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Air Berlin: Verhandlungen mit Lufthansa starten

Air Berlin: Auch Easyjet soll zu den Interessenten gehören.Keystone

Im Ringen um die Reste von Air Berlin liegt Lufthansa vorne. Ab Freitag finden Verhandlungen statt - zunächst nur mit dem Marktführer.

Veröffentlicht am 17.08.2017

Die Lufthansa hat im Ringen um die Reste von Air Berlin zumindest zeitlich die Nase vorn. Ab Freitag werde zunächst ausschliesslich mit dem Marktführer verhandelt, sagte Lufthansa-Vize-Aufsichtsratschefin Christine Behle der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. «Meines Wissens wird es wohl so sein, dass die anderen Anbieter danach eingeladen werden und dann gemeinsam ein Paket geschnürt wird.»

Neben der Lufthansa gehört Insidern zufolge die britische Easyjet zu den aussichtsreichen Interessenten. Es sei zu erwarten, dass sich die Verhandlungen über das ganze Wochenende hinzögen, erklärte Behle, die auch im Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi sitzt.

Interesse an 90 Maschinen

Lufthansa will Unternehmenskreisen zufolge bis zu 90 der 140 Maschinen übernehmen, die von Air Berlin betrieben werden, sowie deren österreichische Tochter Niki. «Das sind Vorstellungen, mit denen die Lufthansa in die Gespräche geht», sagte ein Insider. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann sprach in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» von Verhandlungen mit drei börsennotierten Rivalen, darunter der Lufthansa.

Von einer schnellen Einigung über die Zerschlagung von Air Berlin sei aber nicht auszugehen, sagte ein anderer Insider. «Je schneller, desto besser. Aber ich kann mir nicht im Ansatz vorstellen, dass das schon kommende Woche über die Bühne geht.» Ziel sei eine Entscheidung bis Ende September. Bis dahin soll Air Berlin mit einem 150 Millionen Euro schweren Staatskredit weiterfliegen. Er gebe der Fluggesellschaft die nötige Zeit für Verhandlungen, sagte Wirtschafts-Staatssekretär Matthias Machnig zu Reuters. «Alle Beteiligten sind jetzt dazu aufgerufen, zügig, aber gewissenhaft zu verhandeln.» Der Massekredit soll mit den Erlösen aus dem Verkauf der Reste von Air Berlin zurückgezahlt werden. Seine Flugzeugflotte hat Air Berlin nur geleast.

Eurowings im Gläubigerausschuss

Noch in dieser Woche soll erstmals der Gläubigerausschuss von Air Berlin zusammentreten, der formal alle Entscheidungen trifft. Nach Informationen von Reuters sitzt dort neben einem Vertreter der Bundesagentur für Arbeit und der Commerzbank auch die Lufthansa-Tochter Eurowings am Tisch. Sie wäre von einem «Grounding» von Air Berlin am stärksten betroffen, weil sie von dem Rivalen 38 Flugzeuge mit Besatzung gemietet hat.

Bisher laufe der Flugbetrieb aber «weitgehend reibungslos», sagte ein Insider. Die Buchungen seien in den vergangenen zwei Tagen nicht dramatisch eingebrochen. «Die Einbrüche kamen schon vor der Insolvenz.» Der Air-Berlin-Grossaktionär Etihad hatte Ende vergangener Woche die Reissleine gezogen und auf die massiv eingetrübte Geschäftslage verwiesen. Das Online-Buchungsportal fluege.de will spätestens am Freitag wieder Air-Berlin-Flüge verkaufen. «Wir gehen jedoch davon aus, dass Kunden die Angebote der Konkurrenz aus nachvollziehbaren Gründen bevorzugt in Anspruch nehmen werden», sagte ein Sprecher. Laut einem Insider hatte es der Lufthansa-Vorstand abgelehnt, Garantien für alle Buchungen von Air Berlin zu übernehmen.

«Brauchen deutschen Champion»

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sprach sich in der «Rheinischen Post» (Freitag) ungewöhnlich deutlich für eine nationale Lösung aus: «Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr», sagte der CSU-Politiker. «Deswegen ist es dringend geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile von Air Berlin übernehmen kann.» Regionale Monopole dürften dabei keine Rolle spielen.

Lufthansa will 21 Flugzeuge der Tochter Niki übernehmen, wie Insider sagten. Sie soll nicht in die Insolvenz rutschten, braucht dazu aber rasch eine millionenschwere Finanzspritze der insolventen Air Berlin, an deren Tropf Niki hängt. «Darüber wird gerade gesprochen», sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Interesse an Niki hätten aber auch weitere Unternehmen angemeldet. Darunter ist auch Easyjet. Attraktiv seien vor allem die Start- und Landezeiten von Niki am Düsseldorfer Flughafen. Die Air-Berlin-Gruppe besetzt dort ein Drittel der Slots. «Er ist besonders wichtig, weil die Slots dort aus Umweltgründen sehr begrenzt sind und weil er (...) lukrativeres Geschäft für die Lufthansa bietet», sagte Luftfahrtberater John Strickland.

Verdi setzt auf Bundesregierung

Air-Berlin-Chef Winkelmann sagte, es könnten nicht alle 7200 Stellen in Deutschland gerettet werden. Verdi macht sich grosse Sorgen vor allem um die 1000 Mitarbeiter in der Verwaltung und 850 in der Technik. Air-Berlin-Chefsanierer Frank Kebekus sagte dem «Handelsblatt» (Freitagausgabe): «Diese Sorge kann ich nur zum Teil nachvollziehen. Ich bin da durchaus optimistischer als die Gewerkschaften.»

Verdi forderte die Bundesregierung auf, Druck auf die Verhandlungspartner ausüben. Gewerkschafterin Behle sagte: «Wir haben keine Prioritäten. Alle, von denen man jetzt hört - von TUI bis Easyjet - sind Airlines, die gute Tarifverträge haben.» Es sei aber zu befürchten, dass sich die Mitarbeiter von Air Berlin dort neu bewerben müssten. «Da erwarten wir auf jeden Fall, gerade von einem Unternehmen wie der Lufthansa, dass sie da anders agieren.»

(reuters/cfr)

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