhaupt eine Chance?Wäre dem Hotelplatz Schweiz gedient, wenn «graue Mäuse» ohne klare Ausrichtung mittelfristig von der Bildfläche verschwinden?

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