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Denkzettel
Aktionäre mahnen die LafargeHolcim-Führung ab

Beat Hess: Für den VR-Präsidenten war es kein schönes Resultat. Keystone

Der Syrien-Skandal lässt LafargeHolcim auch an der Generalversammlung nicht los: Die Aktionäre stimmten nur knapp für die Entlastung der Konzernführung. Bei der Vergütung sah das Ergebnis besser aus.

Veröffentlicht am 03.05.2017

Die Aktionäre haben der LafargeHolcim-Führung die rote Karte gezeigt. Als Reaktion auf das Strafverfahren wegen Syrien entlasteten sie Verwaltungsrat und Geschäftsleitung mit 61 Prozent der Stimmen nur knapp.

Keine Woche nach der Ohrfeige für die Credit-Suisse-Führung haben auch die Verantwortlichen von LafargeHolcim von ihren Aktionären die Rechnung gekriegt: An der Generalversammlung in Zürich stimmten am Mittwoch nur 61 Prozent der Aktionäre für die Entlastung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung. Dagegen waren rekordhohe 38 Prozent. «Das ist kein schönes Resultat», kommentierte Verwaltungsratspräsident Beat Hess.

Neue Leute

Bei der Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht haben 84 Prozent der Aktionäre mit Ja gestimmt, 15 Prozent waren dagegen. Die Schweizer Anlagestiftung Ethos empfahl wegen den Vorfällen in Syrien, die Entlastung des Verwaltungsrates und Geschäftsleitung zu verweigern. Die Entlastung ebenfalls abgelehnt hat der amerikanische Stimmrechtsberater ISS. Ethos lehnte zudem den Vergütungsbericht ab.

Ethos-Direktor Vincent Kaufmann sagte vor den Aktionären, er habe vor zwei Jahren vor den Risiken der französische Lafarge gewarnt. Heute warnte er davor, dass die Strafuntersuchung wegen Syrien für den Konzern und damit die Aktionäre finanzielle Folgen haben werde.

Verwaltungsratspräsident Beat Hess antworte dem Ethos-Direktor: LafargeHolcim sei heute eine andere Firma. Die bemängelten Vorgänge lägen drei Jahre zurück. «Heute sind andere Leute im Verwaltungsrat, die damals nicht bei Lafarge waren», sagte Hess weiter.

Abtretende Spitzenleute

Tatsächlich hat LafargeHolcim bereits bekannt gegeben, dass Co-Präsident Bruno Lafont nicht zur Wiederwahl stehe. Ein Grund wurde nicht angegeben. Er war in der Zeit des Syrien-Vorfalls, vor der Fusion, von 2007 bis 2015 als Konzernchef und Präsident von Lafarge.

Ebenfalls nicht mehr zur Wiederwahl standen die Verwaltungsräte Alexander Gut und Philippe Dauman. Letzterer hatte während des Syrien-Ereignisse Führungspositionen inne. Positionen mit Verantwortlichkeit besetzten damals auch die Verwaltungsräte Bertrand Collomb, Oscar Fanjul, Nassef Sawiris und Gérard Lamarche. Sie wurden von den Aktionären wiedergewählt.

Demonstration vor dem Hallenstadion

Zu seinem Vizepräsidenten hat Beat Hess Verwaltungsrat Oscar Fanjul ernannt. Der spanisch-chilenische Doppelbürger war Verwaltungsrat und Vize-Präsident der Lafarge vor der Fusion von 2005 bis 2016.

Im Hallenstadion vertraten 783 Aktionäre 64 Prozent des Aktienkapitals. Vor dem Hallenstadion demonstrierten internationale Gewerkschaften für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Industrieall, Global Union und die Bau- und Holzarbeiter Internationale bedauerten den Tod von 86 LafargeHolcim-Angestellten bei Arbeitsunfällen. Sie wollen ein globales Rahmenabkommen mit dem Konzern abschliessen.

(sda/jfr)

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