Die mit 94 Filialen in 20 Kantonen vertretene Aldi Suisse AG geht bei der Ver- und Entsorgungslogistik ihres jüngsten Stützpunkts im Oberengadiner Hauptort Samedan einen Sonderweg. «Wegen der speziellen alpinen Lage und Entfernung von unserem Verteilzentrum Embrach-Embraport und dem Aussenlager in Märstetten (je 450 Strassenkilometer) haben wir uns für eine Kombiverkehrsvariante unter Einbindung der Rhätischen Bahn (RhB) entschieden», präzisiert Aldi-Suisse-Sprecher Sven Bradke.

Seit Mitte Dezember 2008 verlässt werktags ein von Aldi beauftragter Strassentransporteur um 2 Uhr Märstetten (Kanton Thurgau) und erreicht drei Stunden später die Graubündner RhB-Station Thusis. Dort werden jeweils ein bis zwei temperaturgeführte Wechselbehälter mit Frischprodukten auf Tragwagen umgekrant und per Schiene zum Güterumschlagszentrum Cho d’Punt in Samedan geführt. Dabei überwindet der Zug knapp 1000 Höhenmeter. Vor Ort holt ein Lastwagen die um 7 Uhr eintreffenden Behälter ab und transportiert sie rechtzeitig zur Öffnung in den Aldi-Laden.

Zwei Lieferwellen

Die zweite Lieferwelle gilt dem Trockensortiment. Jeweils werktags um 9 Uhr startet ein Truck in Märstetten mit ein bis zwei Wechselbehältern, die - drei Stunden später in Thusis auf Tragwagen umgesetzt - um 14.30 Uhr in Cho d’Punt sowie 45 Minuten danach per Lastwagen in der Filiale Samedan eintreffen. In ähnlichem Rhythmus laufen die Rücktransporte des Frischprodukte- respektive Trockensortiment-Leerguts. Es verlässt die Filiale Samedan um 8 (16) Uhr, wird bis 10 (17) Uhr in Cho d’Punt auf Tragwagen verladen, erreicht Thusis um 13.10 (19.10) Uhr und gelangt am Folgetag im Austausch mit dem Lastwagen-Volltransport nach Märstetten.

Anzeige

Martin Burkhardt, Güterverkehrschef der RhB, veranschlagt das Aldi-Volumen für dieses Jahr auf 750 Wechselbehälter mit 5300 t Ladung. Derzeit sind sechs der mit Kühlaggregaten ausgerüsteten Container (Kapazität: 17 Paletten) im Umlauf. Sie werden gleichermassen für Frisch- und Trockenprodukte eingesetzt sowie im Rücktransport mit leeren Paletten und anderen Gebinden beladen. Bei wetterbedingten Unterbrechungen der Albulalinie könnten die Behälter via Vereinatunnel ins Engadin befördert werden, betont Burkhardt.

An einem Pressegespräch in Thusis stellte Bradke klar, dass man sowohl aus wirtschaftlichen wie ökologischen Erwägungen für diese Kombilösung optiert habe. Durch sie spare Aldi Suisse jährlich etwa 80000 Strassenkilometer, 30 000 l Treibstoff und 2300 Chauffeurstunden. Erwin Rutishauser, GL-Vorsitzender der RhB, bezifferte den Gesamtbeitrag seines Unternehmens zur Entlastung des Graubündner Strassennetzes auf 100 000 Lastwagenfahrten pro Jahr.

2008 erwirtschaftete die Rhätische Bahn mit der Beförderung von 735 050 t Ladung (52,5 Mio Tkm) einen Ertrag von umgerechnet 11,82 Mio. Euro. Die Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr betrug 5,15%. Die Belieferung der 95. Filiale von Aldi Schweiz in Ilanz, welche Mitte März ihre Tore öffnete, erfolgt dagegen laut Bradke ausschliesslich per Lastwagen auf der Strasse.