Bis zu einem Drittel der Kosten entstehen bei der Credit Suisse durch den Einkauf bei Lieferanten. Um die Kosteneffizienz zu steigern, hat die Bank 1998 als einer der ersten Finanzdienstleister den strategischen Einkauf auf die Agenda gesetzt und entsprechende organisatorische Strukturen geschaffen. Mittlerweile hat sich der Einkauf zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor für das Unternehmen entwickelt, erwirtschaftet er doch jährlich substanzielle Einsparungen. Die globale und die strategische Ausrichtung bringen den gewünschten Erfolg.

Zentrale Organisation

Die Einkaufsorganisation (Supply Management) der Credit Suisse hat den Auftrag, die Geschäftsstrategie der Bank aktiv zu unterstützen, indem sie Güter und Dienstleistungen nach streng wirtschaftlichen Kriterien beschafft. Gleichzeitig werden Risiken erkannt und vermieden sowie innovative Ideen der Lieferanten aufgenommen. Eine global gültige Weisung regelt die Zusammenarbeit zwischen der Beschaffung und den internen Bedarfsträgern: Sie legt alle vertragsrelevanten und wirtschaftlich wesentlichen Interaktionen mit den Lieferanten in die Verantwortung des Einkaufs.

Der Einkauf hat in den letzten zehn Jahren einen markanten Wandel durchlaufen. Zu Beginn war das Beschaffungswesen noch meist reaktiv, auf den täglichen Bedarf fokussiert und regional organisiert. Heute verfügt die Bank über eine zentral geführte, globale Supply-Management-Organisation. Zusammen mit den vier regionalen Einkaufsteams an den Standorten Zürich, New York, London und Singapur wickeln die drei strategischen, nach Warengruppen ausgerichteten, globalen Einheiten People, Products und Services jährlich mehr als 1500 Einkaufsprojekte ab. Der interne Kunde wird dabei stets eingebunden. Die Initiativen erstrecken sich von der Bedarfsplanung und -steuerung über das Verhandeln weltweit gültiger Rahmenverträge bis hin zur einzelnen Bestellung und dem Bezahlen der Rechnung.

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Globale Lieferanten

Das Besondere beim Einkaufsbedarf einer Bank sind unter anderem die grossen Volumina in den Bereichen Consulting, Legal Services, IT-Produkte und -Dienstleistungen, die bei der Credit Suisse über 50% der gesamten Einkaufskosten verursachen. Gerade im IT-Bereich lassen sich innovative Einkaufsstrategien wie Offshoring in neuen Märkten erfolgreich einsetzen: Lohnkostenvorteile und die Verfügbarkeit von hoch qualifizierten Arbeitskräften machen Singapur und Indien für die Bank interessant. Ein global organisiertes Beschaffungswesen erkundet diese neuen Märkte, erarbeitet Vorschläge und setzt sie gemeinsam mit den internen Kunden um.

Darüber hinaus kann der Bedarf dank der globalen Einkaufsorganisation weltweit gebündelt und durch kosteneffiziente Rahmenverträge optimal verhandelt werden. Speziell gut funktioniert die Bündelung für Produkte mit grossem Standardisierungspotenzial und hohen Stückzahlen, so etwa für Laptops oder Desktops. Dank gesetzten Unternehmensstandards können auch die weiterführenden Kosten über den ganzen Lebenszyklus eines Produkts positiv beeinflusst werden, sei es im Engineering, im Service oder bei der Software.

Auch wenn der globale Einkauf dabei das Modell der Zukunft ist, spielt der Beschaffungsmarkt Schweiz für die Credit Suisse weiter eine bedeutende Rolle. Im Jahr 2008 berücksichtigte die Bank hier über 16000 Lieferanten, darunter grösstenteils KMU, aber auch internationale Firmen mit lokalen Niederlassungen. Sie kaufte bei diesen Unternehmen Waren, Dienstleistungen sowie Lizenzen für insgesamt 2,3 Mrd Fr. ein.

Wissenschaft eingebunden

Computerzubehör stellt beschaffungstechnisch allerdings deutlich andere Anforderungen an die Einkaufsspezialisten als Facility Management. Deshalb führt die Credit Suisse derzeit ein Warengruppenmanagement (Category Management) ein, das die Basis für sämtliche Beschaffungsprojekte bilden wird. Den drei globalen Beschaffungseinheiten People, Products, Services sind Warengruppen zugeordnet, für welche die Einkaufsspezialisten mittel- bis langfristige Strategien erarbeiten und innovative Markttrends in die Bank bringen.

Schlagworte sind dabei die Vernetzung der eigenen Beschaffungskette mit Drittunternehmen oder Green Procurement (wie kann die Bank ökologisch nachhaltig einkaufen und gleichzeitig ihr Kostenniveau nach ökonomischen Gesichtspunkten optimieren?). Um hier einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen, steht die Credit Suisse in enger Partnerschaft mit universitären Institutionen und unterstützt aktiv wissenschaftliche Studien zum Thema Supply Management.

Um ihren Beitrag an der strategischen Unternehmensplanung leisten zu können, arbeitet die Supply-Management-Organisation zurzeit auch daran, alle Bank-Divisionen und -Regionen auf ein automatisiertes ERP-Einkaufssystem zu bringen. Diese digitale Vernetzung mit allen Unternehmensbereichen erhöht die Transparenz der Zahlungsströme und ermöglicht es dem Einkauf, bereits vom Budgetierungsprozess an proaktiven Einfluss auf geplante Beschaffungsaktivitäten zu nehmen.