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Aktienrechtsrevision verhindert Boni-Exzesse nicht

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UBS-Chef Sergio Ermotti: Rekord-Lohnschere zu den Mitarbeitern. Quelle: Keystone

Laut Travail.Suisse habe der Nationalrat bei der Aktienrechtrevision verpasst, hohe Managerlöhne einzugrenzen.

Veröffentlicht am 22.06.2018

Der Nationalrat hat es nach Auffassung von Travail.Suisse bei der Aktienrechtsrevision verpasst, griffige Bestimmungen gegen hohe Managerlöhne und Boni-Exzesse zu erlassen. Der Arbeitnehmer-Dachverband warnt vor einem nächsten «Boni-Rausch».

In seiner diesjährigen Managerlohnstudie hat Travail. Suisse 26 Schweizer Unternehmen unter die Lupe genommen. Die Managerlöhne hätten sich 2017 zwar eher bescheiden entwickelt, lautet das am Freitag in Bern vorgestellte Fazit. Aber für die meisten Konzernleitungsmitglieder seien die Bezüge gestiegen.

Rekord-Lohnschere bei UBS

Seit 2011 und bis 2017 wuchsen die Löhne in den Chefetagen gemäss Travail.Suisse um 16 Prozent und die Löhne generell um 3,8 Prozent. Das Verhältnis zwischen tiefstem und höchstem Lohn stieg über alle Branchen gesehen von 1:45 auf 1:49.

Die Rekord-Lohnschere hat die Grossbank UBS mit einem Verhältnis von 1:273 zwischen den Bezügen von CEO Sergio Ermotti und dem tiefsten Lohn der UBS. Dahinter folgen Roche-Chef Severin Schwan mit 1:236 und ABB-Chef Ulrich Spiesshofer mit 1:217. 27 Manager verdienten 2017 mindestens 100 Mal so viel wie der tiefste Lohn im Unternehmen.

Dazu gehören Mitglieder der Konzernleitungen von UBS, Credit Suisse, Zurich, Novartis, Roche, ABB, Swatch, Nestlé sowie Lindt&Sprüngli. In 18 der untersuchten Unternehmen haben einzelne Mitglieder von Konzernleitung oder Verwaltungsrat mehr als 2 Millionen Franken bezogen. Insgesamt ist das bei 110 Managern der Fall.

Die vom Nationalrat Mitte Juni beschlossene Aktienrechtsrevision greift in den Augen von Travail.Suisse zu wenig gegen Lohn-Exzesse in den obersten Etagen. Zum einen fehle es an Transparenz, weil abgesehen vom höchsten Lohn die Vergütungen der Konzernleitungsmitglieder nicht einzeln ausgewiesen werden müssten.

"Systemfremd und unverständlich"

Intransparenz herrscht zudem über Antrittsleistungen und Vorsorgelösungen für Manager. Dass zudem Leistungslöhne für das Top-Management von den Generalversammlungen vielfach vorab genehmigt werden, sei «systemfremd und unverständlich», sagte Nationalrat und Travail.Suisse-Präsident Adrian Wüthrich laut Redetext.

Störend ist für Travail.Suisse auch, dass die Generalversammlungen nicht zwingend separat abstimmen müssen über fixe und variable Lohnanteile. Auch fehlt dem Verband eine Obergrenze für Boni.

Mit diesen Beschlüssen drohe die Umsetzung der 2013 an der Urne gutgeheissenen Abzocker-Initiative auf halbem Weg stehen zu bleiben, warnte Wüthrich laut Redetext. Verschwänden die Managerlöhne aus dem politischen Fokus und ziehe die Konjunktur an, «droht in den kommenden Jahren der nächste Boni-Rausch».

«Absurd hohe Managerlöhne» und eine sich weiter öffnende Schere zwischen höchsten und tiefsten Löhnen in Unternehmen führen in den Worten von Wüthrich «zu einer Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft». Die politischen Kosten seien unabsehbar.

26 Unternehmen einbezogen

Die Umsetzung der Abzocker-Initiative ist heute in einer Verordnung geregelt. Mit der Aktienrechtsrevision sollen nun gesetzliche Regeln dafür erlassen werden. Geht es nach dem Nationalrat, entsprechen diese weitgehend der Verordnung. Der Ständerat muss noch über die Aktienrevision befinden.

Travail.Suisse führte die Managerlohn-Studie zum 14. Mal durch. Einbezogen wurden 26 Unternehmen, nämlich 22 börsenkotierte Firmen und dazu die Grossverteiler Migros und Coop, die Post und die Ruag.

Die Gewerkschaft Unia hatte bereits am Donnerstag eine Studie zu den Spitzensalären veröffentlicht und ihrerseits feststellt, dass das Ja zur Abzocker-Initiative an den Managerlöhnen bisher wenig geändert habe.

(sda/tdr)

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