Zwei Seiten der Medaille bei Adidas: Zum einen peilt der Sportartikelhersteller 2016 ein neues Rekordjahr im Fussball an. Im gleichen Jahr erwartet Adidas aber auch Druck auf die Marge, wie der Konzern am Mittag während einer Investorenveranstaltung mitteilte. Und der soll wegen höherer Einkaufspreise und steigender Löhne bis 2020 anhalten. Das stellte am Aktienmarkt alle guten Fussballnachrichten vom Morgen in den Schatten. Das Papier ging auf Tauchfahrt an das Dax-Ende.

Am Morgen hatte der Konzern mitgeteilt, dass Adidas bereits im laufenden Jahr trotz fehlender grosser Turniere einen ähnlich hohen Umsatz im Fussballgeschäft erreichen werde wie im Jahr der Weltmeisterschaft 2014. «2016 werde wir noch einen drauf setzen und zweistellig wachsen», sagte Vorstandschef Herbert Hainer in Herzogenaurach. 2014 hatte der Konzern 2,1 Milliarden Euro mit dem Verkauf von Bällen, Fussball-Trikots oder -Schuhen erlöst. Optimistisch stimmt den Unternehmenschef, dass der Konzern bei der Europameisterschaft in Frankreich im kommenden Jahr zehn von Adidas ausgerüstete Teams im Rennen um die Fussballkrone hat. Die Franken sind zudem Hauptsponsor des Turniers und stellen als solcher unter anderem den Spielball.

Olympia als Absatzschanze

Impulse erwartet der Konzernchef auch von den ebenfalls 2016 anstehenden Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Insgesamt sollen Umsatz und Ergebnis im Konzern im kommenden Jahr jeweils im hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Optimistisch stimmen den Konzernlenker die derzeit vollen Orderbücher, die Aufschluss über den Verlauf der ersten zwei Quartale des neuen Jahres geben. Diese seien so voll wie er es in den vergangenen 15 Jahren nicht gesehen habe, sagte Hainer. Der Manager sieht auch Anzeichen für ein Comeback in den USA. Aufwärts gehen soll es auch wieder im zuletzt schwächelnden Golfgeschäft.

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Eine Zukunft bei den Franken wird auch weiterhin die Fitnesstochter Reebok haben. Reebok sei die letzten elf Quartale gewachsen und Fitness werde einer der wichtigsten Märkte der Zukunft sein, sagte Hainer. «Wir wären schlecht beraten, das Geschäft genau dann zu verkaufen, nachdem wir es richtig positioniert haben.»

Gewinnwachstum in Gefahr

Die schlechten Nachrichten kamen dann am Mittag: Höhere Einkaufspreise und steigende Löhne erschweren künftige Gewinnsprünge bei Adidas. Die Beschaffungskosten dürften deswegen bis zum Jahr 2020 deutlich steigen. 2016 kämen ungünstige Währungskurse hinzu. Mit Effizienzmassnahmen und höheren Preisen für Sportkleidung will Adidas gegensteuern. «Wir sind gut gerüstet, um dem Kostendruck entgegenzuwirken, mit dem sich die gesamte Branche nächstes Jahr konfrontiert sehen wird», sagte Finanzchef Robin Stalker.

Im Jahr 2016 will die Adidas-Spitze den erwarteten Rückgang der Bruttomarge – also der Differenz zwischen Umsatz und Herstellungskosten – auf ein halbes bis ein Prozent begrenzen. Die operative Marge, die auch weitere Kosten des Konzerns berücksichtigt, soll jedoch mindestens stabil bleiben. An der Börse wurden die neuesten Nachrichten mit Enttäuschung aufgenommen. Zum Schluss lag die Adidas-Aktie mit über drei Prozent im Minus und war damit schwächster Wert im Dax.

(awp/ise)