Die Aktien der Grossbanken UBS und CS haben am Dienstag nachgegeben. Für Aufsehen gesorgt hat ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) eine ungewichtete Eigenkapitalquote (Leverage Ratio) von rund 5 Prozent fordern wolle.

Diese Vorgabe orientiere sich an den Anforderungen in den USA, die ebenfalls die Minimalvorschriften des «Basel-Komitees» von 3 Prozent übertreffen wolle, berichtete die Agentur am Dienstag unter Berufung auf Insider. Das EFD und das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) erklärten auf Anfrage, es seien noch keine Entscheide gefällt worden.

Grossbanken über Marktschnitt im Minus

Das Staatssekretariat und das Finanzdepartement verwiesen darauf, dass der Bundesrat im Februar angekündigt hatte, bis Ende Jahr einen Vorschlag für verstärkte Kapitalanforderungen der Grossbanken zu machen. Dabei wolle er sich an den Ländern mit international führenden Anforderungen orientieren. Diese Aussage und dieser Fahrplan würden nach wie vor gelten.

Am Aktienmarkt waren die Titel der beiden Grossbanken am Vormittag kurz nach Publikation des Berichts vorübergehend klar abgerutscht. Zwar erholten sich die Titel bald danach von den Tagestiefs, dennoch liegen die Bankentitel weiterhin über dem Marktschnitt im Minus. Die Aktie der Credit Suisse notiert gegen 14.55 Uhr um 1,9 Prozent im Minus auf 23,70 und UBS geben 1,6 Prozent auf 18,73 Franken nach. Der Leitindex SMI liegt derweil 0,78 Prozent unter dem Vortagesschluss.

Banken wehren sich gegen Verschärfung

Auch Finma-Chef Mark Branson hatte sich unlängst dafür ausgesprochen, dass die Schweiz «international führende Kapitalvorschriften» für die Grossbanken haben solle. Mit den schärferen Regeln wollen die Aufseher verhindern, dass wie bei der UBS im Jahr 2008 der Staat eine Bank retten muss.

Auf der anderen Seite wehren sich die Vertreter der beiden Grossbanken gegen eine Verschärfung. So hatte UBS-Chef Sergio Ermotti vergangenen Monat dafür plädiert, dass der Massstab in der Schweiz der «internationale Standard» sein solle, den das Financial Stability Board, der Ausschuss für Finanzstabilität der zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländern, empfehle. Viele Banker und Regulierer rechnen allerdings damit, dass diese weltweite Quote später noch erhöht wird.

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Schlecht fürs Geschäft

Die Leverage Ratio beschreibt das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Bilanzsumme und nimmt anders als die übrigen Eigenkapitalregeln keinen Bezug auf die Risiken, die mit den jeweiligen Geschäften verbunden sind.

Die Banken kritisieren, dass eine zu starke Ausrichtung auf die Leverage Ratio risikoarme Geschäfte und hohe Liquiditätspolster unattraktiv macht. Dies führe dazu, dass die Institute die Preise etwa für Hypotheken anheben müssten.

(awp/dbe/ama)