Aldi bedauert, dass es zu keiner Einigung mit Max Havelaar gekommen ist. «Wir hätten diese Partnerschaft begrüsst», sagt Aldi-Sprecher Sven Bradke. Der Harddiscounter hat sich daher anderweitig umgeschaut und braucht neuerdings für seine Bananen das Label «fair for life»: «Wir fühlen uns dem Kundenwunsch nach nachhaltiger Entwicklung verpflichtet.»

Damit hat Aldi der Max-Havelaar-Stiftung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn Konsumenten können zwischen den verschiedenen Fair Trade Label kaum mehr unterscheiden. Aldi hätte dem Gütesiegel von Max Havelaar weiteren Auftrieb verschafft. Über 50% der Bananen im Schweizer Detailhandel tragen bereits das Havelaar-Siegel. «Die Türen sind nicht zu», sagt Martin Rohner, Geschäftsleiter der Max-Havelaar-Stiftung, «eine Zusammenarbeit mit Aldi wäre immer noch möglich.»

Noch immer führt Havelaar auch Gespräche mit dem zweiten deutschen Discounter Lidl, der stark an einer Zusammenarbeit interessiert ist. «Im Moment suchen wir nicht nach einer Alternative, erklärt Lidl-Sprecherin Paloma Martino.

«Wir sind offen für Gespräche, aber die Zeit war bis jetzt noch nicht reif für den Entscheid», meint Havelaar-Chef Rohner. «Wir müssen sicher sein, dass die deutschen Discounter, die in der Schweiz nicht zuletzt auch von den Medien unter kritischer Beobachtung stehen, ein echtes Engagement für den fairen Handel eingehen wollen.»

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Bei Denner hat Max Havelaar keine Berührungsängste gehabt. So führt die Migros-Tochter Havelaar-Kaffee seit Längerem im Sortiment. Seit dem Markteintritt von Aldi und Lidl beobachtet Max Havelaar die Marktsituation genau. Sorgen bereitet Rohner die Preistreiberei. «Die Kleinbauern im Süden sind das letzte Glied in der Handelskette. Sie können den Preisdruck nicht mehr weitergeben, sondern verarmen zusehends.»

Label-Salat im Handel

Wenn die Harddiscounter hierzulande ein Label nicht erhalten, wählen sie eine Vorwärtsstrategie. Das hat das Beispiel der Biolabel gezeigt. Biosuisse entschied, dass die Discounter ihr Label «Knospe» nicht verwenden dürfen. Nun führt Aldi die Biolinie «Natur aktiv». Bei Lidl ist es «Biotrend». Und dabei unterscheiden sich diese Produkte bezüglich der Bioqualität oft überhaupt nicht.

Ein solcher Biolabel-Salat verwirrt die Konsumenten. Doch das bringt Max Havelaar nicht von seiner Strategie ab: Abwarten, Beobachten und weiterhin Gespräche führen.

Die grössten Abnehmer von Max-Havelaar-Produkten sind an erster Stelle Coop, gefolgt von Migros. Haben die beiden Grossverteiler Druck auf Max Havelaar ausgeübt, die beiden Harddiscounter Aldi und Lidl nicht zu beliefern? Das verneint Rohner klar: «Es gibt kein Monopol auf unser Fairtrade-Label. Beide Grossverteiler haben Verständnis dafür, dass sie unser Label nicht exklusiv verwenden können.»

Schokoladenoffensive

Während Max Havelaar bei den Harddiscountern abwartet, hat die Labelorganisation bei der Schokolade eine Offensive gestartet und mit allen namhaften Markenherstellern gesprochen. Noch immer sind die Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz Weltmeister im Fairtrade-Konsum mit einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von 32 Fr. Doch die Engländer holen auf. So wird seit Kurzem die Schokoladenmarke Kit-Kat von Nestlé in Grossbritannien und in Irland schrittweise auf Fairtrade umgestellt, und der englische Schokoriegel Cadbury Dairy Milk trägt das Fairtrade-Label. Rohner wurmt es, dass ausgerechnet im Schokoladenland Schweiz der Marktanteil von Fairtrade-Schokolade bei nur 0,5% liegt, obwohl es hierzulande seit 15 Jahren Fairtrade-Schokolade gibt.

Die Zusammenarbeit mit Starbucks, wo seit März 2010 ausschliesslich Fairtrade-zertifizierte Espressogetränke serviert werden, soll für weiteren Schub sorgen.

Genaue Umsatzzahlen für die Havelaar-Produkte in der Schweiz für 2009 werden erst zusammengestellt. Laut Rohner ist der Umsatz letztes Jahr aber nur leicht gewachsen. 2008 belief er sich auf 267,6 Mio Fr.