Das Winterthurer Bezirksgericht sprach Rolf Erb am Donnerstag des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Urkundenfälschung und der mehrfachen Gläubigerschädigung schuldig.

Es folgte damit in weiten Teilen der Forderungen der Staatsanwaltschaft, die für den 60-Jährigen eine unbedingte Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert hatte.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Erb in den Jahren 1998 bis 2003 Jahresabschlüsse manipuliert hatte, um die desolate finanzielle Situation des Konzerns vor den Banken zu verheimlichen. Erb selbst beteuerte immer seine Unschuld.

Hier eine Chronik:

1920: Der Mechaniker Hugo Erb senior (1894-1953) gründet in Winterthur-Töss eine Reparaturwerkstätte für Autos. Er baut diese zu einer florierenden Garage aus.

1953: Nach dem Tod von Erb senior übernimmt sein Sohn Hugo Erb junior (1918-2003), ausgebildeter Mechaniker und Kaufmann, den Betrieb.

1950er/60er Jahre: Erb Junior setzt auf Autohandel (Ford, Mercedes) und baut ein schweizerisches Garagennetz auf. 1955 Gründung einer eigenen Leasing-Firma.

1970er/80er Jahre: Erb übernimmt die Generalvertretung für Mitsubishi, Skoda, Suzuki, Isuzu, Hyundai und von MAN-Lastwagen. 1988 Eröffnung eines Autozentrums in Härkingen

1980er Jahre: Erb diversifiziert sein Unternehmen. Er übernimmt die Bruno Piatti AG (Küchen und Fenster), die Kaffeehandelsfirma Volcafe, die EgoKiefer AG (Fenster und Türen), das Zentrum Töss in Winterthur, und das Finanzinstitut EBC Amro Asset Management Ltd., London. Die erworbenen Firmen werden in der Erb-Gruppe mit vier Holdings zusammengefasst. Die Söhne Christian und Rolf übernehmen einzelne Sparten und werden CEO und Co-CEO.

1990: Die Familie Erb kauft Schloss Eugensberg in Salenstein TG.

1994: Christian Erb erleidet einen Autounfall und ist seither querschnittgelähmt.

2002: Das Erb-Imperium umfasst 80 Firmen weltweit mit fast 5'000 Mitarbeitern - davon 2'500 in der Schweiz, und macht einen Umsatz von 4,5 Milliarden Franken. Allerdings beschert die Beteiligung an der Kölner Immobilienholding Concordia Bau und Boden AG der Erb-Gruppe einen wachsenden Schuldenberg.

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8. Juli 2003: Tod von Hugo Erb. Es gibt keine klare Nachfolgeregelung.

Okt. 2003: Die Erb-Erben holen den Firmensanierer Hans Ziegler an Bord.

5. Dez. 2003: Ziegler muss den Zusammenbruch der Erb-Gruppe bekannt geben. Diese hat Schulden von rund zwei Milliarden Franken bei rund 80 Banken. Es ist nach dem Swissair-Konkurs die zweitgrösste Firmenpleite in der Schweizer Geschichte. Die noch gesunden Teile der Erb-Gruppe werden verkauft.

7. Juli 2004: Rolf Erb meldet Privatkonkurs an.

Oktober 2004: Letzte Gläubiger-Versammlung der Unifina Holdung, der letzten Holding der Erb-Gruppe.

10. März 2005: Die Wirtschaftszeitung «Cash» veröffentlicht ein Gutachten des Erb-Sanierers Ziegler, wonach in der Erb-Gruppe die Bilanzen seit den Neunziger Jahren systematisch verfälscht wurden.

21. April 2006: Laut dem Liquidator hinterlässt der Erb-Zusammenbruch allein in der Unifina Holding ein Loch von über drei Milliarden Franken.

30. Aug. 2006: Rolf Erb räumt gegenüber dem «Landboten» erstmals eine Mitschuld am Zusammenbruch des Erb-Imperiums ein. Gleichzeitig kritisiert er die Arbeit der Sachwalter.

16. Dez. 2010: Die Zürcher Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Rolf Erb. Ihm werden gewerbsmässiger Betrug, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung vorgeworfen. Das Verfahren gegen Christian Erb wird eingestellt.

23. Januar 2012: Der Prozess gegen Rolf Erb beginnt vor dem Winterthurer Bezirksgericht.

22. März 2012: Rolf Erb wird vom Winterthurer Bezirksgericht zu acht Jahren Freiheitsstrafe unbedingt verurteilt - wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfacher Gläubigerschädigung.

(aho/muv/sda)