Die zusätzlichen 71 Mio Fr. Bonus für Credit-Suisse-CEO Brady Dougan werden auch noch an der Generalversammlung (GV) der Credit Suisse zu reden geben. Am 30. April 2010 stimmen die Aktionäre konsultativ über den Vergütungsbericht der Grossbank ab. «Die Vergütungspolitik ist hinsichtlich Höhe und Transparenz stark verbesserungswürdig», sagt Hans-Peter Wiedmer, Stellvertretender Direktor der Bernischen Pensionskasse (BPK). Die BPK wird auch die Wiederwahl von Aziz R. D. Syriani, dem Vorsitzenden des Vergütungskomitees, ablehnen - und stimmt damit wie die Genfer Anlagestiftung Ethos. Widerstand meldet auch Actares an. Geschäftsführer Robby Tschopp sagt: «Langfristige Anreizprogramme sollten die Boni ersetzen und nicht ergänzen.»

Im Gegensatz zu Grossbritannien und Australien, wo die Firmen den Vergütungsbericht von Gesetzes wegen ihren Aktionären zur konsultativen Abstimmung vorlegen müssen, tun dies die Unternehmen in der Schweiz entweder freiwillig oder auf Druck von Aktionärsgruppen. Zuletzt haben Novartis und Holcim eingelenkt. Von den heute zwölf grossen Unternehmen, die ihre Investoren über den Vergütungsbericht abstimmen lassen, haben sich nur Roche, Swiss Life, Swisscom und Lonza aus eigenem Antrieb dafür entschieden (siehe Tabelle).Das Abstimmungsergebnis ist für die Firmen in der Schweiz nicht verbindlich, wie dies etwa in Dänemark, den Niederlanden oder Schweden der Fall ist. Kritische Aktionäre können dennoch ein Zeichen setzen, indem sie den Vergütungsbericht ablehnen oder auch gegen die Wiederwahl der Mitglieder des Vergütungskomitees stimmen. Stösst der Vergütungsbericht bei den Investoren auf grosse Ablehnung, rücken für die Unternehmen rasch Imageüberlegungen in den Vordergrund und sie werden ihre Vergütungssysteme überprüfen. Mittlerweile sind unverbindliche Abstimmungen über Vergütungsberichte oder Vergütungssysteme bei grossen Unternehmen zum internationalen Standard geworden. In den USA haben im vergangenen Jahr 79 Unternehmen konsultativ über den Vergütungsbericht abstimmen lassen, wie eine Erhebung des Stimmrechtsberaters Riskmetrics zeigt. Drei Jahre zuvor waren es erst sieben Firmen.

Druck auf Finanzunternehmen

Im Zuge der Kritik an den exorbitanten Manager-Boni haben sich zuletzt vor allem Unternehmen im Finanzbereich entschieden, den Aktionären den Puls zu fühlen. So werden künftig etwa auch Goldman Sachs oder JP Morgan Chase konsultative Abstimmungen durchführen. Die Deutsche Bank hat letzte Woche ebenfalls angekündigt, das neue Vergütungssystem für 2010 von ihren Aktionären absegnen zu lassen. «Institutionelle Investoren werden künftig noch mehr Einfluss ausüben. Das zeigt, dass die Eigentümer auch in Salärfragen aktiver werden», sagt Stephan Hostettler, Gründer und Geschäftsführer von Hostettler & Partner und Lehrbeauftragter für Corporate Governance an der Universität St. Gallen. Immer mehr Firmen reagierten auf den Druck wichtiger Investorengruppen.

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Da die Meinungsbildung für die Investoren viel Zeit beansprucht und die Vergütungsberichte meistens umfangreich und kompli- ziert sind, stellt die Mehrzahl der institutionellen Investoren auf Analysen von Stimmrechtsberatern ab. «Besonders in den USA hat sich eine grosse Nachfrage dafür etabliert», sagt Hostettler. Aber auch in anderen Ländern wächst dieses Geschäft stark. In der Schweiz ist vor allem Ethos aktiv. So berücksichtigt etwa die Pensionskasse der Post die Analysen und Empfehlung der Anlagestiftung Ethos. Swisscanto stützt sich dagegen auf die Analysen von Riskmetrics (ehemals ISS).

Minder: «Say on Pay» kommt

Auch Thomas Minder, Initiant der «Abzocker»-Initiative, ist überzeugt, dass sich die Praxis «Say on Pay» über kurz oder lang international durchsetzen wird. Die Frage sei nur, ob die Abstimmung an der Generalversammlung auch bindend ist. In der Schweiz ist bisher keine bindende Abstimmung vorgesehen. Dies will Minder ändern. «Eine rein konsultative Abstimmung bringt nichts», sagt der Trybol-Chef.

Seine Initiative verlangt, dass die Aktionäre aller in der Schweiz kotierten Gesellschaften verbindlich über die Gesamtsumme aller Vergütungen des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung abstimmen können. Dass die Aktionäre über die Saläre der einzelnen Manager befinden, geht aber auch ihm zu weit. Die Praxis, dass über die Gesamtvergütung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung abgestimmt wird, existiert bereits in Norwegen. In weiteren Ländern wie Schweden oder den Niederlanden wird dagegen nur über die Vergütungssumme des Verwaltungsrats abgestimmt. Aus Sicht von Hostettler sollten Aktionäre nicht über die Gesamtsumme der Managementlöhne abstimmen. Der Verwaltungsrat müsse Gegenpartei für die Manager bleiben. Und: «Entscheidend ist das Modell der Vergütung.» Weniger problematisch sei eine zwingende Abstimmung über die Saläre der Verwaltungsräte.