1. Home
  2. Unternehmen
  3. Aktienkurs von Nestlé fällt

Nahrungsmittel
Aktienkurs von Nestlé fällt

Nestlé-Haupsitz in Vevey
Nestlé-Hauptsitz in VeveyQuelle: Keystone

Der Gewinn von Nestlé ist im letzten Jahr wegen einer Abschreibung und Restrukturierungskosten eingebrochen. Für die Beteiligung am französischen Kosmetikkonzern L ́Oréal will sich Nestlé alle Optionen offenhalten.

Veröffentlicht am 15.02.2018

Der Umbau des neuen Nestlé-Chefs hat sich 2017 negativ auf das Ergebnis ausgewirkt. Eine Abschreibung und Restrukturierungskosten führten zu einem Gewinneinbruch. Das Wachstum hat sich auf 2,4 Prozent verlangsamt.

Der Gewinn des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé ist im letzten Jahr wegen einer Wertminderung der Sparte Hautgesundheit und Restrukturierungskosten um 15,8 Prozent auf 7,2 Milliarden Franken gesunken, wie Nestlé am Donnerstag mitteilte.

Mit einem organischen Wachstum von 2,4 Prozent fiel Nestlé hinter die Werte der Vorjahre zurück. Beim organischen Wachstum werden Wechselkurseffekte, Käufe und Verkäufe herausgerechnet.

Das organische Wachstum liege wegen einer schwachen Umsatzentwicklung Ende des Jahres unterhalb der Erwartungen, begründet Nestlé-Chef Mark Schneider. Während die Umsatzentwicklung in Europa und Asien erfreulich gewesen sei, verhielten sich die Märkte Nordamerika und Brasilien schwierig.

Magere 0,4 Prozent auf 89,8 Milliarden Franken nahm das Wachstum in Franken zu. Dämpfend hätten sich auch die Verkäufe von Unternehmensteilen ausgewirkt, heisst es.

Beschleunigtes Wachstum 2018 erwartet

Da der neue Konzernchef in seinem ersten Jahr die Restrukturierungen beschleunigte, nahmen die Restrukturierungskosten und Aufwendungen um 900 Millionen auf 1,5 Milliarden zu. Das operative Ergebnis sank in der Folge um 3,4 Prozent auf 13,2 Milliarden Franken.

Das Rückgang der operativen Gewinnmarge um 60 Basispunkte auf 14,7 Prozent entspreche den Erwartungen. Die bereinigte operative Marge stieg dagegen auf 40 Basispunkte auf 16,4 Prozent. Nestlé peilt bis 2020 eine bereinigte Marge von 17,5 bis 18,5 Prozent an.

Schneider sieht sich auf Kurs diese Marge bis dann zu erreichen. Für nächstes Jahr erwartet er ausserdem eine Verbesserung beim organischen Wachstum.

Umbau hält an

Die zahlreichen Verkäufe wie etwa das amerikanische Süsswarengeschäft sowie Käufe beispielsweise des kanadischen Vitaminherstellers Atrium sollen Nestlé zu einem margenstärkeren Portfolio verhelfen.

Bereits kündet Nestlé den nächsten möglichen Verkauf an - des Gerber Lebensversicherungsgeschäfts, das 840 Millionen Franken Umsatz erzielt und 2007 von Novartis übernommen wurde.

Für die rund 23-prozentige Beteiligung am französischen Kosmetikkonzern L ́Oréal will sich Nestlé alle Optionen offenhalten. Laut Mitteilung soll daher das im März auslaufende Aktionärsabkommen mit der Familie Bettencourt nicht verlängern werden. Die Beteiligung bleibe jedoch eine wichtige Anlage.

In seinem ersten Jahr hat Schneider mit 7,45 Millionen Franken deutlich weniger verdient als sein Vorgänger Paul Bulcke mit 9 Millionen Franken.

Nestlé-Aktienkurs fällt

Die Aktien von Nestlé haben am Donnerstagvormittag einen schweren Stand. Der Nahrungsmittelriese hat die Investoren sowohl mit seinen Zahlen zum abgelaufenen Jahr wie auch mit einem zurückhaltenden Ausblick auf 2018 enttäuscht.

Kaum Unterstützung bieten zudem die vagen Aussagen des Managements zur Beteiligung am Kosmetikkonzern L'Oréal. Nestlé-Aktien verloren bis 10 Uhr 2 Prozent auf 75,74 Franken und lösten sich damit etwas von den Tiefständen zu Handelsbeginn. Die schwergewichtigen Titel belasteten auch den Gesamtmarkt, der gemessen am Leitindex SMI mit 0,3 Prozent im Plus stand. 

Nestlé hat die Investoren und Analysten mit seinem Jahresabschluss 2017 enttäuscht. Das organische Wachstum blieb im Schlussquartal mit 1,9 Prozent deutlich hinter den durchschnittlichen Schätzungen von 2,6 Prozent zurück. In den ersten Kommentaren der Analysten kommt denn auch wenig Begeisterung auf.

Gemäss Bernstein war 2017 bereits das sechste aufeinander folgende Jahr mit rückläufigen Wachstumsraten. Das ausgewiesene Wachstum für das Gesamtjahr wie auch für das vierte Quartal seien zudem die tiefsten Werte in diesem Jahrhundert, sagt ein Analyst. 

(sda/tdr/mlo)

Anzeige