Zuerst die gute Nachricht: Nach der Mutter reduziert nun auch ihre Tochter die Treibstoffzuschläge – dies, nachdem der Rohölpreis endlich 28 Tage ohne Unterbruch unter 120 Dollar pro Barrel geblieben ist (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 39 vom 24. September 2008).

Swiss senkt die sogenannte Fuel Surcharge am 22. Oktober 2008 für Europaflüge (inklusive Kairo und Tel Aviv) um 9 auf 36 Fr. pro Weg beziehungsweise für Langstreckenflüge um 26 auf 144 Fr. pro Weg. Swiss macht dadurch ihre beiden letzten Aufschläge rückgängig. Lufthansa verlangt seit 20. Oktober 2008 für Europaflüge 24 statt 27 Euro pro Weg bzw. für Langstreckenflüge 92 statt 97 Euro pro Weg.

Der Wermutstropfen: Sowohl Swiss als auch Lufthansa erhöhen – praktisch im Gegenzug – ihre Flugtarife: Swiss durchschnittlich um 3%, Lufthansa durchschnittlich um 4,8%. Der Anstieg tritt bei Swiss per 27. Oktober 2008 für Flüge ab der Schweiz in Kraft. Bei Lufthansa gilt dies ab der Schweiz per 15. Dezember 2008.

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Unter dem Strich wird das Fliegen mit Swiss und Lufthansa also teurer statt billiger, ausgenommen die günstigsten Tarife, bei denen die Senkung der Treibstoffzuschläge die Erhöhung der Flugpreise einigermassen zu kompensieren vermag.

Das Hin und Her in der Preispolitik kommt bei der viel fliegenden Kundschaft nicht wirklich an, besonders Geschäftsreisen-Anbieter und Firmen-Reiseabteilungen sehen sich nicht gerne als letztes Glied in der Kette, da sie nur noch reagieren können.

Konzerne, deren Mitarbeitende häufig im Ausland tätig sind, betreiben eigene Business Travel Centers, um ihre Reisekosten unter Kontrolle zu halten. Sie geben Jahr für Jahr Millionen von Franken für das Fliegen aus. Doch eine Kontrolle ist schwer, wenn die Auf- oder Abschläge diktiert werden.

Dazu erklärt Dirk-Volker Stucken, Head of Corporate Procurement for Indirect Goods and Services beim Bauzulieferer Sika: «Um mitzugestalten, müssten wir vorher ins Boot geholt werden.» Zur Vorgehensweise sagt er: «Es ist wie immer das Problem mit der Kommunikation. Anstatt den Kunden vorab über die Pläne zu informieren oder gegebenenfalls sogar Inputs einzuholen, wird man vor vollendete Tatsachen gestellt. Das ist bei Swiss und Lufthansa aber wohl so üblich.» Auch wenn die Schritte insgesamt Sinn machten.

Auf das allgemeine Reiseverhalten bei Sika haben die neuen Tarife laut Stucken wenig Einfluss, «da wir auf Swiss und Lufthansa angewiesen sind». Bei vielen Städten fehlten die Alternativen. «Das bezieht sich auch auf die Zahl der Flüge sowie die Abflugzeiten.»

Zuschläge in Tarife integrieren

«Die Senkung von Zuschlägen ist für mich noch keine gute Nachricht, einerseits, weil derzeit viele Airlines ihre Fuel Surcharges reduzieren, andererseits, weil Swiss und Lufthansa die Tarife erhöhen», sagt Peter Brodbeck, Head Global Travel Management beim Agrokonzern Syngenta.

Richtige «good news» wären es für den Manager beim Agrotech-Unternehmen erst, wenn Swiss all ihre Zuschläge in die Tarife integrieren würde, statt sie gesondert auszuweisen. «Uns interessiert vor allem der Endpreis, den wir am Schluss ja auch bezahlen.» Dadurch würde eine echte Transparenz geschaffen. Momentan bietet dies weltweit erst Emirates. Ge-mäss Brodbeck spricht gegen die Integration der Zuschläge (neben Treibstoff auch Sicherheits- und Flughafentaxen) aus der Sicht der Airlines wohl, dass sie den Firmenkunden dann auch auf die Extrakosten ihre Corporate Discounts geben müssten, die sie erst auf die reinen Flugpreise gewähren.

Preispolitik Sache der Airlines

In das gleiche Horn stossen die grossen Travel Management Companies der Schweiz: «Wir haben lieber integrierte Aufschläge als weitere Zuschläge», meint Walter Ruggli, General Manager Switzerland von Carlson Wagonlit Travel (CWT), «vor allem für unsere Kunden ist die volle Transparenz erstrebenswert.» Die beste Lösung wäre es, alle Preisbestandteile im Flugtarif inkludiert zu haben. Noch sei dies leider Zukunftsmusik.

Ähnlich sieht es Beat Bürer, Managing Director Europe Central & Switzerland der Hogg Robinson Group (HRG): Das Vorgehen gehe in die richtige Richtung. «Die volle Transparenz ist aber erst erreicht, wenn alle Treibstoffzuschläge im Flugpreis enthalten und aus den Sondertaxen entfernt sind.»

Doch die Preispolitik sei Sache der Airlines. «Unsere Aufgabe besteht darin, aufgrund der am Markt angebotenen Tarife den Kunden die effizienteste Lösung anzubieten.» Weshalb ein erhöhter Bedarf an Beratungsdienstleistungen nicht ausgeschlossen werden könne.