Die Unruhen in Ägypten vermasseln dem Reiseanbieter Hotelplan das Geschäftsjahr. Eigentlich hatte die Migros-Tochter nach vier Verlustjahren in Folge dieses Jahr wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren wollen. Daraus wird nun nichts.

«Ägypten reisst die Hotelplan-Gruppe ins Minus», sagte Konzernchef Thomas Stirnimann in einem Interview, das auf dem Onlineportal «Cash» publiziert wurde. Dabei hatte Hotelplan eigentlich grosse Hoffnungen in die Destination gesetzt.

«Wir gingen davon aus, dass das Land für den Winter wieder richtig aus den Startlöchern kommen könnte und wollten deshalb unser Geschäft ausweiten», sagte Stirnimann. «Nun bleibt uns nichts anderes übrig als abzuwarten.» Laut dem CEO macht Ägypten etwa zehn Prozent des Wintergeschäfts von Hotelplan aus.

Italien-Sparte belastet erneut

Nicht nur die Buchungen von Schweizer Touristen seien durch die politische Krise weggefallen, auch Hotelplan Italia sei betroffen. Die Italien-Sparte, die bereits für den Verlust im vergangenen Jahr verantwortlich war, werde das Unternehmen auch 2013 in den roten Zahlen halten.

Anzeige

Die Aussicht auf einen weiteren Jahresverlust frustriert den Hotelplan-Chef aber nicht. «Für uns ist wichtig, dass es nicht selbstverschuldet ist», erklärte er.

Das Aussendepartement (EDA) hatte Mitte August als Reaktion auf die seit Wochen anhaltende Gewalt eine generelle Reisewarnung für Ägypten herausgegeben. Die grossen Schweizer Reiseveranstalter transportieren deshalb keine Reisenden mehr ins Land.

Stirnimann ist aber zuversichtlich, dass die Touristen bald wieder Ägypten-Ferien buchen. «Auffällig ist, dass gut ein Drittel der Betroffenen nicht umgebucht, sondern die Ägypten-Reise auf einen späteren Zeitpunkt verschoben hat», sagte er. «Für den Herbst sind unsere Flieger bereits ausgebucht.»

Normalisierung in vier bis sechs Monaten

Er rechnet damit, dass sich das Ägypten-Geschäft in vier bis sechs Monaten wieder normalisiert. Stirnimann ist damit deutlich optimistischer als der Interim-Chef des Konkurrenten Kuoni, Peter Meier.

Dieser glaubt, dass Ägypten in den nächsten 18 Monaten als Reiseziel kaum zurückkommen wird, «unabhängig davon, was auf politischer Ebene passiert», wie er an einer Telefonkonferenz sagte. Die Touristen hätten das Vertrauen in das Land verloren.

Diese Einschätzung teilt Stirnimann nicht. Dank den modernen Kommunikationsmittel seien die Leute besser informiert, «das macht sie gelassener».

(sda/vst/aho)