Ein Führungsjob bei Aldi Suisse ist nichts für Sesselkleber: Der neue Schweiz-Chef Timo Schuster ist bereits der vierte Länderverantwortliche innert fünf Jahren. Schuster gilt als fleissig und ehrgeizig. Der gebürtige Österreicher soll den Aufbau in der Schweiz beschleunigen. Bei der Offensive kann er auf die Unterstützung eines profunden Aldi-Kenners zählen: Schusters Vorgänger Günther Helm - auch er Österreicher -bleibt der Schweiz als VR-Präsident nämlich erhalten, trotz seines neuen Jobs als Leiter der österreichischen Aldi-Tochter Hofer.

Preisbrecher-Image festigen

Die Österreicher-Dichte im obersten Schweizer Management erstaunt nicht: Österreich gilt im Aldi-Konzern als «Spielwiese». Es waren die Österreicher, die als erste Aldi-Angebote in den Bereichen Reisen, Fotos und Telekom lancierten. Mit all diesen Angeboten buhlt auch Aldi Suisse um Kunden. Im Bereich Telekom wird der Auftritt in der Schweiz jetzt noch breiter: Neu können Kunden ihre bisherige Nummer beim Anbieterwechsel mitzügeln.

Ein Angebot, das Aldi in Österreich ebenfalls lanciert hat, fehlt bisher in der Schweiz: Selbstbedienungs-Tankstellen vor ausgewählten Filialen. Dank Billigbenzin, das Aldi zusammen mit der Firma Free Energy anbietet, konnte die österreichische Tochter ihr Image als Preisbrecherin unterstreichen.

Als Aldi in Österreich mit Selbstbedienungs-Tankstellen startete, kam das Thema gemäss Informationen der «Handelszeitung» auch in der Schweiz aufs Tapet - und wurde damals verworfen. Doch nun soll gemäss einem Aldi-Insider erneut über den Plan diskutiert werden. Die Rede ist von einem Versuch an drei Standorten, der zeigen soll, ob auch Schweizer auf Billigbenzin abfahren. Aldi-Sprecher Sven Bradke erklärt auf Anfrage jedoch, eigene Tankstellen seien «derzeit kein Thema».

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200 Filialen nur ein Zwischenziel

Klar ist: Das Geld für einen Einstieg in neue Geschäftsfelder ist bei Aldi Suisse vorhanden. In den letzten Jahren wurde das Kapital in der Schweiz kontinuierlich auf 1,045 Mrd Fr. aufgestockt. Im Verhältnis ist das deutlich mehr Geld, als Aldi in andere Ländergesellschaften investiert hat.

Gemäss Bradke nutzt man das Kapital unter anderem für den Bau von zwei neuen Verteilzentren. Heute liefert Aldi Suisse von drei Standorten Ware aus, künftig sollen es deren fünf sein. Das neue Verteilzentrum im sanktgallischen Jonschwil soll ab 2012 auch der neue Schweizer Hauptsitz werden. Zudem expandiere man stark in neue Verkaufsstandorte. Aktuell betreibt Aldi Suisse 121 Filialen. Die angestrebten 200 Standorte, die Aldi mehrfach als Meilenstein kommuniziert hatte, sind gemäss Bradke nur ein Zwischenziel: «Der Ausbau wird auch nach diesen 200 Standorten weitergehen. Wir wollen ein Nahversorger werden.» Zum Vergleich: Discounter Denner, der ebenfalls ein Nahversorger sein will, betreibt inklusive der Denner-Satelliten rund 750 Standorte. Branchenkenner rechnen damit, dass Aldi einen Teil des Geldes auch für ein breiteres Angebot im Gesundheitsbereich einsetzen könnte. Denkbar ist ein Ausbau des Sortiments mit Nahrungszusätzen und Wellness-Produkten zum Tiefpreis. Bereits heute ist Aldi Schweiz mit einem kleinen Sortiment in diesem Bereich aktiv.

Neuer Preiskampf ab 2012?

Zudem habe Aldi auch viel Geld für einen härteren Preiskampf in der Kasse, munkelt die Konkurrenz. Sobald die neuen Verteilzentren stehen und Aldi in der Schweiz flächendeckend aktiv ist - was bei den von Aldi angepeilten 200 Filialen der Fall sein wird -, macht eine Preisattacke wirtschaftlich Sinn. Bisher kam Aldi der Markteintritt in die Schweiz offenbar deutlich günstiger zu stehen als geplant. Zwar haben die Konkurrenten Migros und Coop in den Ausbau ihrer jeweiligen Tiefpreislinien investiert, doch auf einen ruinösen Preiskampf wie in anderen Ländern musste sich Aldi in der Schweiz nicht einlassen. Somit stimmt auch die Marge - und der Aufbau in der Schweiz gilt Aldi-intern bereits als Vorzeigebeispiel.

Kein Wunder, ist hier der Markt für Aldi-Manager ein Sprungbrett. Und das Kandidatenkarussell an der Spitze von Aldi Suisse dürfte sich weiter drehen; den nächsten Karrieresprung vollzieht der frühere VR-Präsident von Aldi Suisse, Johann Mörwald: Er wurde in den Aldi-Olymp berufen - den Koordinierungsrat (siehe rechts).