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AIG schliesst sich Klage gegen US-Regierung doch nicht an

AIG: Die Angst vor dem Zorn von Steuerzahlern und Politikern war zu gross. (Bild: Keystone)

Der Respekt vor dem Volkszorn war offenbar zu gross: Die Versicherungsgesellschaft AIG verzichtet auf eine Schadenersatzklage gegen die amerikanische Regierung.

Veröffentlicht am 10.01.2013

Die Versicherungsgesellschaft AIG wird sich einer Schadenersatzklage ihrer Aktionäre gegen die US-Regierung entgegen ersten Erwägungen nun doch nicht anschliessen.

Der mögliche Schritt hatte den Zorn von Steuerzahlern und Politikern erregt, da das Unternehmen auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 mit einer Milliardenspritze der öffentlichen Hand gerettet worden war. Am Mittwoch verkündete Aufsichtsrats-Chef Robert Miller nun den Rückzieher und Verzicht auf rechtliche Schritte.

Der frühere AIG-Geschäftsführer Maurice Greenberg hatte die Bedingungen der 182 Milliarden Dollar teuren Staatshilfe als unfair gegenüber den Anteilseignern kritisiert und die Regierung in Washington daraufhin mit seiner Firma Starr International auf 25 Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt.

Ohne die Kapitalspritze wäre die Versicherungsgesellschaft in der Krise allerdings wohl implodiert, da sie sich tief in riskante Immobiliengeschäfte verstrickt hatte. Die amerikanische Öffentlichkeit empörte sich deshalb über die «Undankbarkeit» der Versicherungsgesellschaft. Ein US-Kongressabgeordneter warnte die Unternehmensführung mit den Worten «Denkt nicht einmal daran!» vor einer Klage.

Kratzer für Image-Kampagne «Danke, Amerika»

Der Imageschaden für AIG ist trotz des Rückziehers beträchtlich, befindet sich das Unternehmen doch gerade inmitten einer Image-Kampagne unter dem Motto "Danke, Amerika". Deren Glaubwürdigkeit hat unter dem Gedankenspiel einer Klage gelitten.

Die Regulierungsbehörden hatten 2008 befürchtet, dass ein Kollaps der Firma das nach der Lehman-Pleite ohnehin schon wankende Finanzsystem zum Einstürzen bringen könnte. Die anschliessend gewährte Milliardenspritze war die grösste überhaupt im Zuge der Finanzkrise.

Dennoch beschwerten sich einige Aktionäre mit Greenberg an der Spitze später, dass sie bei der Übernahme von AIG-Anteilen durch die Regierung nicht ausreichend entschädigt worden seien.

Aufsichtsrats-Chef Miller verwies darauf, dass die Versicherungsfirma 205 Milliarden Dollar an Washington zurückgezahlt und der Regierung damit sogar einen Gewinn beschert habe.

(rcv/tke/sda)

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