Die Weltwirtschaft verzeichnete im laufenden Jahr ein robustes Wachstum, wobei es jedoch erhebliche regionale Unterschiede gab. 2011 könnte es zu einer ähnlichen Entwicklung kommen. So rechnet die Mehrzahl der Marktteilnehmer mit einer anhaltenden globalen Konjunkturerholung. Davon geht auch die Credit Suisse aus, trotz einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Kreditausfällen in der Euro-Zone.

Allerdings gehen die Meinungen verschiedener Experten und Akteure an den Kapitalmärkten auf der zeitlichen Achse stark auseinander. Zudem besteht noch immer die Unsicherheit, was geschehen würde, wenn die Situation doch nochmals aus dem Ruder liefe.

Sich mit genügend zeitlichem Vorlauf Gedanken über die Vor- und Nachteile möglicher Strategieanpassungen zu machen, ist Teil des Anlageprozesses eines jeden Investors. Ein gut diversifiziertes, auf die Risikofähigkeit und -bereitschaft abgestimmtes Portfolio beschränkt die Anfälligkeit für solche Rückschläge und ermöglicht eine gewisse Partizipation am Aufwärtspotenzial.

Indexiert investieren bringt Vorteile

Viele Anleger vertreten heute noch die Ansicht, dass passive, also indexorientierte Anlagestrategien nur in Marktphasen mit gleichgerichteten Aufwärtsbewegungen den gewünschten Anlageerfolg bringen. Sie vergeben dadurch die Chance, längerfristig ihr Anlageziel zu erreichen.

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Ihre Argumentation greift nämlich zu kurz, dass eine aktive Anlagestrategie bei schlechten Kursaussichten überlegen sei - sei dies durch die «richtige» Titelselektion oder gar durch den temporären Ausstieg aus dem Markt. Gleichzeitig wird argumentiert, dass bei schlechten Märkten passive Strategien sozusagen per Definition ein Verlustgeschäft seien, da sie lediglich die Marktrendite abzüglich der Implementierungskosten bringen.

Beide Argumente zusammengenommen würden in schwierigen Marktsituationen eindeutig für eine aktive Anlagestrategie sprechen. Dabei wird jedoch vergessen, dass der verpasste oder zumindest ungünstig gewählte Marktein- oder -ausstieg, kombiniert mit höheren Transaktionskosten, womöglich grösseren Performanceschaden verursacht als die passive Umsetzung.

Verschiedene Studien der letzten Jahrzehnte haben festgestellt, dass die strategische Vermögensallokation den wichtigsten Beitrag zum Anlageerfolg eines Wertschriftenportefeuilles beisteuert. Weiter haben diverse Untersuchungen gezeigt (unter anderem eine Studie von François-Serge Lhabitant für den Aktienmarkt Schweiz), dass bei aktiven Anlagestrategien keine oder nur statistisch unsignifikante Beiträge auszumachen sind, die aus der Einzeltitelselektion (neudeutsch Stock Picking) oder aus dem «Market Timing» entstehen sollten. Sämtliche dieser Studien überblicken mehrere Marktzyklen, sodass die indexbasierte Strategie keineswegs nur während gleichgerichteten Marktphasen besser abschneidet.

Hierfür spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Zu erwähnen sind unter anderem die breite Diversifikation und die grossen Kostenvorteile, die bei einer passiven, indexorientierten Umsetzung der Anlagetrategie entstehen. Hinzu kommt, dass das äusserst geringe Strategierisiko bei passiven Anlagen positiv ins Gewicht fällt, denn die Gefahr einer deutlichen Unterschreitung der Marktrendite ist bei passiven Anlagen kaum gegeben. Das ist von besonderem Interesse, um in der Erholungsphase möglichst vollständig an der Aufwärtsbewegung zu partizipieren.

Flexible Anlageinstrumente wichtig

Aufgrund der aktuellen Daten rechnen wir damit, dass der globale Aufschwung im Laufe des nächsten Jahres selbsttragend wird. Jedoch ist Vorsicht geboten, da die Probleme im Zusammenhang mit den staatlichen Verbindlichkeiten in der EuroZone und in den USA periodisch für hohe Marktvolatilitäten sorgen dürften. Entsprechend sollte der Risikokontrolle genügend Beachtung geschenkt werden. Denn bei vielen Anlagestrategien wird oft ausser Acht gelassen, dass nicht nur die Risikofähigkeit, sondern auch die Risikobereitschaft eines Investors über den Marktzyklus hinweg massiven Veränderungen unterworfen ist.

Um diesen Umstand in der Anlagestrategie zu berücksichtigen, muss diese entsprechend flexibel gestaltet sein, sodass sich das Risiko im Portefeuille umgehend reduzieren oder erhöhen lässt. Daher kommen börsenkotierte Indexfonds (sogenannte ETF) immer häufiger in verschiedenen Anlagestrategien zum Einsatz. Die ETF können nämlich bei Bedarf ohne Zeitverzug und einfach über die Börse veräussert oder hinzugekauft werden.