1. Home
  2. Ackermann wird gewählt - Zurich wechselt den Namen

Unternehmen

Ackermann wird gewählt - Zurich wechselt den Namen

Zurich: Der neue Name soll die Kerngebiete wieder mehr in den Fokus nehmen. (Bild: Keystone)

Ein Topbanker wird Verwaltungsratspräsident des Versicherungsgiganten Zurich. Zudem stimmten fast alle Aktionäre an der Generalversammlung für eine Namensänderung. Den Vergütungsbericht beurteilten si

Veröffentlicht am 29.03.2012

«Zurich Financial Services» hat ausgedient. Der Verwaltungsrat will so den Wandel der Gruppe vom Finanzdienstleister zu einem hauptsächlich als Versicherer tätigen Konzern herausstreichen. Die durch den Namen verdeutlichte Rückkehr zum Kerngeschäft gefällt den Aktionären. Der Beweis: Von den an der GV vertretenen Stimmen waren 99,4 Prozent dafür. Kein Wunder sagte Rudolf Meier von der sonst kritischen Aktionärsvereinigung Actares: «Die Zurich ist wieder zu ihrem eigentlichen Geschäft, der Versicherung, zurückgekehrt.» Seine Vereinigung begrüsse dies.

Kritischer zeigten sich die Aktionäre zum Vergütungsbericht, der auf die Ablehnung von 13,4 Prozent der Stimmen stiess. Das höchste Gehalt für ein Konzernleitungsmitglied bekommt Chef Martin Senn mit 7,9 Millionen Franken. Sein Salär besteht aus einem Fixlohn und einem teilweise aufgeschobenen Bonus. Die Abstimmung über den Vergütungsbericht hat konsultativen Charakter.

Ackermann gewählt

Neben der Namensänderung wurde auch eine prominente Persönlichkeit in der Firma willkommen geheissen: Der Topbanker Josef Ackermann nimmt auf dem Präsidentenstuhl des Verwaltungsrates der Zurich-Versicherung Platz. Ackermann ist bereits seit zwei Jahren «normales» Mitglied des Gremiums. Allerdings ging die Wahl mit Nebengeräuschen über die Bühne. Obwohl 82 Prozent der Aktionäre auf seiner Seite waren, verweigerten ihm 14,1 Prozent die Stimme zur Widerwahl in den Verwaltungsrat.

Damit musste Ackermann das schlechteste Ergebnis aller zur Neu- oder Wiederwahl anstehenden Verwaltungsräte hinnehmen. Er selbst führt dies auf seinen Sitz im Vergütungsausschuss zurück, der über Managersaläre bestimmt: «Leider bekommt man da Gegenstimmen, das ist weltweit so», sagte er im Gespräch mit den Medien. Er sei auf ein solches Ergebnis vorbereitet gewesen.

Ackermann will sich einmischen

Ackermann gilt derweil als Topbanker und enger Vertrauter der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Ausserdem ist er bekannt dafür, sich in Interviews in die Politik und Wirtschaft einzumischen. Das werde sich nicht ändern. Will heissen: Ackermann wird sich in Zukunft auch zu Fragen des Finanzplatzes Schweiz äussern. Aber generell werde es ruhiger: «Sie werden viel weniger von mir hören», sagte er. Ein Verwaltungsratspräsident müsse in der Öffentlichkeit anders agieren als ein Konzernchef.

Neben den kontroversen Interviews setzte er sich auch für eine Lösung in der Schuldenkrise ein. Nichtsdestotrotz brachte ihm die Verteidigung der Finanzindustrie wütende Reaktionen aus Öffentlichkeit und Politik ein.  Zu guter Letzt freut sich Ackermann auf die neue Aufgabe bei der Versicherung: «Die Versicherungen sind eine attraktive Branche.» Aber auch er müsse sich noch in die Materie einarbeiten.

Ackermanns Wahl zum Verwaltungsratspräsidenten erfolgte innerhalb des Kontrollgremiums direkt nach der Generalversammlung im Zürcher Hallenstadion. Der Bankmanager übernimmt das Präsidium eines Konzerns, der 60'000 Mitarbeiter und Standorte auf allen Kontinenten zählt.

Der 1948 in Mels SG geborene Ackermann war zu Beginn der 1990er Jahre Konzernchef der Schweizerischen Kreditanstalt SKA, der heutigen Credit Suisse (CS). Während die SKA zur CS umgebaut wurde, ging er zur Deutschen Bank nach Frankfurt, wo er über das Investmentbanking 2002 zum Chef aufstieg. Seine Amtszeit in Frankfurt endet im Mai.

(muv/laf/aho/sda/awp)

Anzeige