Eine Erkenntnis werden Aktienanleger aus dem 1. Quartal gezogen haben: Je exotischer ein Markt, desto ertragreicher. Je höher das Risiko, desto höher die Rendite. Wer in so abseitigen Märkten wie Serbien, Vietnam, Peru, Kroatien, Nigeria, Marokko oder der Ukraine investiert war, fuhr die höchsten Gewinne ein. Allein die Belgrader Börse schoss in den ersten drei Monaten des Jahres um 67% in die Höhe. Knapp dahinter folgt Kiew mit 61%.

«Zwar weisen diese Ökonomien hohe Wachstumsraten auf, aber die derzeitige Hausse greift der realwirtschaftlichen Entwicklung weit voraus», sagt Matthias Siller, Fondsmanager bei Baring Investment Services in London. So wachsen die serbische oder die ukrainische Ökonomie mit rund 6%. «In Serbien werden täglich nur Aktien im Wert von 300000 bis 500000 Dollar gehandelt, da machen aus In- und Ausland zufliessende Gelder von privaten Investoren schon eine Rally.»
Einen gehörigen Anteil an der Exoten-Rally hat auch die Zertifikateindustrie, die schnell dabei ist, auch die entlegensten Märkte für Privatanleger investierbar zu machen. «Dieses stark kurstreibende Engagement von Privaten ist häufig das Zeichen einer Blasenbildung», merkt Günter Faschang, Fondsmanager bei Vontobel in Wien, an. Er sieht nach der heissen Rally fast nirgendwo mehr fair bewertete Aktien.
Zwar ist auch Siller nicht in den Randmärkten aktiv, er will dem Kursaufschwung aber nicht jegliche Rationalität absprechen. Er verweist auf die rege Übernahmeaktivität gerade in Osteuropa, wo Anleger regelmässig hohe Prämien einfahren können.
Fest steht jedoch: Auf den erreichten Kursniveaus sind die Risiken gross. Sollten sich die Wachstumshoffnungen nicht erfüllen und die M&A-Träume platzen, kann es an den hochgejubelten Märkten schnell gen Süden gehen. Allerdings meint kaum ein Profi, dass dies unmittelbar bevorsteht.
Auch die Strategen von Merrill Lynch halten ein baldiges Ende des Bullenmarkts in den Schwellenländern für unwahrscheinlich. «Wir erleben seit 2002 einen typischen Trendmarkt. Ein solcher war in der Historie selten kürzer als zehn Jahre», sagt Merrill-Mann Michael Hartnett. Das 1. Quartal zeige an, in welche Richtung es gehe: Ungarn und Indien sollten untergewichtet, Korea, Russland, Brasilien und Polen übergewichtet werden. Bei den gut gelaufenen Märkten China und Türkei rät er zu einer neutralen Gewichtung.

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