Die Stimmung an den Schweizer Flughäfen ist trotz rekordhoher Ölpreise noch immer ausgezeichnet. Sämtliche Zahlen zeigen nach oben: Ob Passagierwachstum oder Steigerung der Shopping-Umsätze. Unique-CEO Thomas Kern ist sogar bis ins Jahr 2010 optimistisch (siehe Interview).

Ganz anders präsentiert sich die Situation bei den Fluggesellschaften. Sie ächzen unter den Kerosinkosten. Von der Günstig-Airline Air Berlin über Swiss bis Lufthansa: Sie alle legen ihre Expansionspläne für den Winterflugplan auf Eis. An Kapazitätserweiterung ist nicht mehr zu denken. Im Gegenteil. In den Firmenzentralen vieler Fluggesellschaften wird über die Ausdünnung bestehender Strecken und sogar die Streichung von Destinationen gebrütet.

Stillstand ist angesagt

In die Karten schauen lassen sich die Fluggesellschaften aber nicht. Sowohl bei Lufthansa, Air France/KLM und British Airways heisst es, die Flugplanung für den kommenden Winter sei noch nicht abgeschlossen und werde erst im September kommuniziert. Im Moment gebe es allerdings keine Anzeichen, dass betreffend Verbindungen aus und in die Schweiz gegenüber dem Vorwinter etwas verändert werde, so die europäischen Top 3 unisono. In diesen Tenor stimmt auch Swiss ein. «Im Moment sind keine Kapazitätsverringerungungen vorgesehen», so Sprecherin Andrea Kreuzer.

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Die wachsende Belastung durch die steigenden Treibstoff-preise könnte aber durchaus zu kurzfristigen Massnahmen führen. Eine punktuelle Ausdünnung ihrer Schweizer Streckennetze behalten sich die Airlines denn auch vor. «Die Situation ist bei uns ‹under review›», sagt etwa Sam Heine, Schweiz-Manager von British Airways.

Auf internationaler Ebene werden für die Luftfahrt negative Erwartungen geschürt. Als prominenteste Pessimisten entpuppen sich dabei die buntesten Vögel der Branche. Nachdem Ryanair-Chef Michael O’Leary in den letzten Wochen wiederholt das nahende Ende manches seiner ärgsten Konkurrenten im Billigflug-Markt voraussagte, übt sich nun auch der britische Ex-Ballonfahrer und heutige Virgin-Atlantic-Chef Richard Branson im Zeichnen von dunklen Szenarien. Er spricht von «spektakulären Pleiten» als Folge der Ölkrise. Bransons Prophezeiung: «Eine der grossen US-Fluggesellschaften wird mit grosser Sicherheit vom Markt verschwinden.»

Streichkonzert lässt kalt

Getroffen hat es als eines der ersten Opfer vorerst allerdings eine kleine Schweizer Fluggesellschaft. Die Helvetic Airways hat als Folge der drückenden Belastung beschlossen, ihren Linienbetrieb aus Zürich mit Ende des Sommerflugplans einzustellen und ihre vier Flugzeuge zu 100% der Swiss zu vermieten. Für den Flughafen ist diese Rochade zu verkraften.

Auf den ersten Blick beunruhigen könnte Unique-Chef Thomas Kern und Jürg Rämi vom EuroAirport allerdings die Tatsache, dass die wichtige Kundin Air Berlin in ihrem Winterstreckennetz von deutschen Flughäfen bereits markant den Rotstift ansetzen musste. Die Schweizer Strecken-Portfeuilles sind vom Streichkonzert vor allem deshalb (noch) nicht betroffen. Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch: Selbst wenn Air Berlin Destinationen aus dem Programm kippen würde, die margenträchtigen Detailhandelsumsätzen, insbesondere in Zürich, dürfte das kaum beeinflussen.

Stimmung bleibt positiv

Entsprechend auch der Kommentar von Thomas Kern, CEO Unique: «Airlines könnten auf den Winterflugplan hin ihre unrentablen Verbindungen streichen.» Die Aussage will er jedoch allgemein verstanden wissen und von unmittelbaren negativen Auswirkungen auf den Zürcher Flughafen nichts wissen. An der positiven Grundstimmung würde der Wegfall einzelner Strecken sowieso nichts ändern. Ähnlich tönt es am Flughafen Genf. «Zurzeit hat für den Winterflugplan noch keine Airline eine Reduktion ihres Streckennetzes ab Genf angekündigt», sagt Marketingleiter Yves-Daniel Viredaz.

Einzig der EuroAirport gibt sich vorsichtig. «Der Sommer sieht noch gut aus», sagt Direktor Jürg Rämi, ahnt aber nichts Gutes. «Es ist möglich, dass die Kerosinpreise bereits in der zweiten Jahreshälfte einen dämpfenden Effekt auf den Gesamtverkehr ausüben.»

Dass sich die Euphorie vor allem in Basel und Genf mit ihren hohen Anteilen an Billigfliegern abflachen könnte, erstaunt nicht. Zürich dagegen dürfte auch trotz anhaltend hoher Treibstoffpreise noch länger schadlos bleiben.