Friedrich Berschauer, CEO der Konzerndivision Crop Science des grossen deutschen Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, beurteilt die Wachstumschancen für sein Geschäft optimistisch, gerade im Bereich der Pflanzenschutzmittel. «Die höheren Commodity-Preise bringen es mit sich, dass die Landwirtschaft finanziell wieder attraktiver wird. Deshalb sind die Bauern vermehrt dazu bereit, auch in den Schutz des Saatgutes zu investieren. Das kommt dem Markt für Pflanzenschutzmittel zugute», sagt Berschauer im Gespräch mit der «Handelszeitung». Die Pflanzenschutz- und Saatgutsparte von Bayer hat ihren Sitz im deutschen Monheim nördlich von Köln.


Bayer setzt auf Marge

Die Pläne Berschauers bedeuten verschärfte Konkurrenz für den britisch-schweizerischen Konzern Syngenta. Denn Bayer Crop Science will speziell im Geschäft mit Fungiziden und Herbiziden aufholen. Dort ist Syngenta mit Sitz in Basel Marktführer, während Bayer Crop Science den ersten Platz bei den Insektiziden hält. «Bei den Fungiziden haben wir gute Chancen, kurzfristig die Nummer eins zu werden, bei den Herbiziden die Nummer zwei», gibt Berschauer die Stossrichtung vor.

«Wir setzen aber nicht primär auf den Umsatz, sondern auf die Marge», betont er. Im Jahre 2009 will die Bayer-Tochter eine Ebitda-Marge von 25% erreichen. 2006 betrug die Marge 21,1%. Zum Vergleich: Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Syngenta eine Ebitda-Marge von 19,1%.

Carsten Tilger, Kommunikationschef von Syngenta, wollte die Pläne von Bayer Crop Science nicht direkt kommentieren. «Wir sind in der Vergangenheit deutlich über dem Markt gewachsen und sind zuversichtlich, dies auch in Zukunft zu tun», hält er aber fest. Zudem wird der Konzern am 1. Oktober 2007 in Stein AG sein neues globales Zentrum zur Erforschung der Behandlungsmöglichkeiten von Saatgut mit Pflanzenschutzmitteln eröffnen, mit denen das Saatgut bereits vor der Aussaat behandelt wird. Syngenta will dafür gut 7 Mio Dollar investieren und 20 bis 30 Wissenschafter beschäftigen.

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Doch auch im Saatgutgeschäft verschärft sich die Konkurrenz für Syngenta. In erster Linie geht es für die Basler darum, den Abstand zu Marktführer Monsanto nicht zu verlieren.


Beide wollen Mais

Und nun kooperiert ausgerechnet Bayer Crop Science mit dem US-Saatgutunternehmen. Friedrich Berschauer hat Monsanto eine Lizenz zur Nutzung einer Herbizidtoleranz-Technologie für Mais- und Sojabohnen erteilt. Gleichzeitig erhielten die Deutschen im Bereich der Insektizidtoleranz «bestimmte Rechte an dem geistigen Eigentum von Monsanto», wie es die entsprechende Medienmitteilung vom Juni dieses Jahres festhält. Weitere solche Kooperationen sind laut Berschauer gut möglich. Denn so könne Bayer Crop Science indirekt doch noch am boomenden Markt für Mais und Soja partizipieren.

Das Unternehmen selbst stellt Saatgut für Reis, Baumwolle und Raps her und beansprucht dort eine «führende» Stellung. Der entsprechende Geschäftsbereich Bioscience soll gezielt ausgebaut werden: Einerseits über ein höheres Forschungsbudget, andererseits durch Zukäufe.

Syngenta hingegen will ab 2008 mit einer neuen Generation von Maissaatgut diesen Bereich stärken. Dabei handelt es sich um Sorten, die gleichzeitig gegen zwei oder drei Schädlinge resistent sein sollen.


Gegenseitige Zahlungen

Die Konkurrenz zwischen Syngenta und Bayer Crop Science ist hart. Das hat auch schon zu gerichtlichen Auseinandersetzungen geführt – so wurde 2002 ein mehrjähriger Patentstreit um Pflanzenwirkstoffe beigelegt, Syngenta bezahlte Bayer dafür 120 Mio Dollar. Andererseits hatten die Deutschen 2001 für 106 Mio Dollar ihr Pflanzenschutzgeschäft ausgerechnet durch den Erwerb eines Maisherbizids von Syngenta verstärkt.

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Die Konkurrenten

Syngenta: Der britisch-schweizerische Konzern erzielte 2006 mit 19500 Mitarbeitern einen Umsatz von 8,05 Mrd Dollar (9,55 Mrd Fr.). Das Unternehmen ist Marktführer im Pflanzenschutz und die Nummer drei im Saatgutmarkt.

Bayer: Die Division Crop Science des deutschen Konzerns beschäftigt 17900 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2006 einen Umsatz von
5,7 Mrd Euro (rund 9,4 Mrd Fr.). Im Saatgutbereich kooperiert BSC mit Marktführer Monsanto.