Überraschende Schlappe für den Verwaltungsrat des Industriekonzerns Feintool: An der ordentlichen Generalversammlung vom Dienstag weigerte sich die Mehrheit des Aktionariats, genehmigtes Kapital im Umfang von höchstens 9,55 Mio Fr. zu schaffen. «Das Kapital wäre als Vorsichtsmassnahme oder als strategische Reserve vorgesehen gewesen», sagt Feintool-Finanzchef Thomas Bögli.

Die Feintool-Konzernleitung wurde vom Nein aus dem Aktionariat offensichtlich überrumpelt. Offizielle Angaben zum Stimmverhalten der Aktionäre machte sie nicht.

Informationen aus unternehmensnahen Kreisen lassen jedenfalls vermuten, dass Fritz Bösch - Gründer, Ex-VR-Präsident und Ehrenpräsident mit einem Stimmrechtsanteil von 26,9% - gegen die Kapitalschaffung votiert hat. Seine Beweggründe sind unklar. Der 76-Jährige, der erst vor zwei Wochen seinen Geburtstag gefeiert und sich zeitlebens «seiner» Feintool verschrieben hat, ist der GV überraschend ferngeblieben.

Feintool-Grossaktionär Michael Pieper hat der Kapitalschaffung zugestimmt, wie er auf Anfrage ausrichten lässt. Pieper hält über seine Beteiligungsfirma Franke Artemis 26,2% an Feintool. Bis dato sass Pieper im Feintool-VR, stand am Dienstag aber nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung. Franke Artemis besitzt den Industriekonzern Franke, wo Pieper als CEO amtet, und hält namhafte Beteiligungen an den Industriefirmen Adval Tech, Forbo und Rieter.

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Dritter Feintool-Grossaktionär ist die Bieler Beteiligungsfirma Geocent, die 9,6% an Feintool hält.

Weder Bösch noch Geocent-Geschäftsführer Heinz Winzenrieder wollten auf Anfrage Stellung zu ihrem Abstimmungsverhalten nehmen.