Kein Trauerflor, kein Bild des Verstorbenen, kein Kondolenzbuch: Am Tag nach dem Tod von Aldi-Gründer Karl Albrecht geht es nüchtern zu in der Filiale an der Düsseldorfer Königsallee. «Business as usual» heisst es hier. Und man darf wohl vermuten, der öffentlichkeitsscheue, in der vergangenen Woche im Alter von 94 Jahren verstorbene Unternehmer hätte es so gewollt. Dennoch markiert der Tod des letzten Aldi-Gründers einen Einschnitt für das Unternehmen. Und er fällt in eine Zeit, in der der Handelskonzern vor einigen Herausforderungen steht.

Der Konkurrent Lidl gilt etwas experimentierfreudiger und nähert sich in seinem Angebot stärker den klassischen Supermärkten an. Weltweit wird die Konkurrenz Aldi wohl sogar in den nächsten vier bis fünf Jahren als Marktführer im Discountbereich ablösen, prognostizieren Handelsexperten.

Konkurrenz als Treiber

Karl Albrecht war der Aufstieg des Konkurrenten natürlich nicht entgangen. In einem wenige Wochen vor seinem Tod geführten Gespräch mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» nahm er es mit Humor und Selbstbewusstsein. «Ohne Lidl wären wir eingeschlafen», sagte er. Und er verriet auch einen Teil seines Erfolgsgeheimnisses: «Was man erreichen muss, ist, dass der Kunde den Glauben gewinnt, nirgendwo billiger einkaufen zu können. »

Aldi wird durch den Tod des Unternehmers nicht aus dem Tritt kommen. «Die Führung des Geschäfts liegt längst in den Händen eines unabhängigen Managements, so dass der Tod von Karl Albrecht keine Auswirkungen haben wird», betont der Geschäftsführer des Handelsinstituts EHI, Michael Gerling. Schon vor fast 20 Jahren überliess der Unternehmer das operative Geschäft den Managern. Doch habe er bis wenige Tage vor seinem Tod die Unternehmensgeschicke aufmerksam verfolgt, heisst es bei Aldi Süd.

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Stagnation bei Discounter als Herausforderung

Seine Nachfolger sehen sich inzwischen allerdings mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert, als Karl Albrecht in den glorreichen Wachstumsjahren. Denn nicht nur der Konkurrent Lidl macht dem Konzern zu schaffen. Auch insgesamt scheint das Erfolgsmodell Discount auf dem Heimatmarkt an seine Grenzen zu stossen. Während die klassischen Supermärkte in diesem Jahr nach Marktuntersuchungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) deutliche Umsatzzuwächse erzielten, stagnierte das Geschäft der Discounter. Und Aldi habe sogar noch etwas schwächer abgeschnitten als die Discounter insgesamt, berichtet GfK-Handelsexperte Frank Adlwarth.

Ganz sicher habe der Durchhänger der Billiganbieter auch mit der guten Wirtschaftslage zu tun, heisst es bei der GfK. Die Bundesbürger seien wieder bereit, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben und das komme den klassischen Supermärkten zugute - trotz aller Bemühungen der Discounter, das eigene Sortiment mit Edelprodukten nach oben abzurunden.

Discount stösst an Grenzen

Doch stosse das Modell Discount wohl auch insgesamt an seine Wachstumsgrenzen. «Alles in allem ist ihr Marktanteil in den letzten vier Jahren stagniert. Und das wird wohl auch in der nächsten Zeit so bleiben» meint Adlwarth.

Die Nachfolger von Karl Albrecht haben also einige Herausforderungen zu bewältigen. Wachstumschancen werden inzwischen vor allem im Ausland gesucht. Das deutsche Erfolgsmodell Discount feiert inzwischen selbst in den USA und in Australien Erfolge. Damit das so bleibt, hat der Aldi-Gründer seinen Nachfahren laut «FAZ» noch am Sterbebett eine Mahnung auf den Weg gegeben: «Bezahlt unsere Leute gut, sie leisten viel.»

(sda/lur/chb)