Chronisch kranke Patienten können dank Disease Management wirkungsvoll und kostensparend behandelt werden. Die Helsana-Gruppe fördert entsprechende Programme. Es fehlen jedoch Anreize für Ärzte, Disease Management anzubieten. Darum machen bis jetzt erst wenige Patienten mit.

Dank Disease Management können chronisch kranke Menschen, die etwa an Diabetes, Asthma, Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck leiden, besser behandelt werden. Es sind häufige Krankheiten, die oft zu Komplikationen, teuren Behandlungen und Spitalaufenthalten führen. Sie machen den Einsatz vieler Leistungserbringer wie Hausärzte, Spezialisten oder nicht-ärztliches Fachpersonal nötig. Doch diese arbeiten in der heutigen Versorgungslandschaft selten koordiniert zusammen.

Bessere Behandlungserfolge

Ziel des Disease Management ist darum, die beteiligten Leistungserbringer richtig einzusetzen und ihre Behandlungen zu koordinieren. Dadurch soll eine falsche Versorgung vermieden werden. Gleichzeitig gilt es, die Patienten zu befähigen, eigenständig mit der Krankheit umzugehen. Letztere profitieren dank besseren Behandlungsergebnissen von mehr Lebensqualität.

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Längerfristig lohnend

Für die Helsana-Gruppe als Kostenträger ist Disease Management interessant, weil längerfristig substanzielle Einsparungen zu erwarten sind. Kurzfristig erhöhen sich zwar die Kosten. Denn präventive Leistungen, engmaschige Betreuung, Patientenschulungsprogramme oder die Koordination der Behandlungen sind nicht gratis zu haben. Mittel- und längerfristig werden jedoch Notfallhospitalisationen, Komplikationen und Folgeerkrankungen verhindert oder treten erst verzögert auf. Weil es sich dabei um oft sehr gravierende und kostspielige Gesundheitsschädigungen handelt – man denke an Amputationen oder Nierenversagen bei Diabetikern –, lohnt sich der erhöhte Aufwand. Je nach Krankheit und Disease-Management-Programm dauert es unterschiedlich lange, bis die Einsparungen die zusätzlichen Kosten aufwiegen und übersteigen.

Der medizinische Nutzen von Disease Management ist in unzähligen Studien nachgewiesen. Die Patienten schätzen die Programme und die intensivere Betreuung. Sie verbessern die Versorgungsqualität und helfen, die steigenden Gesundheitskosten zu dämpfen. Wer das will, kommt um Disease Management nicht herum. Es ist darum zu bedauern, dass es in der Schweiz immer noch wenig verbreitet ist. Das ist darauf zurückzuführen, dass Anreize für Disease Management weitgehend fehlen. Einzige Ausnahme sind jene wenigen Leistungserbringer in Ärztenetzen und HMO-Praxen, die dank Verträgen mit den Krankenversicherern eine substanzielle Budgetmitverantwortung tragen.

Disease-Management-Programme geniessen in der Ärzteschaft ein zweifelhaftes Image. Sie haben den Ruf, überflüssig und teuer zu sein. Viele Mediziner glauben, Disease Management wolle in ihre Therapiefreiheit eingreifen. Sie fürchten, die Anbieter der Programme würden mit den Krankenversicherern gemeinsame Sache machen und sich in die Behandlung einmischen. Tatsache ist jedoch, dass die Helsana-Gruppe selber gar kein Disease Management betreibt, sondern für ihre Versicherten die Kosten für spezifische Programme übernimmt, die von medizinischen Anbietern entwickelt und geführt werden.

Bisher haben sich nur wenige Grundversorger für Disease Management gewinnen lassen. Entsprechend wenig Patienten machen mit. Ein Grund dafür dürfte die Angst sein, Patienten an andere medizinische Fachpersonen und Institutionen zu verlieren.Denn auch nicht ärztliche Leistungserbringer wie etwa spezialisiertes Pflegepersonal sind beim Disease Management stark vertreten. Viele Ärzte wissen Disease Management jedoch zu schätzen, wenn sie selbst erlebt haben, dass die Patienten nicht abwandern, dass sie durch die spezialisierte Beratung motivierter sind, dass sie Therapiemassnahmen besser umsetzen, der befürchtete administrative Mehraufwand nicht ins Gewicht fällt und die ärztliche Arbeit erleichtert wird.

Zusätzliche Entschädigung

In der Schweiz kommt der Aufbau von strukturierten Versorgungsprogrammen aber nur langsam voran. Nicht zuletzt, weil im Krankenversicherungsgesetz diese Massnahmen nicht vorgesehen sind und deren Vergütung nicht geregelt ist. Neben einzelnen Ärztenetzen und Behandlungseinrichtungen tritt höchstens eine Handvoll spezialisierter Anbieter in Erscheinung. Ein Anreiz könnte sein, die Mediziner für ihren zusätzlichen Aufwand beim Disease Management speziell zu entschädigen. Die Helsana-Gruppe unterstützt innovative Projekte, fördert die Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Anbietern und steuert ihre Versicherten in spezifische Programme. Die Versicherung übernimmt dafür die Kosten.

Die demografische Entwicklung und unser teils ungesunder Lebensstil werden dazu führen, dass die Zahl chronisch Kranker massiv zunimmt. Disease Management ist deshalb wichtig, um dieser Entwicklung zu begegnen.