Noch am Samstag behauptete Urs Rohner, seine Kader hätten von den Geschäftspraktiken der US-Kundenberater der Credit Suisse nichts gewusst. Letzte Woche war diese Version auch von Brady Dougan zu hören - er musste mit anderen vor dem US-Senatskommitee aussagen.

Nun hat der Vorsitzendes des Senatskomitees Carl Levin die Akten zu ihrem Bericht ins Internet gestellt. Die insgesamt 700 Seiten zeigen, dass die CS bereits 2006 durch einen internen Revisionsbericht gewusst haben könnte, was Sache ist. Doch der Bericht wurde frisiert, am Schluss wurde eine geschönte Version erstellt. Die «Sonntagszeitung» berichtet von einer ersten Version des Berichts, der eine klare Warnung vor regulatorischen Risiken im Amerikageschäft enthielt (siehe Downloads, Teil 1, ab Seite 55).

Die Revisoren schrieben, dass bei 500 Kundenbesuchen in den USA selbst bei gut instruierten Kundenberatern ein signifikantes Risiko bestehe. Ebenfalls ein bedeutendes Risiko sahen die Revisoren in der Tatsache, dass die Geldwäschereinormen nicht genügend ernst genommen wurden, die Kundendokumentationen mangelhaft waren und die Kontrolle der politisch exponierten Kunden (PEP) ungenügend.

Anzeige

Manager durfte Revisorenbericht «entschärfen»

Doch bevor der Report weitergeleitet wurde, schickten ihn die Revisoren dem zuständigen Abteilungsleiter Markus Walder fürs OK. Der wehrte sich gegen die Darstellung, behauptete, man habe die Risiken im Griff, und erreichte, dass die Gefahrenstufe von C (signifikant), auf B (gering) heruntergestuft wurde. Es war also einem einzigen Manager möglich, den Bericht der Revisoren massiv abzumildern, was Zweifel am Kontrollsystem der CS aufkommen lässt. Dass der Revisor Walder geradezu aufforderte, den Bericht zu redigieren und per E-Mail auch noch fragte, wem er diesen dann zeigen soll, lässt auf die schwache Position der Kontrolleure schliessen.

Legendenbildung der CS-Spitze

Doch auch die abgeschwächte Version vom 31. August 2006 enthält genügend Angaben, die die Legende der «völlig unwissenden» Manager korrigieren muss.

Der Revisionsbericht gelangte an einen grossen Kreis von CS-Managern. Unter anderem an Romeo Cerutti, der wie Brady Dougan vor dem US-Senatsausschuss aussagen musste. Dougan sowie der damalige Chefjurist und heutige VR-Präsident Rohner erhielten eine Zusammenfassung.

Auch gemäss dem geschönten Bericht sind die Geldwäschereirichtlinien nicht vollständig umgesetzt. Die wichtigste Massnahme zur Vermeidung von Geldwäscherei wie auch zur Erkennung von unversteuerten Gelder ist, dass man seinen Kunden kennt. Und genau dies fehlte in einer «grossen Anzahl von Fällen», wie die Revisoren feststellten.

(chb)