Sulzer bekommt die Folgen von US-Sanktionen gegen russische Unternehmen und Geschäftsleute deutlich zu spüren. Problematisch sind für den Industriekonzern die Verbindungen mit Viktor Vekselberg. Der Multimilliardär steht auf der Liste der Sanktionierten. Er besitzt die Renova-Gruppe mit zahlreichen Beteiligungen in der Schweiz – darunter eben Sulzer.

Renova gegenüber stehen die Signale auf Rückzug: Joe Ackermann, der ehemalige Chef der Deutschen Bank, ist aus dem Verwaltungsrat ausgetreten. Das berichtet die «NZZ» am Mittwoch. Auch die anderen Verwaltungsräte hätten ihr Mandat zu dem Zeitpunkt niedergelegt, an dem die USA Sanktionen gegen den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg ausgesprochen haben.

Auch Sulzer direkt bekommt den Rückzug zu spüren: Die Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS) handeln nicht mehr mit Sulzer-Aktien. Das sagten mehrere Händler am Börsenplatz Zürich tätiger Banken gegenüber der Nachrichtenagentur AWP und bestätigten damit entsprechende Medienberichte. «Bereits gestern hat die UBS den Handel gestoppt, seit heute auch die CS», hiess es. Auch andere Banken würden ähnliche Schritte erwägen.

Aktienrückkauf von Renova

Sulzer hatte am Montag angekündigt, 5 Millionen eigene Aktien vom Grossaktionär Renova zurückzukaufen. Nach Abschluss der Transaktion werde Renova noch einen Anteil von 48,83 Prozent halten, nach den zuletzt gemeldeten 63,4 Prozent. «Wenn das Placement abgewickelt werden kann, dann kann sich die Situation auch schnell wieder ändern», sagte ein Händler.

Auf Nachfrage wollte ein Sprecher der UBS gegenüber der Nachrichtenagentur AWP keinem Kommentar zum Handel der Bank mit Sulzer-Aktien abgeben. Auch Angaben dazu, was passiert, wenn ein UBS-Kunde eine Sulzer-Kauf- oder -Verkaufsorder erteilt, wollte er gegenüber Medien nicht machen. Er verwies auf ein Statement der Bank zum Thema Sanktionen.

Darin betont die UBS, dass sie als globaler Finanzdienstleister angehalten sei, eine Vielzahl rechtlicher und regulatorischer Bestimmungen einzuhalten. Man habe einen Standard definiert, «wonach mindestens die jeweils aktuell erlassenen Sanktionen der Schweiz, der Uno, der EU und der USA berücksichtigt und weltweit umgesetzt werden». Die Sulzer-Aktien sind am Mittwoch unter hohen Volumen weiter deutlich nach unten gerutscht und geben am Nachmittag um 7 Prozent auf 99,40 Franken ab. Am Freitag, als die Sanktionen von der US-Regierung bekanntgegeben wurden, hatten Sulzer noch bei rund 126 Franken geschlossen.

Neugeschäfte in Dollar nicht zugelassen

Auch in den USA haben die Sanktionen für Sulzer Konsequenzen: Sulzer-Sprecher Rainer Weihofen bestätigte am Mittwoch Berichte der «Nordwestschweiz», wonach die Konten von Sulzer in den USA eingefroren worden seien. Er betonte dabei, dass die Einschränkungen von den Banken ausgegangen seien. «Sulzer steht nicht auf einer Liste von US-Behörden.»

Sulzer dürfe zwar weiterhin Löhne aus- und Lieferanten bezahlen, ansonsten aber keine Zahlungen in Dollar vornehmen und keine Neugeschäfte tätigen. Sulzer kann laut Weihofen zwar weiterhin die Kunden in den USA bedienen, jedoch nur, wenn entsprechende Verträge vor Freitag der vergangenen Woche abgeschlossen worden seien.

Zuversicht bei Sulzer

Die Hoffnung von Sulzer, im Verlauf der Woche von den Sanktionen befreit zu werden, ist laut Weihofen intakt. «Wir sind zuversichtlich», bestätigte er Aussagen, die er bereits am Montag gemacht hatte.

Mitarbeiter von Sulzer in den USA stünden in engem Kontakt mit der zuständigen Behörde OFAC (office of foreign assets control). Die Gesprächsatmosphäre dort sei dem Vernehmen nach konstruktiv. Bis konkrete Resultate vorlägen, müsse man aber abwarten.

 (sda/me/mlo/tdr)