AUTO-TEILE UNGER. Von einem Finanzinvestor zum anderen: 2004 kaufte die US-Beteiligungsgesellschaft KKR die Mehrheit an der Werkstattkette Auto-Teile Unger (ATU) von Doughty Hanson auf. Rund 1,35 Mrd Euro zahlte der US-Investor dafür und wälzte den Grossteil der Kosten auf ATU ab. Jetzt hat die Kette ernsthafte Probleme.

Der laue Winter, die teure Expansion – darunter auch in die Schweiz – sowie die hohe Verschuldung haben den Marktführer ATU enorm unter Druck gebracht. Schon seit Wochen wird deshalb an der Börse darüber spekuliert, ob das Unternehmen ohne eine kräftige Finanzspritze überhaupt noch an seiner Strategie festhalten kann. Die Ratingagentur Standard & Poors stufte daher auch die Bonitätsbewertung Anfang Dezember von B+ auf B herunter – wegen der «anhaltend schlechten Geschäftsentwicklung und des sehr aggressiven Finanzierungsprofils».

«Operation am offenen Herzen»

Schon einmal, im August vorigen Jahres, mussten KKR und ATU das Kreditpaket aufschnüren, um eine Lockerung der Kreditkonditionen zu erreichen. «Eine Operation am offenen Herzen», sagt einer der damals beteiligten Banker. Aber sie war notwendig. Denn hätte ATU die in den Kreditverträgen festgelegten Finanzziele nicht erreicht, hätten die Banken mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit die Notbremse ziehen können. Die Konsequenz für KKR und ATU wäre verheerend gewesen. Doch dazu kam es dann doch nicht. Die neuen Bedingungen erlauben nun eine deutlich höhere Verschuldung. Aber offensichtlich reicht das immer noch nicht aus.

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Denn nach dem milden Winter drohen nun auch die neuen Kreditbedingungen hinfällig zur werden. Bringt man das komplizierte Vertragswerk von September auf einen Nenner, so muss ATU im Bilanzjahr 2007 ein Ergebnis von 130 Mio Euro erzielen, um im gesteckten Rahmen zu bleiben. Doch das wird nicht einfach, denn die Winterzahlen dürften kaum besser sein als die Zahlen aus dem Sommer – im Gegenteil: Bei den Winterreifen, eine der wichtigs- ten Ertragsquellen von ATU, rechnen Verbände nun sogar mit einem doppelt so grossen Einbruch wie bei den Sommerreifen. Damals war es ein Minus von 7%. Der deutsche Branchenverband Reifenhandel spricht daher von einem «sehr ernsthaften Problem für die Branche».

ATU dürfte sich dem negativen Trend kaum entzogen haben, denn das Unternehmen setzte bisher stark auf dieses Wintergeschäft. Zahlen will die Werkstattkette jedoch nicht veröffentlichen. Man sei schliesslich keine börsennotierte Aktiengesellschaft. Doch aus firmeninternen Unterlagen geht hervor, dass schon das November-Geschäft unter Plan gelegen haben soll. Auch der Dezember fing nicht viel besser an. Bis zum 6. des Monats soll das Ergebnis gerade einmal 90 Mio Euro betragen haben, was allerdings aus dem Umfeld von ATU dementiert wird. Andere Quellen sprechen von deutlich mehr als 100 Mio Euro – damit läge ATU noch im Plan.

Doch dass es für das Unternehmen eng wird, daran zweifelt keiner mehr. Im Gegenteil: Die jüngsten Entwicklungen sprechen eher für eine sehr angespannte Lage: «Für die strategische Weiterentwicklung strebt das Unternehmen auch eine Stärkung der Kapitalbasis an», liess ATU in einer Mitteilung verlauten. Gespräche mit Banken und Investoren sollen nun geführt werden, «um eine verbesserte adäquate Kapitalstruktur zu etablieren». Damit nicht genug: KKR hat die Unternehmensberatung Roland Berger und die Investmentbank Goldman Sachs ins Boot geholt. Sie sollen ATU neu ausrichten. Und wohl auch dem neuen Firmenchef unter die Arme greifen. Vier Wochen war dieser Posten vakant. Nun gibt es eine Lösung.

Neuer CEO solls richten

Anfang Dezember feuerte KKR kurzerhand den ATU-Chef Karsten Engel. Er sollte der Garant für die expansive Wachstumsstrategie bei ATU sein. Doch er blieb gerade einmal zwei Jahre. Unter seiner Ägide konnte die Werkstattkette zwar ihren Umsatz deutlich steigern und stark expandieren. Die Gewinnmargen allerdings überzeugten KKR wohl nicht. Da konnte auch die sicherlich teure Werbung mit dem ehemaligen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher nicht helfen. Die schlechte Geschäftsentwicklung soll Engel schliesslich den Kopf gekostet haben, sagen die einen. Andere hingegen behaupten, Engel habe noch rechtzeitig den Absprung geschafft, bevor das Schiff in stürmische See geriet.

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Mittlerweile ist Engel bei BMW untergekommen, und bei ATU wird Michael Kern das Ruder übernehmen. KKR setzt grosse Hoffnungen in den erfahrenen, wenn auch eigenwilligen Manager. «Michael Kern ist ein ausgewiesener Experte und Praktiker aus dem Automobilsektor», liess KKR-Partner Reinhard Gorenflos verlauten. Derzeit ist Kern noch Vertriebschef der Marke VW und wird Anfang April zu ATU wechseln.

 

Automanager rechnen für 2008 mit verstärkter Hybrid-Nachfrage

Die Automobilindustrie rechnet 2008 mit einem deutlichen Anstieg des Verkaufs von Hybrid-Fahrzeugen. Das ergab eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG unter 100 Spitzenmanagern aus der Hersteller- und Zuliefererindustrie. Derzeit werden weltweit jährlich zwischen 200000 und 300000 Autos verkauft, die mit einem kombinierten Benzin- und Elektromotor ausgerüstet sind.

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43% der befragten Führungskräfte gehen davon aus, dass der Absatz dieser umweltschonenderen Autos 2008 weltweit um mindestens 16% steigen wird. Jeder vierte Manager erwartet sogar ein Verkaufsplus von 25% und mehr. 81% aller Befragten zeigten sich davon überzeugt, dass der Marktanteil von Hybrid-Fahrzeugen in den kommenden fünf Jahren steigt. Als Vorreiter in der Branche gilt der japanische Hersteller Toyota, der bereits seit 1997 Hybrid-Fahrzeuge in Grossserien auf den Markt bringt.

Nach Ansicht von 79% der Befragten ist ausserdem die Brennstoffzellen-Technologie die wichtigste Innovation der kommenden fünf Jahre. Neuerungen zur Verbesserung der Sicherheit folgen auf Platz drei der Herausforderungen der Zukunft. «Umweltthemen werden nach Ansicht der Experten immer wichtiger für die Autoindustrie», sagt Dieter Becker, Leiter des Bereichs Automotive bei KPMG.

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Interessant sei dabei, wie die Hersteller die unterschiedlichen Antriebsformen für Autos möglichst effizient entwickeln und produzieren sowie Synergien zwischen den Varianten am besten nutzen könnten.