Ohne einen Security Badge gibt es keinen Zutritt zur Zürcher Niederlassung von CLS Communication. Die Firma, die zu den 15 grössten Sprachdienstleisterinnen der Welt gehört, hält ein Sicherheitsniveau aufrecht, das demjenigen einer Bank entspricht; schliesslich gehen stündlich Aufträge ein, die hochsensible Daten enthalten. Zum Kundenkreis zählen global tätige Unternehmen aus der Finanz- und Versicherungsbranche, der Life Science, Anwalts- und Beratungsfirmen oder Telekommunikationsanbieter.

2009 konnte der Schweizer Private-Equity-Fonds Zurmont Madison als neuer Mehrheitsaktionär gewonnen werden, dessen Beteiligung über eine Eigenkapitalerhöhung und einen teilweisen Buyout der bisherigen Aktionäre erfolgte. Kurz darauf akquirierte CLS die dänische Scandinavian Translators sowie die kanadische Lexi-tech. «Unsere Kunden sind mehrheitlich Global Players, die auch mit einem Global Player arbeiten wollen. Ausserdem wäre ein rein organisches Wachstum doch langweilig», sagt Doris Albisser, CEO von CLS. Mittlerweile generiere man gut 30% des Jahresumsatzes von rund 60 Mio Fr. mit den ausländischen Gesellschaften.

2010 will Albisser ihre Wachstumsstrategie fortsetzen - weisse Flecken gebe es in Arabien, Lateinamerika, Osteuropa und Asien. Den Börsengang fasst sie zwar bereits ins Auge - dieser werde dieses Jahr indes noch nicht erfolgen. Als Hauptziele nennt Albisser die Umschiffung der schwierigen wirtschaftlichen Situation und das Bewahren der Profitabilität: «Man kann die Krise aber nicht als Ausrede für alles bemühen, es ist die Aufgabe des CEO, seine Firma am Markt zu entwickeln und sich bei Bedarf nach der Decke zu strecken.»

Anzeige

Mit dem Unternehmen wachsen

Mit einer traditionellen Agentur hat CLS wenig gemein. Zwar herrscht in den Büros beim Paradeplatz in Zürich diskrete Betriebsamkeit, doch zur Angebotspalette gehören neben Übersetzungen, Redaktionellem und Ghostwriting auch Terminologiedienstleistungen und das Management mehrsprachiger Dokumentationen.

Weltweit sind an 19 Standorten über 600 Angestellte für CLS tätig; viele sind seit Jahren dabei; einige bereits seit 1997, als CLS aus den ausgegliederten Sprachdiensten des damaligen Bankvereins und der Zürich entstanden ist. Für die mässige Fluktuationsrate scheint der offene Führungsstil der Chefin mitverantwortlich, die CLS seit der Gründung leitet. «Ich führe meine Mitarbeitenden wo immer möglich an der langen Leine und setze auf Vertrauen und Integrität.» Man pflege flache Hierarchien und wolle keine versteckte Agenda oder «Politics». Zudem könnten sich die einzelnen Angestellten gemäss ihren persönlichen Stärken entwickeln - es bringe nichts, wenn man ständig nur versuche, Schwächen zu bekämpfen.

Albisser selbst ist diplomierte Übersetzerin und hat ein Executive MBA der HSG. Sie baute den sprachtechnologischen Bereich der SBG auf, bevor sie Mitte der 1990er-Jahre die Leitung des Sprachendiensts des Bankvereins übernahm. Innert zwei Jahren führte sie das Team zum Outsourcing. 2007 wurde sie zur «Unternehmerin des Jahres» gewählt. Die Chance, eine Truppe von 40 Leuten zu einem internationalen Anbieter zu entwickeln, habe sie gereizt.

Talent, nicht Geschlecht fördern

Ein grosses Augenmerk legt Albisser auf die Förderung von TopKräften. «Zu erkennen, wo im Unternehmen Leute mit Entwicklungspotenzial sind, gehört zu den Aufgaben eines CEO.» So ist etwa eine ehemalige Praktikantin zur Leiterin des grössten Schweizer Teams aufgestiegen. Doch auch wer sich neuen Aufgaben nicht gewachsen sieht, riskiert keine Blösse: «Man kann durchaus von einer Management- in eine Fachführungsfunktion zurückwechseln, ohne das Gesicht zu verlieren.»

Dass sie eine der wenigen Frauen ist, die in der Schweiz an der Spitze einer Firma stehen, bedauert Albisser zwar, sie ist aber gleichzeitig überzeugt, dass sich das mittelfristig ändert: «Sobald in der Schweiz die Kinderbetreuung so geregelt ist, dass sie auch von Müttern, die am Abend etwas länger arbeiten, genutzt werden kann, wird es auch mehr Frauen in Führungspositionen geben.» Es stimme nicht, dass Frauen solche Herausforderungen nicht suchten, sondern die Rahmenbedingungen fehlten. «Es gibt viele motivierte Frauen - zum Teil müssen sie vielleicht ein wenig mehr ermuntert werden. Doch es kann nicht sein, dass sie sich zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen.»

Bei CLS haben die Angestellten die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten. Eine gezielte Frauenförderung werde aber nicht betrieben. «Bei uns gibt es keine Quotenfrauen - mein Credo ist: Der beste Kopf am besten Ort», so Albisser.