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Adoboli-Prozess: Nachkarten gegen Ex-UBS-Chef Grübel

Die Verteidigung von Kweku Adoboli berufen sich auf die Risikostrategie von Ex-UBS-Chef Oswald Grübel. (Bild: Keystone)

Im Prozess gegen den ehemaligen UBS-Händler Adoboli stellt die Verteidigung die Risikostrategie der UBS unter dem früheren Konzernchef Grübel in Frage. Dieser habe ein härteres Rangehen und mehr Risik

Veröffentlicht am 25.09.2012

Der Prozess gegen den früheren UBS-Händler Kweku Adoboli ist mit weiteren Fragen zur Risiko-Strategie der grössten Schweizer Bank in seine dritte Woche gegangen.

Die Verteidigung vertrat die Ansicht, mit dem Amtsantritt des früheren Konzernchefs Oswald Grübel habe die Bank ihre Risiken erhöht und so dazu beigetragen, dass Adoboli durch Fehlspekulationen schliesslich einen Schaden von 2,3 Milliarden Dollar verursachte.

Dem hielt der als Zeuge geladene UBS-Manager Phillip Allison entgegen, die Bank habe zwar mehr Risiken genommen, aber auch die Risikokontrolle verschärft. Weniger Risikokontrolle habe nie zur Debatte gestanden, sagte Allison vor den Geschworenen des Londoner Southwark Crown Court.

Als Beweis für seine These präsentierte Adobolis Verteidiger Paul Garlick einen Artikel des Wirtschaftsmagazins «The Economist» vom November 2009, der mit «Ossie's casino» betitel war. Darin wurde Grübel mit der Aussage zitiert, er wünsche sich etwas mehr Risiko und die Händler könnten durchaus etwas härter rangehen.

Eine derartige Botschaft sei tatsächlich bei der Belegschaft angekommen, nachdem Grübel Anfang 2009 das Steuer übernommen hatte, sagte Allison. Grübel habe sich für die Bank wieder etwas mehr Risiko-Appetit gewünscht.

Grübel: «Ruf der Bank an erster Stelle»

Das sei aber nicht die einzige Botschaft gewesen. Grübel habe immer auch klar gemacht, dass der Ruf der Bank an erster Stelle stehe. Er habe nicht eindimensional argumentiert. In den Führungsetagen der UBS habe das Gefühl geherrscht, dass die Händler nach dem Beinah-Kollaps der UBS im Jahr 2008 das Vertrauen in ihre Fähigkeit verloren hatten, Risiken einzugehen und zu managen.

«Wenn eine Bank keine Risiken nimmt, ist es extrem hart, Geld zu verdienen», sagte Allison. Er wies die These der Verteidigung zurück, dass bei UBS unter Grübel Risiko-Limiten weniger gezählt und Kontrollen lax gehandhabt worden seien solange die Bank nur Geld verdiente.

Die Bank habe so sorgfältig gearbeitet wie zuvor - «wenn nicht mehr». So habe Grübel zum Beispiel regelmässig globale Risiko-Konferenzen eingeführt, an denen leitende Manager aus der ganzen Bank teilnahmen.

Grübel selbst trat wenige Tage nachdem der Verlust am 15. September 2011 publik wurde als UBS-Konzernchef zurück. Adoboli, dem Betrug und falsche Buchführung vorgeworfen wird, hat auf «nicht schuldig» plädiert.

(aho/vst/sda)

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