Wer aus seinem Aktienfonds raus wollte, hat wohl im Juni Nägel mit Köpfen gemacht. Alle anderen harren, entsprechend des Kredos des langfristigen Anlageerfolgs, relativ unverzagt der Dinge, die da kommen mögen. 3,3 Mrd Fr. zogen die Anleger im Juni aus dem Fondsmarkt Schweiz ab, im Juli waren es nur noch 0,8 Mrd Fr.

Die grössten Fondsanbieter in der Schweiz spüren denn auch kaum etwas von Mittelabflüssen. Zwar nimmt die UBS eine gewisse Zurückhaltung aufgrund der Unsicherheit an den Märkten wahr, signifikant viele Gelder würden die Kunden aber nicht aus den Fonds abziehen. Bei Pictet verzeichnet man seit Ende Juni trotz Marktturbulenzen gar Nettomittelzuflüsse von 630 Mio Fr.
Dass das Fondsvermögen in der Schweiz im Juli gesamthaft aber um 5,5 Mrd Fr. geschrumpft ist, verschuldete der marktbedingte Wertverlust von 4,7 Mrd Fr. Wie die Tabelle zeigt, leiden seit Anfang Juni vor allem Fonds, die auf amerikanische Titel setzen. China-Fonds sind hingegen die grossen Gewinner. Der chinesische Aktienmarkt setzte seinen Höhenflug trotz US-Kreditkrise unbeirrt fort. Eine Investition in das Land der Mitte birgt aber grosse Risiken. Bereits warnen Stimmen vor einer Bubble an der chinesischen Börse.

Gute Einstiegsgelegenheit

Für den Fondsexperten Michael Partin von ifund services, einem führenden unabhängigen Schweizer Unternehmen in Fondsbelangen, sollte sich jeder Aktienfondsbesitzer zuerst einmal fragen, ob die Aktienquote mit seinem Risikoprofil übereinstimme und sein Aktienengagement ausreichend diversifiziert sei. «Wenn die Aktienquote stimmt oder womöglich zu hoch war, sollte er die Krise aussitzen, andernfalls würde ich die Krisenstimmung nutzen, um günstig einzukaufen», so die Empfehlung Partins.
Eine Meinung, die man aufgrund einer mittel- bis langfristig positiven Sicht auf Aktien auch bei den vier grössten Schweizer Fondsanbietern vertritt. Zum einen böten die Preiskorrekturen an den Märkten den Fondsmanagern immer wieder neue Chancen, so das Statement der UBS. Zum anderen rät man den Anlegern, so etwa die Credit Suisse, die gegenwärtigen Bewertungen bei einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont als attraktive Einstiegsmöglichkeit zu nutzen. Pictet empfiehlt zudem, das Segment der Small und Mid Caps zu meiden. Small Caps und periphere Märkte reduzieren und Growth aufbauen, lautet auch das Fazit bei Swisscanto. Neben einem langfristigen Anlagehorizont empfiehlt man dem Anleger zudem, für die Risikoreduktion gestaffelt zu investieren.

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Rezepte gegen Volatilität

Die Credit Suisse empfiehlt Anlegern, die sich gegen die anhaltend hohe Volatilität absichern wollen, die hauseigenen Total-Return-Produkte, die sich durch eine breit diversivizierte Anlageallokation auszeichnen würden. Zumindest teilweise gibt Fondspezialist Partin diesem Rat Recht. Neben Staatsanleihenfonds hätten dank der richtigen Voraussage einige Absolute Return Fonds von der Krise profitiert. Allerdings müsse man genau wissen, wie solche Fonds positioniert seien, denn viele hätten enttäuscht und substanziell verloren.
Er gibt risikoscheueren Investoren den Rat, die nach wie vor im Trend liegenden Technologieaktien sowie die grosskapitalisierten europäischen Unternehmen mit Staatsanleihenfonds, beispielsweise der Swisscanto, zu kombinieren, da diese kein Kreditrisiko aufweisen würden. «Und schliesslich scheinen die Goldfonds wieder einmal von der derzeitigen Unsicherheit zu profitieren», so Partin. Von High Yield Fonds und Asset Backed Securities Fonds rät der ifund-services-Geschäftsleiter hingegen ab. Denn über die faire Bewertung von Kreditderivaten und ähnlichen Anlagevehikeln herrscht, ausgelöst durch die US-Hypothekenkrise, grösste Unsicherheit. Hat der Markt den richtigen Preis gefunden, erwartet Partin aber wieder attraktive Renditen in diesem Bereich.