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Addex: «Wir sind extrem enttäuscht»

Die Biotechfirma aus Genf kommt an der Börse nicht vom Fleck. Neue Interessenten wären da, die alten Investoren wollen aber nicht mit Verlust verkaufen.

Von valentin handschin
am 17.10.2007

Der Aktienkurs der Genfer Biotechfirma Addex gibt den Anlegern Rätsel auf. Seit der Kotierung im Mai 2007 verlor der Titel ohne ersichtlichen Grund über 23% seines Wertes und stand zuletzt bei 52 Fr. Händler und Analysten können sich dies nur schwer erklären. Denn die einzige negative Nachricht, welche Addex seither veröffentlichte, war der Abbruch eines Forschungsprojektes für ein Medikament gegen die Nikotinsucht. Diesem waren jedoch eh keine grossen Chancen eingeräumt
worden.

Keine glückliche Hand

Kein Wunder, hält Finanzchef Tim Dyer unmissverständlich fest: «Wir sind extrem enttäuscht über diese Entwicklung.» Und CEO Vincent Mutel ergänzt: «Wir haben das Gefühl, dass Addex unterbewertet ist.» Beide wehren sich gegen die These, dass der Börsengang ein Jahr zu früh erfolgt sei. Man habe 137 Mio Fr. aufnehmen können, und der IPO sei mehr als vierfach überzeichnet gewesen.

Angesichts dieses grossen Interesses erstaunt allerdings, dass die federführenden Bankhäuser Lehman Brothers, Piper Jaffray, Vontobel und Bank am Bellevue augenscheinlich keine glücklichere Hand bei der Auswahl der Addex-Aktionäre hatten: Viele Papiere gerieten an kurzfristig orientierte Spekulanten und nicht an langfristig orientierte Investoren. Diese Vermutung wird von Dyer und Mutel bestätigt. Neben CEO Mutel (3,1%) halten heute folgende Investoren mehr als die meldepflichtigen 3%: Sofinnova Capital (11,9%), Index Ventures (11,5%), TVMV Life Science Ventures (10,6%)
und Polytechnos Venture Fund (3,6%).

Am 22. November läuft die erste Lock-up-Periode ab. Dies wäre die Chance für das Unternehmen, das an Medikamenten gegen Alzheimer, Depressionen, Schizophrenie und Entzündungsschmerzen mit Blockbusterpotenzial forscht, nun die «richtigen» Geldgeber zu gewinnen. Dem Vernehmen nach sind Investoren mit Interesse an grösseren Aktienpaketen vorhanden. «Unsere grössten Investoren haben uns deutlich zu verstehen gegeben, dass Addex signifikant unterbewertet sei und sie mit einem Verkauf der Titel warten, bis der Kurs höher ist», dämpft Mutel jedoch deren Erwartungen.

Studien zum Jahreswechsel

Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben finanzielle Mittel bis Mitte 2010 und will bis dann den Personalbestand von 70 auf 200 Personen erhöhen. Im Dezember 2007 oder Januar 2008 sollen weitere Daten zum Produktkandidaten ADX 10059 (gegen Angstzustände) veröffentlicht werden. Zudem lässt Mutel durchblicken, dass Addex in nächster Zeit auch neue Kooperationen mit grossen Pharmakonzernen verkünden könne. Mit der US-Konsumgüterfirma Johnson & Johnson läuft bereits eine Kooperation.

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