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Industrie
AFG-Investor: «Bis 2016 sollte Kessel geflickt sein»

Michael Pieper: Der 69-Jährige will die AFG-Gruppe sanieren. Keystone

Seitdem Michael Pieper beim Bauausrüster AFG eingestiegen ist, bleibt kein Stein auf dem anderen. Bis Ende des nächsten Jahres will er den Turnaround mit der defizitären Gruppe aber schaffen.

Von Stefan Barmettler
am 19.08.2015

Im Geschäftsbericht 2014 der AFG schrieben der CEO und der VR-Präsident in ihrer Botschaft an die Aktionäre: «Die AFG hat im Geschäftsjahr entscheidende strategische Schritte realisiert und die Portfoliobereinigung abgeschlossen.» Ist das ein guter oder ein schlechter Witz?
Michael Pieper*: Wie kommen Sie darauf? Man hat ja das Portfolio massiv bereinigt. Man verkaufte das Haushaltküchengeschäft, das Röhrengeschäft, das Eiskastengeschäft, dann hat man die STI Group an Herrn Oehler verkauft. Jetzt kümmern wir uns um Gebäudetechnik, Gebäudehülle und Gebäudesicherheit.

Die vorherige Konzernleitung erklärte die Restrukturierung per Ende 2014 für abgeschlossen. Letzte Woche nun kündigt die neue Konzernleitung eine Totalsanierung an und einen Jahresverlust von gegen 200 Millionen Franken. Wie schlimm ist es?
Die Lage ist alles andere als hoffnungslos. Klar, das erste Halbjahr war enttäuschend, aber in der Firmengruppe gibt es viel Knowhow; langfristig sehe ich grosse Möglichkeiten. Die Stimmung in der Firma nehme ich jetzt als positiv wahr, man ist zuversichtlich. Zuerst geht’s jetzt darum, die «Low Hanging Fruits» zu ernten. Über die nächsten 12 bis 18 Monate will die Konzernleitung unter Herrn Alexander von Witzleben den Break Even erreichen, anschliessend wird er entscheiden, wo man markant, international und profitabel wachsen kann.

Wie lange dauert das Sofortprogramm?
Mitte bis Ende 2016 sollte der Kessel geflickt sein, sodass kein Wasser mehr rausläuft. Die meisten Bereiche – Gebäudetechnik, Gebäudesicherheit – laufen ja recht gut, nur im Bereich Gebäudehülle – also der Herstellung von Fenster und Türen – sind wir tiefrot, da müssen wir ansetzen. Da haben wir ein Problem mit der Produktion in der Schweiz und zusätzlich noch das Problem mit dem Euro. Der Import von Fenster aus dem Ausland ist 20 bis 30 Prozent billiger als die Produktion in der Schweiz. Deshalb wird die Produktion in die Slowakei und nach Deutschland zum Fensterhersteller Wertbau verlagert. Die Slowakei ist mehr als so halb teuer wie die Schweiz, Transportkosten inklusive.

In Deutschland und in der Slowakei werden Arbeitskosten in den nächsten Jahren steigen. Der Kostenvorteil wird sich reduzieren.
Das glaube ich nicht. Das sind sehr gute Standorte.

2018 zahlt AFG wieder eine Dividende an die Aktionäre, richtig?
Das ist für mich nicht das Wichtigste. Zuerst müssen wir Schulden abbauen, Gewinn generieren und in die Zukunft investieren. 2018 sollten wir soweit sein. Da dürfte der Betriebsgewinn auf Stufe Ebitda ungefähr 100 Millionen erreichen.

Sehen Sie noch Wachstumsmöglichkeiten im Fenstermarkt?
Auf jeden Fall. In der Schweiz sind wir im Fenstermarkt schon sehr stark, in Tschechien und Polen sind wir Nummer drei, in der Slowakei die Nummer eins. Aber in Deutschland, dem grössten Markt, sind wir noch nirgends – da sehe ich grosse Möglichkeiten.

Ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre ist kein Plan?
Nein. Wir sind jetzt mit 26,7 Prozent an AFG beteiligt. Notfalls werden wir im Rahmen der Kapitalerhöhung auf 33 Prozent gehen, aber nicht darüber hinaus.

Wäre ein Übernahmeangebot nicht sinnvoller, Sie bestimmen ohnehin.
Bei einer Kapitalerhöhung werden sicher auch andere Aktionäre mitziehen, da bin ich überzeugt. Und es ist ja nicht so, dass Herr von Witzleben oder ich bestimmen. Der Input der anderen Konzernleitungs- und Verwaltungsmitglieder ist ebenfalls sehr wichtig. Herr von Witzleben ist sehr sensibel und offen für andere Stimmen.

*Der Unternehmer Michael Pieper ist im Dezember 2014 mit seiner Artemis Holding bei AFG eingestiegen. Seither bleibt kein Stein auf dem anderen. Im grossen «Handelszeitung»-Interview – ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten – äussert er sich ausführlich über seine Pläne mit der AFG-Gruppe, über seine Grundsätze beim Investieren und warum er auch mit 69 Jahren keineswegs an Rückzug denkt.

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