Die Krise der Fluggesellschaft Air France-KLM findet trotz des Verfalls des Ölpreises kein Ende, der dem Unternehmen niedrige Kerosinkosten beschert. Kurz vor dem Jahreswechsel senkte das französisch-niederländische Unternehmen am Donnerstagabend zum dritten Mal in diesem Jahr seine Gewinnprognose. Nun erwartet die Gesellschaft noch ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,6 Milliarden Euro, das sind noch einmal 200 Millionen weniger als im Oktober angekündigt.

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Die Börse reagierte geschockt. Aktien der Fluggesellschaft verloren am Freitag zum Handelsauftakt mehr als sieben Prozent an Wert.

Flugzeugkauf nach hinten verschoben

Ursprünglich hatte der Konzern operativ 2,5 Milliarden Euro verdienen wollen. Doch ein langer Pilotenstreik im September sowie schwache Ergebnisse im Langstreckengeschäft machten das zunichte. Als Reaktion auf die schwierige Lage kündigte Air France-KLM nun an, die geplante Übernahme von neuen Flugzeugen zu verschieben.

Finanzchef Pierre Francois Riolacci erklärte, die für die kommenden beiden Jahre geplante Auslieferung von zehn Langstrecken-Maschinen des Typs Boeing 777 verlegen zu wollen. Ein Grund sind die eingebrochenen Kerosinpreise: Diese reduzierten die Vorteile der neuen sparsamen Flieger, sagte Riolacci. Ob der Konzern bereits von den gesunkenen Ölpreisen profitiert, liess der Manager offen. Fluggesellschaften sichern sich üblicherweise gegen Preisschwankungen ab, so dass der billige Kraftstoff sich erst mit Verzögerung positiv in den Bilanzen auswirkt.

Positiver Ausblick für die Branche

Der internationale Luftfahrtverband IATA hatte vergangene Woche angesichts der deutlichen Kostenersparnis einen positiven Ausblick für die Branche gegeben. Er hob die Gewinnprognose für 2014 von 18 auf 19,9 Milliarden US-Dollar herauf. Nächstes Jahr sollen die Profite dann um gut ein Viertel auf 25 Milliarden Dollar steigen. 2013 hatten Fluggesellschaften in aller Welt mit 10,6 Milliarden Dollar noch erheblich weniger verdient.

Air France-KLM-Chef Alexandre de Juniac will die Sparanstrengungen nun noch einmal verschärfen. Er hatte ursprünglich geplant, die konzerneigene Billigfluglinie Transavia auszubauen. Dagegen hatten sich die Piloten mit ihrem wochenlangen Streik gewehrt. Das Management hat die Pläne inzwischen wieder gekippt.

Billigflieger dank Billigöl im Aufwind

Mit der Ausweitung des Transavia-Geschäfts wollte de Juniac den Konzern für den Wettbewerb mit Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet rüsten. Diese schreiben dank niedriger Betriebskosten im Europageschäft kräftige Gewinne, während klassische Airlines wie Air France-KLM dort Geld verlieren.

Die Lufthansa verlagert daher einen Grossteil ihrer Europaflüge auf ihre Billigtochter Germanwings und will das Konzept mit der Tochter Eurowings und einem neuen Langstrecken-Ableger ausbauen. Wie die Franzosen stösst auch die Lufthansa-Führung damit bei Piloten auf Widerstand.

(awp/ise/ama)