Ein Akademiker verbringt in der Regel das erste Drittel seines Lebens mit Pauken. Die Primar-, Mittel- und Hochschulkarriere wird selten früher als mit 25 Jahren abgeschlossen. In Händen halten die Absolventen dann ihren Bachelor oder ihren Master.

Ein Garant dafür, dass sie im zweiten Lebensabschnitt schnell die Früchte für das jahrelange Lernen ernten können, ist dieses mitnichten. Die Zeiten, in denen die Universitäten in der Schweiz ihre Abgänger mit dem Abschluss auf die Strasse schickten und nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollten, sind vorbei. Stattdessen sind sie aus Konkurrenzgründen gezwungen, eng mit der Wirtschaft zusammenzuarbeiten, zugunsten ihrer Studierenden gemeinsame Projekte mit Unternehmen zu lancieren oder Kontaktbörsen zu organisieren. Selbstverständlich hat auch die Wirtschaft ein grosses Interesse an diesem Austausch und sucht Absolventen, die möglichst rasch und effizient in den Arbeitsprozess integriert werden können. Die Vorbereitung auf den Eintritt in den Arbeitsmarkt muss zwingend während der Hochschulzeit an die Hand genommen werden.

St. Galler Online-Karriereportal

Hierzulande führend ist die Universität St. Gallen mit ihrem Career Services Center (CSC-HSG). «Unser dreistufiges Career-Management-Programm unterstützt die Studierenden der HSG in allen Phasen der Karriereplanung - von der Standortfindung und Recherche über die Zielsetzung und Bewerbung bis hin zum Stellenantritt», schildert Thorsten Thiel, Leiter des CSC-HSG (siehe «Nachgefragt»). Offeriert werden regelmässig Seminare, Workshops sowie Trainings zur Vorbereitung auf den Berufseinstieg; stets im engen Austausch mit Partnern aus der Wirtschaft. Mit HSG Talents Online betreibt die Universität St. Gallen ferner ein Karriereportal für Studierende, Alumni und Talent Scouts. Darauf werden Anlässe, Firmenprofile, Inserate für Vollzeit- und Teilzeitstellen, Praktika sowie Ferienjobs veröffentlicht. Und: Studierende können auf dem Portal ihr CV publizieren und sich für Firmen interessant machen.

Kontakte in Basel und Lausanne

Begleitende Laufbahnberatungen für Abgänger aller Fakultäten haben auch an der Universität Basel und an der ETH Lausanne (EPFL) bereits eine Vergangenheit. 2006 gründete die EPFL ihr Career Center, noch ein Jahr älter ist das Career Service Center (CSC) der Basler, das 2005 in Kooperation mit Unternehmen, Verwaltungen und dem Kanton Basel-Stadt aus der Taufe gehoben wurde.

An der EPFL ist das Angebot in die drei Bereiche Studienberatung, Dienstleistungen für Arbeitgeber sowie Vorbereitung von Studierenden auf das Berufsleben unterteilt. «Wir bieten sowohl ganz individuelle Beratungen als auch regelmässige Workshops an», sagt Rahel Chopathar, stellvertretende Leiterin des Karrierezentrums. Einmal im Monat wird der Workshop «Bewerbungsdossier» angeboten, der den grössten Zulauf hat. Sehr wichtig sei die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, so Chopathar.

Anzeige

«Auch wir pflegen einen sehr engen Kontakt zu Wirtschaft und Verwaltung», hält CSC-Geschäftsführerin Birgit Müller fest. Offeriert werden den Basler Absolventen aller Fakultäten Laufbahnberatungen, Informationen und Dienstleistungen, die den Einstieg ins Berufsleben erleichtern sollen. Das reicht von Check-ups des Lebenslaufs und der Motivationsschreiben über das Führen einer Job-und -Praktika-Börse bis hin zu Workshops mit Themen wie Bewerbungstraining, Bewerbungsgespräch oder Assessment Centers.

Besonders ans Herz legt Müller den Studierenden den Besuch der trinationalen Firmenkontaktmesse «Meet & Connect», die jährlich in der Universität Basel stattfindet, zuletzt diesen März. In Lausanne heisst die entsprechende Veranstaltung «Forum». Sie wird jedes Jahr im Oktober organisiert und bringt Studierende mit ganz verschiedenen Unternehmen zusammen, die sich mit Ständen auf dem Campus-Gelände vorstellen.

Zürcher «Karriere über Mittag»

Erst 2008 und mitten in der Wirtschaftskrise hat die Universität Zürich ihre Career Services für Abgänger lanciert. Sie beinhalten unter anderem einen umfassenden Online-Bewerbungsratgeber, die Veranstaltungsreihe «Karriere über Mittag», verschiedene Beratungsdienstleistungen und die Vermittlung von Unternehmenskontakten mit Internet-Stellenbörse. Offeriert werden ausserdem zehn verschiedene Workshops, unter anderem mit Simulationen von Bewerbungsgesprächen oder Rhetoriktrainings.

«Für 2010 ist die Einführung einer Start-up-Beratung geplant», sagt Roger Gfrörer, Leiter des Karrierezentrums. Die wichtigsten Mehrwerte, die Absolventen aus dem neuen Angebot der Universität Zürich ziehen können, fasst er wie folgt zusammen: «Das Bewusstsein wird gestärkt, dass die Karriereplanung lieber früher als später angegangen werden sollte. Dazu erhalten die Studierenden eine persönliche Standortbestimmung, können die Qualität ihrer Bewerbung und ihres Auftritts prüfen sowie geeignete Bewerbungsstrategien kennenlernen.»

Pläne in Bern und Zürich

Noch in den Anfängen für einen koordinierten erleichterten Berufseinstieg stehen die ETH Zürich und die Universität Bern. «Derzeit laufen bei uns Vorbereitungen für einen neuen Career Service», sagt Julia Gnägi von der Berner Pressestelle. Bislang gab es ausser sporadischen Career Days mit Kontaktmöglichkeiten zu Unternehmen und einer Stellenvermittlung kein entsprechendes Angebot. Zusätzlich will man in Bern ein Paket an Dienstleistungen erarbeiten, die den Absolventen den Einstieg in die Berufswelt nachhaltig erleichtern sollen.

Schon weiter ist man an der ETH Zürich mit dem Aufbau eines neuen Career Centers. Entsprechende Dienstleistungen für Studierende werden derweil von internen Organisationen angeboten. «Wir offerieren etablierte Angebote in den drei Themenbereichen Kontaktvermittlung zwischen Studierenden und Firmen, individuelle Karriereberatung sowie Kompetenzschulung», erklärt Martin Ghisletti, Leiter des künftigen Karrierezentrums. Dazu gehört die Polymesse, an der Studierende einmal pro Jahr wertvolle Kontakte mit Firmen knüpfen können. Ein Highlight sind die Polyinterviews, bei denen Unternehmen an die ETH Zürich kommen und direkt Studierende befragen. Beliebt sind auch Karriereberatungen, die in Zukunft nach Bedarf persönlich und individuell gestaltet werden.

 

 

NACHGEFRAGT Thorsten Thiel, Leiter Career Services Center, HSG


«Trend zu individuellen Beratungen»

Wie gut kommen die Dienstleistungen des Career Services Center bei der Studentenschaft der Universität St. Gallen an?

Thorsten Thiel: Sehr gut, die Nachfrage nimmt seit Einfüh-rung der verschiedenen Dienstleistungen laufend zu.

Anzeige

Was kommt denn am besten an?

Thiel: Ein klarer Trend ist in Richtung von individuellen Beratungen festzustellen. Die Nachfrage dafür nimmt markant zu. Dazu Zahlen: Im gesamten Jahr 2009 haben wir 983 Beratungen durchgeführt. Nach dem ersten Quartal 2010 sind es bereits 412.

Hat das mit einer Verunsicherung seit der Wirtschaftskrise zu tun?Thiel: Nicht zwingend, denn der Stellenmarkt für unsere Absolventen sieht nach wie vor gut aus. Während das entsprechende Angebot in den beiden Jahren 2008 und 2009 effektiv zurückging, ist das 1.Quartal 2010 mit 370 neuen Stelleninseraten das zweitbeste seit der Einführung unseres Karriereportals HSG Talents Online unter www.csc.unisg.ch.