Matratze: Darf nicht durchhängen oder quietschen. WC-Papier: Unter zwei Rollen geht gar nicht. Kleiderbügel: Mindestens vier Stück. Aber keine Drahtbügel. Was sich anhört wie eine übliche Hotel-Klassifikation, ist der letzte Schrei bei einem Helden der Digital-Welt: Airbnb.  

Mit dem Programm «Airbnb-Plus», das im Februar 2018 startete, will die Firma ihren Gästen aus dem aktuellen Bestand von weltweit über fünf Millionen Unterkünften die herausragendsten Objekte und Gastgeber zeigen. Bald auch hierzulande, bestätigt Airbnb-Sprecher Julian Trautwein: «Wir erwarten, dass Airbnb-Plus 2019 auch in der Schweiz zur Verfügung stehen wird.»  

In der Hotelwelt verblasst Klassifikation, bei Airbnb blüht sie auf

Erstaunlich: Während in der angestammten Beherbergungswelt mit grosser Hartnäckigkeit immer wieder die Frage auftaucht, ob Hotel-Sterne aufgrund der Power von Bewertungsplattformen wie Tripadvisor überhaupt noch einen Stellenwert haben, führt ausgerechnet der erst zehn Jahre junge Digital-Kraftprotz Airbnb eine Klassifikation ein, die mit 100 Kriterien daherkommt.  

Es gehe dabei weniger darum, Airbnb-Gastgeber in ein Korsett zu pressen, sagt Trautwein, sondern den Nutzen für die Gäste zu erhöhen: «Wir zeichnen damit quasi die einzigartigsten Unterkünfte und Gastgeber auf Airbnb aus.»

 

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Kissen, Wasserdruck, Kohlenmonoxid-Detektor  

Dafür reicht aber eine Selbstdeklaration zur Anzahl Kissen im Schlafzimmer, Wasserdruck im Lavabo oder Küchen-Hygiene (Pfannenschwamm oder Spülbürste) nicht aus. Airbnb-Plus-Gastgeber werden per Hausbesichtigung durchgecheckt.  

Diese Inspektion schlägt in den USA mit einer «nicht erstattungsfähigen Bewerbungsgebühr von 149 US-Dollar» zu Buche. Wie hoch der Airbnb-Plus-Obolus in der Schweiz ausfallen wird, kann Trautwein noch nicht sagen.  

Seit Mai ein Fünftel mehr Unterkünfte in der Schweiz  

Was der Airbnb-Mann hingegen verlässlich sagen kann: Der Schweizer Boom der US-Bettenbörse setzt sich fort.  Die Zahl der Airbnb-Unterkünfte in der Schweiz ist weiter in die Höhe geschossen. Sprach die Firma noch im Mai 2018 von 30 000 Unterkünften hierzulande, so sind es gemäss neuestem «Airbnb-Reisebericht Schweiz» bereits deren 35 800.

 Fast 900 000 Gäste hätten in den letzten zwölf Monaten – gerechnet von November 2017 bis Ende Oktober 2018 -  in Schweizer Airbnb-Unterkünften übernachtet. Im ganzen Kalenderjahr 2017 waren es 700 000. Ein überwiegender Teil des Zuwachses sei dabei in ländlichen Gegenden ausserhalb der grossen Schweizer Städte angefallen.  

 

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Beobachter führen das auf den grossen Einfluss von Interhome zurück. Die Ferienwohnungs-Vermittlerin und Migros-Tochter bietet ihre Objekte vermehrt über Airbnb an. Weil Interhome viele Objekte in alpinen Gefilden anbietet, dürfte das zu einem gewissen Teil für den ländlichen Zuwachs bei Schweizer Airbnb-Buchungen geführt haben.  

Schweizer sind die besten Gäste von Airbnb in der Schweiz  

Zwar stammten die Gäste in Schweizer Airbnb-Unterkünften in den letzten zwölf Monaten aus über 50 Ländern – doch der wichtigste Quellmarkt ist die Schweiz selber. Schweizer Gäste (197 100) führen die Rangliste mit grossem Abstand vor den USA (135 700) und Frankreich (81 100) an.  

Wie gerne Schweizerinnen und Schweizer in hiesigen Airbnb-Objekten absteigen, zeigt nur schon die Herkunftsliste der wichtigsten Städte: Mit Zürich, Genf und Lausanne rangieren gleich drei Schweizer Metropolen in der Top 6 aller Herkunftsstädte.  

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