Beflügelt von guten Unternehmensergebnissen hat der Dow Jones Index vor einigen Tagen erstmals über der Marke von 14000 Punkten geschlossen. Der Swiss Market Index (SMI) hat dagegen seit Wochen keine neuen Höchststände mehr erreicht und hinkt auch vielen anderen Leitindizes hinterher. «Dies liegt vor allem an den Verlusten der schwergewichtigen Pharma- und Bankentitel», erklärt Urs Brunner, Finanzanalyst bei Rahn & Bodmer. Die Angst der Anleger vor negativen Folgen der US-Subprime-Krise hat die Aktien von UBS und Credit Suisse in der letzten Woche insgesamt je fast 6% einbrechen lassen.

Die Folgen der Turbulenzen in den USA für die Aktienmärkte werden sehr unterschiedlich eingeschätzt. «Vor allem die Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Subprime-Krise wird die Entwicklung an den Aktienmärkten in den kommenden Wochen negativ beeinflussen», erwartet etwa Brunner. Er verweist zudem auf das sich abschwächende Gewinnwachstum und den hohen Erdölpreis.

Für Manfred Hofer, Aktienstratege bei der LGT Bank, ist die weitere Zinsentwicklung der grösste Unsicherheitsfaktor. Der Ölpreis sei dagegen nicht mehr so bedeutend für die Börsen.


Negative Faktoren ignoriert

Die Gelassenheit der Märkte gegenüber negativen Faktoren wie etwa dem Ölpreis beunruhigt aber die Aktienstrategen von Morgan Stanley. Wenn der hohe Ölpreis, die gestiegenen Zinsen oder die Ausweitung der Zinsspannen am Bondsmarkt weitgehend ignoriert würden, sei es an der Zeit, Positionen abzubauen.

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Hofer von der LGT rät dagegen nicht zum Verkauf, Kursrückschläge sollten für Käufe genutzt werden. Maximilian Münch, Aktienanalyst bei der UBS, sieht auch auf den aktuellen Niveaus noch eine günstige Einstiegsgelegenheit. Die Risiken für die Aktienbörsen seien zwar gestiegen, dennoch stehe der Markt auf einem soliden Fundament. Aktien sind nicht nur im historischen Vergleich, sondern auch gegenüber Anleihen noch immer attraktiv bewertet. «Zudem läuft die Wirtschaft auf Hochtouren, die Bilanzen der Unternehmen sind gesund und ihre Gewinne steigen», so Münch.

In der Schweiz ist die Berichtssaison gemischt angelaufen. Roche hat für das Glanzresultat Applaus geerntet, während Technologiefirmen wie Micronas und Austriamicrosystems enttäuscht haben. Von den weiteren Resultaten erwartet Thomas Steinemann, Chefstratege der Vontobel-Gruppe, in den nächsten Wochen positive Impulse für die Börsen. «Da die Schätzungen der Analysten noch konservativ sind, dürften die Ergebnisse kurzfristig Kursauftrieb geben.» Auch der langfristige Gewinntrend sei intakt, massivere Einbrüche an den Aktienmärkten aber immer möglich. Wie auch die meisten anderen Experten rechnet Steinemann künftig mit grösseren Kursschwankungen.


Volatilere Large Caps

Der häufig empfohlenen Flucht in defensive Schwergewichte erteilt er jedoch eine Absage: «Die Schweizer Small und Mid Caps sind im Vergleich zu den Large Caps weniger volatil.» So würden derzeit etwa die Schweizer Grossbanken im Gegensatz zu den Lokalbanken von den Unsicherheiten im Zusammenhang mit der US-Subprime-Krise belastet.

Bis Ende Jahr dürfte der Schweizer Markt noch leicht zulegen. Die ZKB sieht den SMI bei rund 9400 Punkten, die UBS gibt eine Spanne zwischen 9500 und 9800 Punkten an. Mit 10000 Punkten ist Vontobel noch etwas optimistischer.

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Strategien für Anleger, die unter Höhenangst leiden

Für einige Institute ist es zwar noch zu früh, eine Versicherungsstrategie zu fahren. Doch wer angesichts der gestiegenen Risiken trotzdem kurzfristig auf einen Kursrutsch an den Börsen wettet, ist mit Optionen gut bedient. «Puts auf Indizes sind relativ billig», erklärt Beat Pfiffner, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Optionen bieten aber keine absolute Absicherung. Generell eignen sich die Produkte eher für Investoren, die das Geschehen an den Märkten verfolgen und grössere Volumen handeln. Rechne der Anleger dagegen irgendwann bald einmal mit einem Abwärtstrend an den Börsen, sei es sinnvoller, langsam Positionen abzubauen, so Pfiffner. «Ebenfalls eine Möglichkeit bieten strukturierte Produkte, die aber auch ihren Preis haben.» Mit den Vontobel-Units auf den SMI profitiert der Anleger zu 90% von den Kursgewinnen, dies bei einem 100%igen Kapitalschutz. Das Zertifikat Protein auf den SMI von der ZKB verbindet dagegen eine 100%-ige Partizipation mit einem Kapitalschutz von 94%. Zu beachten gilt zudem, dass diese Produkte nur eine gewisse Zeit gültig sind.

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