An der Pressekonferenz der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers versuchten die Exponenten die Fragen zur Weissgeldstrategie von Patrick Odier möglichst zu umschiffen. Dennoch wurde offensichtlich, dass viele Privatbankiers verstimmt sind über den Kurs, den der Mann aus den eigenen Reihen verfolgt.

Kurz nach seinem Amtsantritt als Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung hatte Patrick Odier, Senior Partner der Gen- fer Lombard Odier, verkündet: «Wir Banken müssen ein neues Geschäftsmodell einführen, bei dem die Steuerehrlichkeit bei der Annahme von Neugeld das Ziel ist.»

Vordergründig gibt Konrad Hummler, streitbarer Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers, seinem Genfer Kollegen recht: «Man muss Odiers Aussage im Lichte der Steueraffäre der UBS in den USA sehen. Er wollte sagen, dass Schwarzgeld nicht die Strategie der Banken sein soll. Die Institute sollten keine aktive Beihilfe zur Steuerhinterziehung liefern. Das würde ich unterstützen», sagt Hummler im Gespräch mit der «Handelszeitung». Doch mit seinem Vorstoss geht Patrick Odier in der Sache weiter, wie Thomas Sutter, Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung, bestätigt: Die Banken sollten nicht nur darauf verzichten, aktive Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu liefern, sondern ihre Geschäftsaktivitäten künftig klar auf Gelder ausrichten, die ‹tax-compliant› sind.» Damit meint Sutter Gelder, die von ihren Besitzern korrekt versteuert worden sind.

Weissgeldstrategie in Arbeit

In der Sache widerspricht Hummler denn auch dem Präsidenten der Bankiervereinigung. Die Besteuerungsfrage sei nicht nur eine Frage der Vergangenheit, sondern auch eine Frage der Zukunft. «Ob der Kunde in Zukunft Steuern zahlen will oder nicht, liegt in dessen Verantwortung», sagt Hummler. Mit dem Artikel 26 OECD habe sich die rechtliche Lage für die ausländischen Kunden geändert, nicht aber für die Banken.

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Die Bankiervereinigung arbeitet derzeit die Details aus, wie sich diese Weissgeldstrategie bei den Banken technisch umsetzen lässt. So könnte es zum Beispiel auf eine Form der Selbstdeklaration hinauslaufen. Der Kunde würde mit seiner Unterschrift bestätigen, dass seine Gelder ordentlich versteuert sind, sagte Odier.

Ein solcher Vorschlag wirft für den St. Galler Privatbankier Hummler viele Fragen auf: «Sie können sich mit keinem Formular die künftige Steuerehrlichkeit eines Kunden bestätigen lassen.» Zweitens werde der Bankier damit zur Vollzugsbehörde des ausländischen Fiskus. Dies sei prob- lematisch. «Damit wird das Depotgeschäft quasi verstaatlicht.» Auch der Genfer Privatbankier Ivan Pictet hat bereits früher kundgetan, dass es aus seiner Sicht völlig unrealistisch sei, die Kunden zu einem steuerehrlichen Verhalten zu zwingen.

Einige Banken haben in dieser Frage neue Wege beschritten. So fragt etwa die Zürcher Kantonalbank (ZKB) ihre Kunden im Gespräch, ob sie im Heimatland ihre Vermögen versteuern.

«Bankier muss aufpassen»

Bei solchen Fragestellungen wird es dem geschäftsführenden Teilhaber der Bank Wegelin bereits mulmig: Der Bankier müsse sehr aufpassen, dass er sich nicht durch übertriebene Fragestellungen in eine schwierige Situation begebe und damit Mitverantwortung für das Steuerproblem des Kunden trage. «Dies wäre eine Vermischung der Verantwortlichkeiten.»

Die ZKB erklärt etwa auch, dass sie in Zukunft möglichst wenig undeklarierte Vermögen haben will, und liegt damit auf einer Linie mit Odiers Vorstoss. Doch Konrad Hummler schüttelt nur den Kopf: «Das sind Plattitüden. Solche Aussagen kann man nicht machen. Wie kann die Bank sagen, ob der Kunde in Zukunft steuerehrlich ist?»