Die Schweiz hat den Gripen abgelehnt. Auch der Eurofighter von Airbus stand am Anfang der Evaluation. Hat Sie das Nein zum Gripen gefreut?
Tom Enders: Wir haben den Volksentscheid zum Kampfflugzeug Gripen mit Interesse zur Kenntnis genommen.

Sehen Sie wieder Chancen für den Eurofighter von Airbus?
Falls die Schweiz das Thema Kampfflugzeug ernsthaft neu aufrollen möchte, sind wir gerne zu Gesprächen bereit.

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Airbus kämpft im Rüstungsbereich mit Staatsverschuldung. Wie schwierig macht es das Geschäften?
Das Verteidigungsgeschäft bleibt ein Kernbereich unseres Konzerns, insbesondere der Bau von militärischen Fluggeräten. Allerdings stagnieren oder schrumpfen die Budgets in Europa und in den USA, wenn dort auch auf hohem Niveau.

Sie bauen den Konzern radikal um. Seit Anfang Jahr heisst die Firma Airbus Group. Weshalb?
Der Umbau unseres Konzerns folgt der Logik unseres Geschäfts. Einerseits haben wir einen wachsenden Markt für zivile Passagierflugzeuge, auf dem wir sehr erfolgreich sind. Anderseits einen schrumpfenden Verteidigungsmarkt. Airbus ist unsere stärkste Marke. Folgerichtig nutzen wir diesen weltweit bekannten Namen jetzt für die gesamte Gruppe.

Was haben Sie mit der Militärsparte vor?
Wir bauen sie so um, dass sie auch in einem schwierigen Umfeld erfolgreich und profitabel sein kann. Ausserdem hat sich unsere Aktionärsstruktur so verändert, dass wir heute einen Free Float von zirka 74 Prozent besitzen und die staatlichen Anteilseigner keinen Einfluss mehr auf das operative Geschäft nehmen können. Jetzt geht es primär darum, unsere grossen Programme zu managen und profitabel wachsen zu können.

Sie produzieren in Frankreich und in Deutschland. Wie konkurrenzfähig sind diese beiden Standorte?
Deutschland und Frankreich haben ein grosses kreatives Potenzial. In beiden Ländern gibt es aber auch Hemmnisse, die unsere Wettbewerbsfähigkeit einschränken. In Frankreich wird die Luft- und Raumfahrtindustrie als absolut zentral und strategisch für die Interessen des Landes angesehen. Die politische und öffentliche Unterstützung ist entsprechend.

Aber?
Das Land hätte einige Reformen des Wirtschafts- und Sozialsystems nötig, wie sie in Deutschland mit der Agenda 2010 eingeleitet wurden. Im Gegensatz dazu sieht man in Deutschland unsere Branche wesentlich kritischer. Und: Erfolgreiche Reformen werden in Deutschland inzwischen wieder Schritt für Schritt zurückgenommen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, was die Schweizer vor einiger Zeit zum Thema Mindestlohn gesagt haben.

Was wünschen Sie sich von der europäischen Politik?
Da gäbe es sicher einiges, aber mein grundsätzlicher Appell lautet: Schafft gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, aber lasst die Unternehmen ihre Arbeit tun. Bitte kein Staatskapitalismus. Wir wissen, wie das ausgeht.

Die RUAG ist einer der Zulieferanten aus der Schweiz. Welche Erfahrungen machen Sie in der Schweiz?
Angesichts des grossen Einkaufsvolumens ist die Airbus Group seit langem ein wichtiger Partner der Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie in der Schweiz. Die Kennzahl der Gruppe lag im Jahr 2013 bei 171 Millionen Euro. Airbus hat rund 50 Zulieferer in der Schweiz, darunter grosse Firmen wie die RUAG, aber auch viele mittelständische Unternehmen. Insgesamt hat Airbus im vergangenen Jahr für 62 Millionen Euro in der Schweiz eingekauft.

Und was fällt für den Zweistöcker A380 in der Schweiz ab?
Von den 62 Millionen Euro entfallen auf das A380-Programm 13 Millionen Euro. Wir beziehen für den A380 aus der Schweiz Abdeckungen und Verkleidungen, hochspezialisierte elektronische Systeme und Teile der Kabinenausstattung. Die Anforderungen an Lieferanten in der Luftfahrt sind hoch. Es spricht daher für die Qualität eines Unternehmens, das in dieser Branche Fuss fassen kann.

Was denkt Tom Enders über den Konkurrenten Boeing? Wie gross ist die Gefahr aus dem asiatischen Raum? Und wie steht es um das Verhältnis zwischen Airbus und den USA? Lesen Sie das vollständige Interview in der neuen «Handelszeitung», ab heute am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.