Unternehmen mit prall gefüllten Kassen haben zwei Möglichkeiten: Die Mittel investieren oder herabsetzen. Manche Firmen setzen derzeit auf Variante zwei, konkret auf Aktienrückkaufprogramme. Nachdem zuletzt Nestlé, Swiss Re und Sonova Rückkäufe angekündigt haben, denkt auch Swisscom laut darüber nach - trotz der 7-Mrd-Fr.-Übernahme von Fastweb. «Mittelfristig sind neue Rückkäufe möglich», bestätigt Swisscom-Sprecher Josef Huber. Der Konzern habe den Ruf, nicht benötigte Mittel an die Aktionäre zurückzuführen.
Doch längst nicht alle springen auf diesen Zug auf: Viele Firmen behalten ihre Eigenmittel und setzen auf Wachstum. Das zeigt eine Umfrage der «Handelszeitung».
«Mit 1,1 Mrd Euro Cash sind wir derzeit sehr komfortabel finanziert», sagt etwa Nicole Burth, Investor-Relations-Chefin beim Personalvermittler Adecco. «Doch derzeit möchten wir akquirieren und sind daher auf diese Mittel angewiesen, vor allem, wenn wir kurzfristig reagieren möchten.»
Ins selbe Horn stossen unter anderem:
-?Lonza: «Wir investieren das Geld in kleinere Akquisitionen, neue Technologien und unsere Kapazitäten», sagt Dominik Werner, Sprecher des Chemiekonzerns.
-?Roche: «Mit den Mitteln können wir strategische Transaktionen rasch und zielgerichtet realisieren, wenn sich entsprechende Gelegenheiten bieten», so Daniel Piller, Sprecher des Pharmakonzerns.
-?Helvetia: «Wir setzen unsere Strategie um. Wir wollen alle Chancen - organische und akquisitorische - nutzen und das Kapital wertsteigernd für die Aktionäre investieren», sagt Yvonne Hafner, Sprecherin des Versicherers.
-?Ciba: «Neben Investitionen und Mitarbeiterbeteiligungen wollen wir die Eigenmittel für kleine und mittlere Akquisitionen einsetzen», erklärt Thomas Gerlach, Sprecher des Chemiekonzerns.
-?Ähnlich äusserten sich die Industriefirmen Bucher Industries, Geberit und Georg Fischer.
Industriefirmen befinden sich wegen ihres zyklischen Geschäfts in einer Spezialsituation. Das zeigt der Kolbenkompressorhersteller Burckhardt. «Wir streben eine Eigenkapitalquote von 45 bis 50% an, also eine Steigerung um 5 bis 10 Prozentpunkte für eine solide mittelfristige Finanzierung», sagt CFO Harry Otz. Dies auch für Akquisi-tionszwecke - laut Otz soll Burckhardt bis 2010 ein Umsatzvolumen von 40 Mio Fr. zukaufen - sowie als Schutz vor dem nächsten Zyklus.
Diese Doppelstrategie stösst bei Experten auf Zustimmung. Josef Marbacher, Leiter des Instituts für Finanzmanagement der FH Nordwestschweiz, propagiert zwar grundsätzlich die rasche Rückführung überschüssiger Mittel, räumt aber ein: «In zyklischen Branchen ist Vorsicht angezeigt.» Firmen, die heute ihren Verschuldungsgrad hinaufschraubten, liefen Gefahr, einen unvermittelt raschen Abschwung nicht zu bewältigen. Ein Beispiel dafür sei ABB in der vergangenen Rezession.

*ABB will bis Ende Jahr zukaufen*
Der Elektro- und Automationskonzern ABB verfügt heute über eine Eigenkapitalquote von 30%, sitzt aber nach Meinung diverser Investoren noch immer auf zu viel Geld. Trotzdem denkt die Führung vorläufig nicht an Rückkäufe. «Wir sind derzeit auf der Suche nach Akquisitionsobjekten», sagt Konzernsprecher Wolfram Eberhardt. «Wenn wir bis Ende 2007 keine oder nur kleine Zukäufe getätigt haben, werden wir uns Optionen überlegen, um überschüssige Liquidität zurückzuzahlen.»
Die jüngsten Börsenturbulenzen haben die Aktienkurse kräftig sinken lassen. Das spielt wachstumsorientierten Firmen in die Hände. «Die aktuelle Börsenlage ist optimal», bestätigt Von-Roll-CEO Thomas Limberger. «Kotierte Targets werden günstiger, das kommt uns sehr entgegen.»
Aus dem Vorteil kann aber ein Nachteil werden: Die Kurse der Firmen mit vollen Kassen sinken ebenso wie die ihrer Ziele, und das macht sie - wenn sie deutlich unterbewertet sind - interessant für Firmenjäger. In diesem Fall ist ein Aktienrückkauf zwingend, sagt Marbacher. «Denn damit kann die Kapitalrendite gesteigert werden, was sich auch tendenziell positiv auf den Aktienkurs auswirken kann», erklärt Marbacher. Aber: «Wenn die Rückzahlung zu weit geht, kann sich zwar die Rendite erhöhen, nicht aber der Wert des Unternehmens.»