Die Deutsche Bank ist mit dem Versuch einer strategischen und personellen Neuaufstellung bei ihren Aktionären schlecht angekommen. An der Generalversammlung warben die beiden Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen noch einmal um eine zweite Chance.

Auch räumten sie in Frankfurt Versäumnisse ein. Doch sie ernteten wenig Beifall, dafür aber laut vernehmbare Buhrufe aus dem Publikum.

Die Doppelspitze war im Juni 2012 als Nachfolge des Schweizers Josef Ackermann angetreten und legte wenige Monate später ihre «Strategie 2015+» vor.

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Vor allem das Renditeziel blieb in weiter Ferne. Also besserten Jain und Fitschen nach und präsentierten kürzlich die neue «Strategie 2020». Wichtigster Punkt ist die Trennung von der Postbank, um die riesige Bilanzsumme der Deutschen Bank zu kürzen.

Ackermann hatte die Postbank seinerzeit erworben, um die Deutsche Bank unabhängiger vom schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft zu machen. Gut 6 Milliarden Euro kostete der Deal, die hohen Erwartungen erfüllten sich jedoch nie.

Leitungsumbau besänftigt Anleger nicht

Grossinvestoren wie Kleinanleger vermissten Details der neuen Strategie, die auf eine Schrumpfkur beim grösstem deutschen Geldinstitut hinausläuft. Auch der am Vorabend kurzerhand auf den Weg gebrachte Konzernleitungsumbau reichte nicht, um die Gemüter zu besänftigen.

Besonders kritisch sehen viele Aktionäre, dass Jains Rolle im Konzern gestärkt wird, obwohl er als früherer Chef-Investmentbanker für zahlreiche Rechtsstreitigkeiten mit verantwortlich ist, die noch heute viel Geld kosten und mühsam erzielte Gewinne regelmässig ausradieren.

Fitschen, der wie Ex-Chef Ackermann und weitere aktuelle und ehemalige Deutsche-Bank-Manager durch den laufenden Kirch-Prozess in München belastet ist, bekommt keine neue Aufgabengebiete. Im Gegenteil: Er gibt die Zuständigkeit für die unternehmensinterne «Bad Bank» ab. Beobachter werten das als Zeichen, dass seine Zeit abläuft. Sein Vertrag läuft noch bis 2017.

Bock als Gärtner

«Sind Sie das Problem dieser Bank, die Lösung oder beides?», fragte Markus Kienle von der Kleinaktionärsvereinigung SdK in der Frankfurter Festhalle vor rund 4000 Aktionären. Klaus Nieding von der Aktionärsbereinigung DSW schimpfte: «Wer den Bock zum Gärtner macht, darf sich nicht wundern, wenn er den Garten kahl frisst und die anderen Schafe es ihm gleich tun.»

Allein wegen ihrer Verstrickung in den weltweiten Skandal um manipulierte Referenzzinssätze hatte die Deutsche Bank Ende April eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar an die Regulierer in Grossbritannien und den USA abdrücken müssen.

Auch andere Grossbanken, unter ihnen die Schweizer UBS, wurden in der Sache zur Kasse gebeten. Die UBS muss nachträglich noch 203 Millionen Dollar Busse zahlen und eine dreijährige Bewährungsperiode akzeptieren, wie am Mittwoch bekannt wurde. Schon zuvor hatte sie der Liborskandal 1,5 Milliarden Dollar Busse gekostet.

Der Verwaltungsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, attestierte Jain und Fitschen eher eine «durchwachsene» Bilanz. Er signalisierte, dass ein «Weiter so» für das Top-Management keine Option sein kann. «Keine Frage, das öffentliche Bild der Deutschen Bank ist derzeit stark angeschlagen und beschädigt. Niemand kann mit dem äusseren Erscheinungsbild und dem Aktienkurs zufrieden sein.»

Verlorene Jahre

Jain und Fitschen räumten ein, dass es länger dauere als geplant, die unzähligen Rechtsstreitigkeiten beizulegen. Der Sparkurs greife noch nicht und die Entwicklung des Aktienkurses sei enttäuschend. Von Scheitern könne aber keine Rede sein, sagte Fitschen.

«Wir haben auch vieles erreicht.» Die «Strategie 2020» baue darauf auf. «Wir steuern die Deutsche Bank in die richtige Richtung.» Wichtigste Entscheidung ist die Abspaltung der Postbank. Darüber hinaus wird das restliche Privatkundengeschäft mit den Filialen zusammengestrichen, während die Investmentbanker wieder an Macht gewinnen.

(sda/chb)