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Tourismus-Turbo
Airbnb powert in der Schweizer Pampa

Zuerst die Städte, dann die Berge – und jetzt auch im hintersten Winkel des Landes präsent: Airbnb wird zum flächendeckenden Phänomen in der Schweiz und knackt erstmals die Marke von 20'000 Objekten.

Von Andreas Güntert
am 15.09.2016

Airbnb setzt seinen Siegeszug fort in der Schweiz. Das zeigen aktuelle Zahlen des Walliser Tourismus-Observatoriums, welches die Bewegungen des kalifornischen Unterkunft-Marktplatzes seit Beginn verfolgt. Die jüngste Studie legt dar, dass sich das Airbnb-Angebot in der Schweiz seit 2014 mehr als verdreifacht hat. Die Zahl der Schweizer Objekte ist gemäss der aktuellen Untersuchung per Ende Juni 2016 auf 18'494 Objekte angestiegen. Beim Analyseverfahren, so Studienautor Roland Schegg, würden «circa 75-85 Prozent» der Schweizer Objekte erfasst. Extrapoliert berechnet knackt die Zahl der Airbnb-Objekte in der Schweiz also erstmals die Grenze von 20'000 Objekten.

Die Zahlen werden in dieser Grössenordnung auch von Airbnb selber bestätigt: «In der Schweiz gibt es mehr als 24'000 Unterkünfte von Airbnb-Gastgebern», sagt Airbnb-Sprecher Julian Trautwein, dem Daten per August 2016 vorliegen. Über Jahresfrist sei es dabei in der Schweiz zu einem Objekte-Wachstum von 80 Prozent gekommen.

Starke Zunahmen in den Kantonen Jura, Thurgau, St. Gallen

Die aktuelle Studie des Walliser Tourismus-Observatorium zeigt auf, wie stark das System der privaten Unterkunftsvermittlung mittlerweile im ganzen Land präsent ist: «Airbnb, das zeigt unsere Untersuchung, ist nun zum flächendeckenden Phänomen geworden in der Schweiz», sagt Roland Schegg. Nach einer ersten Objekt-Welle in den grossen Städten und einer zweiten Welle in touristisch relevanten Gebieten wie Wallis und Graubünden ist nun Airbnb flächendeckend angekommen.

Airbnb powert jetzt auch in der Schweizer Pampa. Natürlich spielt dabei auch ein Basis-Effekt: Wo bisher wenig Objekte zu finden waren, wirkt sich schon ein Wachstum von wenigen Appartments prozentual stark aus. Trotzdem ist es beeindruckend, wie sich die Airbnb-Präsenz in wenig tourismus-affinen Kantonen wie St. Gallen, Thurgau und Jura gesteigert hat.

Neue Angebote in Randgebieten

Was sich Touristiker beim Siegeszug von Airbnb immer fragen: Bestanden die neuen Objekte bereits und gelangen nun einfach zusätzlich auf den Airbnb-Kanal? Oder handelt es sich um Zimmer, Häuser und Wohnungen, die ganz neu auf diesen Markt kommen?

«In touristisch etablierten Gebieten wie Wallis und Graubünden erklärt sich das Wachstum wohl teils daraus, dass bestehende Objekte neu auch über Airbnb angeboten werden», sagt Schegg. «In touristisch weniger intensiven Gegenden wie Jura, Thurgau oder St. Gallen werden es wohl vor allem neue Objekte sein.» 

Europäische Gäste am wichtigsten

Gemäss Airbnb sind Schweizer Unterkünfte aktuell bei Asiaten sehr gefragt. «Zu den Top 15 der Gäste, die 2016 bis dato über Airbnb in die Schweiz gereist sind, zählen Gäste aus Seoul, Singapur, Hong Kong und Bangkok», sagt Airbnb-Sprecher Trautwein. Im gesamten Quellmarkt-Split zeigt sich aber, dass Gäste aus den Nahmärkten die wichtigste Rolle spielen: «64 Prozent der Gäste kommen aus Europa, knapp 16 Prozent aus den USA, 13 Prozent aus Asien, und 3 Prozent aus Australien.»

Der grosse europäische Anteil muss die hiesigen Hoteliers besonders schmerzen – denn genau in diesen Märkten haben sie wegen aktueller Probleme – Frankenstärke, Brexit – am meisten Mühe. Wenn ihnen hier Airbnb Gäste wegschnappt, haben sie das Nachsehen. Airbnb ist und bleibt ein ständiges Thema bei den Schweizer Hoteliers.

«Kommt auch Schweizer Tourismus zugute»

Viele Hoteliers monieren, dass sich der kalifornische Sharing-Dienst und seine Anbieter punkto Bauvorschriften, Lebensmittelhygiene und Kurtaxen nicht an die gleichen Regeln halten müssten wie die konventionellen Anbieter und somit ein Schädling sei.

Airbnb sieht das selbstredend anders, wie Sprecher Julian Trautwein sagt: «Airbnb stellt die Plattform dafür bereit, damit Gastgeber ihr eigenes Zuhause mit Gästen teilen können – das kommt auch dem Tourismus in der Schweiz zugute, da gerade Airbnb-Gäste einen Ort aus der Sicht der Einheimischen erleben möchten und so beispielsweise verstärkt lokale Geschäfte, Cafés, Restaurants etc. besuchen.»

 

 

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