Da sage noch jemand, in der deutschen Bankenbranche gebe es keine Übernahmen. Die 5,7-Mrd-Euro-Übernahme der Depfa Bank durch die Hypo Real Estate ist der grösste innerdeutsche Zusammenschluss, seit die Allianz vor sechs Jahren die Dresdner Bank unter ihre Obhut nahm. Vor wenigen Wochen bekamen die deutschen Sparkassen den Zuschlag für die Landesbank Berlin. Wert der Transaktion: 5,3 Mrd
Euro.


Der Druck auf die Banken steigt

Mit einem Ende der Zusammenschlüsse im Finanzsektor ist so schnell nicht zu rechnen. Der Druck auf die Kreditinstitute ist in den vergangenen Monaten spürbar gestiegen. Wer nicht gross
genug ist und in seinem Heimatmarkt an Wachstumsgrenzen stösst, muss sich neue Partner suchen. Eine Steigerung der Erträge aus eigener Kraft fällt vielen Banken angesichts des harten Wettbewerbsumfelds zunehmend schwer.

Dabei treiben Gerüchte die Bankaktien kräftig nach oben. Weitere Übernahmen versprechen auch für Anleger schöne Kursgewinne. Zuletzt reichten allein schon Gerüchte aus, um den Kurs einer Bankaktie um
5% und mehr nach oben zu treiben. Zertifikate, die auf die
heissesten Übernahmekandidaten setzen, machen es möglich, dass auch risikobereite Privatanleger daran mitverdienen können. Unter den Kandidaten finden sich sowohl nationale als auch internationale Titel entsprechender Unternehmen.

Anzeige

Feindliche Übernahmen sind nicht mehr ausgeschlossen. Gerade der Blick ins Ausland hat gezeigt, dass selbst im Bankensektor unfreundliche Annäherungsversuche möglich sind. Bislang galt dies als Tabu, weil befürchtet wurde, dass darauf Kunden und Mitarbeiter des Zielobjekts sehr empfindlich reagieren könnten.

Seit ABN Amro ist dies anders. So werden dem Dreierkonsortium aus Royal Bank of Scotland, der spanischen Santander und der belgisch-niederländischen Fortis Bank mittlerweile gute Chancen eingeräumt, bei der niederländischen Grossbank zum Zug zu kommen – gegen den ursprünglichen Willen des ABN-Amro-Managements. Doch Barclays, der Konkurrent im Bietergefecht, dürfte nicht lang allein bleiben, wenn er bei ABN Amro nicht zum Zug kommt. Die Analysten der Investmentbank Dresdner Kleinwort sind bereits auf Brautschau gegangen. Die französische Société Générale ist ihrer Ansicht nach ein idealer Partner.


Landesbanken im Visier

So gibt es immer wieder neue Konstellationen, über die an der Börse nachgedacht wird. Auch die belgische Dexia wird nun wieder in den Fokus rücken. Monatelang war der Finanzkonzern als Käufer für die Depfa Bank gehandelt worden. Das hat sich mit dem gestrigen Tag zerschlagen. Auf dem deutschen Markt wird die nächste grosse Übernahme bei den Landesbanken erwartet – wenn die Landesbank Baden-Württemberg und die WestLB zusammenkommen. Aber auch Postbank und Commerzbank könnten bald neue Partner haben.