«Kein Kommentar» ist die Standardantwort der Grossaktionäre von Swiss zur Avance der Lufthansa. Die Eidgenossenschaft (rund 20% des Kapitals), UBS, CS und der Kanton Zürich (je etwa 10%) wollen sich nicht in die Karten blicken lassen. Auch bei der Amag (7%) gibt es keine Antworten. Das, obwohl die Lufthansa den Grossaktionären nun offenbar genauere Informationen zur Übernahmeofferte geliefert hat.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Auch bei Firmen wie Nestlé, Novartis, Roche, Swisscom, Swiss Re und ZFS, die sich mit je 100 Mio Fr. an der Swiss beteiligt hatten, sind keine klaren Statements erhältlich. Einzig die Raiffeisenbank bedauert es, wenn die Entscheide künftig in Deutschland getroffen würden. Das sei nicht gut für die Wirtschaft. Sie hatte allerdings «nur» 11 Mio Fr. in die Swiss investiert und ist damit eine kleine Nummer. Unternehmer wie Thomas Schmidheiny oder André Kudelski, die sich als Privatpersonen bei Swiss beteiligt hatten, wollen ebenfalls keine Stellung beziehen. So viel zur Kommunikationsfreude der Aktionäre.

Immerhin zwei Unternehmerpersönlichkeiten nehmen kein Blatt vor den Mund: «Ich sehe das ganz klar als einen Fehler», sagte Nicolas G. Hayek dem «Blick». Man habe ja auch die SBB nicht verkauft, nur weil sie Verluste mache. Der Unternehmer und FDP-Politiker Johann Schneider-Ammann fordert ein Verbleiben der Swiss in Schweizer Händen. Er sieht durchaus eine Zukunft für Swiss als eigenständige Airline in einer Allianz. Schneider-Ammann bezeichnet sich als «Kleinstaktionär».

Der Zürcher Flughafen Unique sieht sich ausserstande, in die Zukunft zu blicken und die wirtschaftlichen Konsequenzen der Übernahme abzuschätzen. Die grösste Sorge des Wirtschaftsverbands Economiesuisse deckt sich mit der von Politikern des ganzen Spektrums: Jene um den Hub und die interkontinentalen Flüge. «Europaflüge gibt es auch ohne Homecarrier», sagt Gregor Kündig, Luftfahrtexperte der Economiesuisse. Das habe die Erfahrung des Flughafens Genf gezeigt.

Inwiefern die Garantien der Lufthansa zum Hub Zürich die Langstreckenflüge ab der Schweiz à la longue wirklich sichern, bleibt für die meisten Stakeholder der Swiss unklar. Die Gewerkschaften sorgen sich naturgemäss um «die bereits teilweise prekären Arbeitsbedingungen», wie es die Gewerkschaft des Bodenpersonals formuliert. Insgesamt herrscht unter den Stakeholdern das Prinzip Hoffnung auf die Garantien der Lufthansa. Und die Aktionäre sind wohl primär froh, keine Nachzahlungen leisten zu müssen. Auch die Schmach einer Bruchlandung bleibt ihnen erspart. Die Investition ist in den meisten Fällen ohnehin längst abgeschrieben.

Schweizer Luftverkehr als Spielball der Interessen

Keine Aussicht auf baldige Verbesserung der Rahmenbedingungen: «Die Regulierungen am Flughafen Zürich sind für uns äusserst negativ», sagt Swiss-CEO Christoph Franz. Swiss-COO Manfred Brennwald doppelt nach: «Die Flugsicherung Skyguide hat zwar die Tarife gesenkt, ist aber immer noch die teuerste Flugsicherung weit und breit.» Um die Tarife weiter zu senken, ist Skyguide auf die jährlich 39 Mio Fr. Abgeltungen für ihre Dienste im Ausland angewiesen.

Vom Bundesrat, der inständig betont, die Rahmenbedingungen für die Swiss verbessern zu wollen, fordert Brennwald zudem eine Neuauflage des Staatsvertrags mit Deutschland, um die Flugbeschränkungen in Zürich-Kloten aufzuheben. Im zuständigen Verkehrsdepartement von Moritz Leuenberger gibt es dazu nichts Neues: Über die Abgeltungen der Flugsicherung durch Deutschland sowie eine Neuauflage des Staatsvertrages fänden zwischen Deutschland und der Schweiz nach wie vor Gespräche statt, ohne konkretes Resultat.

Deutsche Politiker sagen derweil, die Übernahme von Swiss durch Lufthansa würde nichts an ihrer Position ändern. So will der süddeutsche CDU-Bundestagsabgeordnete Siegfried Kauder weiterhin verhindern, dass die Luftraumkontrolle über Süddeutschland an Skyguide übertragen wird, wie er auf Anfrage sagt. Was auf politischer Ebene bezüglich Luftfahrtpolitik ablaufe, habe nichts mit einer Übernahme zwischen den zwei Airline-Unternehmen zu tun.

Im Zusammenhang mit der Schweizer Luftfahrtpolitik hat zu Sessionsbeginn aufhorchen lassen, dass der Nationalrat die Behandlung des Berichts über die neue Luftfahrtpolitik auf die Sommersession verschob. Gemäss einem Sprecher der parlamentarischen Dienste handelt es sich aber nur um eine Konsultation, inhaltlich könne das Parlament nichts ändern. Im Bericht heisst es: «Der Bund geht davon aus, dass die europäische und interkontinentale Anbindung der Schweiz durch eine schweizerische Fluggesellschaft am effektivsten sichergestellt werden kann.»