Das ganze Jahr über hat der chinesische Onlineriese Alibaba seinen Mega-Börsengang vorbereitet - jetzt wird es ernst. Am Montag startet in New York die sogenannte «Roadshow», auf der Alibaba-Manager mit Unterstützung von Investmentbankern die Werbetrommel für das Unternehmen rühren.

Nach dem Auftakt in Amerika soll die Tour in Europa weitergehen, danach folgen der Mittlere Osten und Asien. Das Unternehmen will zunächst bis zu 21,1 Milliarden Dollar bei Aktionären einsammeln, durch eingeräumte Zusatzrechte von Investmentbanken könnten es am Ende sogar bis zu 24,3 Milliarden Dollar werden.

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Damit wäre es der grösste Börsengang aller Zeiten. Alibaba würde schlagartig in einer Liga mit Amazon oder Facebook spielen. Nur sind die Letztgenannten wesentlich bekannter. Alibaba hingegen ist der grosse Unbekannte. Die wichtigsten Antworten zum wahrscheinlich grössten Börsengang aller Zeiten:

Was ist Alibaba?

Der grösste Onlinehändler der Welt - zumindest, wenn es nach dem Umsatz geht. Hunderte Millionen Nutzer haben im letzten Jahr Geschäfte im Wert von 248 Milliarden Dollar auf den wichtigsten Plattformen des Konzerns - Taobao, Tmall und Juhuasuan - gemacht. Das ist mehr, als bei Amazon und Ebay zusammen. Alibaba ist die führende Kraft im grössten und am schnellsten wachsenden Internetmarkt der Welt: China.

Was wollen die Chinesen an der New Yorker Börse?

An der Wall Street fliessen die internationalen Geldströme zusammen - hier tummeln sich die finanzstärksten Investoren. Doch Alibaba wählt den Standort auch, weil es in Hongkong abgeblitzt ist. Dort war den Aufsehern die Konzernstruktur zu verzwickt, vor allem die Machtkonzentration an der Spitze. Der Einfluss der Aktionäre soll begrenzt bleiben, vor allem, was die Wahl des Managements betrifft.

Wer steht hinter dem Unternehmen?

Vor allem: Jack Ma - Spitzname: «Das Krokodil vom Jangtse» - in China ein Rockstar. Erst fand Ma keinen Job, dann gründete er in einer kleinen Wohnung seine eigene Firma - und wurde schnell zum reichsten Mann des Landes. Der 49-jährige ehemalige Englischlehrer ist der Kopf Alibabas, ein Visionär und Verkäufer, wie er im Buche steht. Ma impft der Belegschaft die Unternehmens-DNA auf dem jährlichen «Alifest» ein, seine exzentrischen Auftritte haben fast schon etwas religiöses.

Wo steht Alibaba im internationalen Vergleich?

Wenn die Börsenpläne in New York aufgehen, steht Alibaba mit einem Firmenwert von über 160 Milliarden Dollar auf Augenhöhe mit dem Branchenführer Amazon. Hinter Google und Facebook würde es unter den grössten in Amerika notierten Internetunternehmen rangieren. Alibaba würde aus dem Stand 95 Prozent der im US-Leitindex Standard & Poor's 500 gelisteten Aktientitel übertreffen und weltweit das grösste jemals eingespielte Platzierungsvolumen bei einem Börsengang erreichen.

Was erwartet Investoren?

Wer die Alibaba-Aktie kauft, setzt vor allem auf Chinas immer kaufkräftigere Mittelschicht. Die Wette scheint nicht sehr gewagt: Selbst wenn das Turbo-Wachstum weiter nachlässt, nimmt der Wohlstand im bevölkerungsreichsten Land der Erde rasant zu. Alibaba-Gründer Jack Ma sagt Börsianern aber schon jetzt klar, dass Anlegerinteressen bei ihm nicht an erster Stelle stehen: «Die Kunden kommen zuerst, die Mitarbeiter als zweite und dann die Aktionäre».

Vor welchen Herausforderungen steht Alibaba?

Zunächst müssen Ma und sein Team genug Investoren überzeugen, damit der Börsengang ein Erfolg wird. Danach geht die Arbeit erst richtig los. Alibaba muss sich im mobilen Zeitalter des Internets behaupten - bislang wird das Angebot des Unternehmens vor allem über klassische PCs genutzt. Zudem wird es in China herausgefordert. Immobilienriese Dalian Wanda, Chat-Dienst Tencent und Suchmaschinen-Betreiber Baidu wollen dem Konzern mit einem Gemeinschaftsprojekt Konkurrenz machen.

(sda/ise/gku)