Die Aktien des Dentalbedarfs-Hersteller Coltene erleiden am Freitag im frühen Handel deutliche Kursabgaben. Das Unternehmen hatte vorbörslich einen Umsatzrückgang und einen Gewinneinbruch für das erste Semester vermeldet und damit die Erwartungen am Markt klar verfehlt. Die Analysten zeigen sich in ersten Reaktionen von den Halbjahresergebnissen entsprechend ernüchtert.

Gegen 10.04 Uhr notieren die Coltene-Aktien um 4,2 Prozent im Minus bei 65,30 Franken, zwischenzeitlich hatten sie sogar bis auf 63,10 Franken nachgegeben. Mit gut 3'800 umgesetzten Aktien haben immerhin schon etwas mehr Titel die Hand gewechselt als an einem durchschnittlichen Handelstag (Durchschnittsvolumen der letzten beiden Monate 3'311 Aktien). Der Gesamtmarkt notiert derweil leicht im Minus (SPI -0,31 Prozent).

Erwartungen auf keiner Ebene genügt

Coltene habe den Erwartungen auf allen Ebenen nicht genügen können, kommentiert ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger. Der Nettogewinn brach um fast einen Drittel ein. Der Umsatz sank von 76 Millionen Franken in der Vorjahresperiode auf noch 73,3 Millionen Franken, wie das Unternehmen mit Sitz in Altstätten SG am Freitag meldete. Der Betriebsgewinn ging gar um 13,3 Prozent auf 6,5 Millionen Franken zurück. Coltene führt die Rückgänge insbesondere auf negative Währungseinflüsse zurück.

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Während Coltene die Franken-Umsätze in Asien und Nordamerika steigern konnte, nahmen die Verkäufe in Südamerika und Europa ab. Nach Sparten entwickelte sich vor allem das Geschäft mit rotierenden Instrumenten und der Absatz von Endodontie-Produkten (unter anderem für Wurzelbehandlungen) positiv. Demgegenüber waren die Umsätze in den Bereichen Restauration und Prothetik rückläufig.

Für den Einbruch des Reingewinns um 31,7 Prozent auf noch 3,8 Millionen Franken macht Coltene unter anderem Kursverluste bei der brasilianischen Tochter Vigodent verantwortlich. Die St. Galler waren 2009 bei Vigodent eingestiegen und hatten das Unternehmen aus Rio de Janeiro 2010 ganz übernommen.

Überrascht vom geringen Wachstum

Für die CS liegen die Resultate «eher auf der enttäuschenden Seite». CS-Analyst Christoph Gretler verweist dabei ebenfalls auf den Umsatzrückgang in Nordamerika wegen des Lagerabbaus von Händlern. Aber auch ohne diesen Effekt habe sich Coltene im Vergleich zum gesamten Dentalbedarfs-Markt am unteren Rand entwickelt. Die Gewinnzahlen seien von der Wechselkursentwicklung ebenfalls negativ beeinflusst worden - unter dem Strich sei der Gewinn pro Aktie klar unter den Erwartungen. Die CS bleibt bei ihrer Einschätzung «Underperform».

Die grosse negative Überraschung sei die klar unter den Erwartungen ausfallende Profitabilität, kommentiert die Bank Vontobel. Expertin Carla Bänziger zeigt sich aber auch überrascht, dass das organische Wachstum nicht besser ausgefallen ist – vor allem da sich die Märkte insgesamt wohl recht robust entwickelt hätten. Sie will nun ihre Gewinnschätzungen nach unten anpassen, bleibt aber ebenfalls beim Rating «Hold».

(sda/me/ama)