Mit dem Börsengang von Alibaba wurde Jack Ma endgültig eine Legende. Der ehemalige Englischlehrer, Geldeintreiber und Gründer war schon länger reichster Mann Chinas. Nun ist er offiziell auch die zweitreichste Person Asiens. Über den grössten Börsengang aller Zeiten freuten sich auch die Alibaba-Investoren. Sie strichen einen Kursgewinn von knapp 40 Prozent ein. Doch die Herausforderungen des chinesischen Internethändlers sind grösser denn je.

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Mit dem neuen Kapital will Alibaba seine Expansion in Europa und den USA vorantreiben. «Die Erwartungen sind hoch», bestätigt Peter Luo, Portfoliomanager von RS Investments gegenüber dem «Wall Street Journal». Bisher zeigt das Unternehmen erfreuliche Zahlen. Ein Marktanteil von rund 80 Prozent der Online-Umsätze in China sowie ein sattes Umsatzwachstum von 46 Prozent in zwei Monaten sind bemerkenswert. Dies trifft auch auf den Gewinn zu. Im vorigen Quartal weist Alibaba einen Überschuss von rund zwei Milliarden Dollar aus. «Nun muss Alibaba das Wachstum erbringen und den Erwartungen gerecht werden», fügt Luo hinzu.

Geschäftsmodell mit hohen Margen

Bisher generiert eine Kombination aus Werbeeinnahmen und Kommissionsgebühren hohe Margen für Alibaba. Mit einer Umsatzrendite von 43,4 Prozent lässt Alibaba etwa Ebay (18 Prozent), oder Google (27 Prozent) alt aussehen. Die Nutzergewohnheit ändert sich. Wurde im vergangenen Jahr noch etwa zwölf Prozent des Umsatzes über mobile Geräte generiert, wird es dieses Jahr schon ein Drittel sein. Alibaba liefert daher Apps für ihre Online-Plattform. Doch das ist ein Problem, denn auf kleineren Bildschirmen kann nicht so viel Werbung angezeigt werden.

Neben rückläufigen Werbeeinnahmen locken hohe Margen auch die Konkurrenz an. Trencet Holding ist ein chinesisches Unternehmen im Bereich der Internetkommunikation und Soziale Netzwerke. Mit der Verknüpfung ihrer Messaging-App und E-Commerce wagt sich der IT-Konzern ebenfalls in den Markt von Alibaba. Trencet hat heute schon etwa 900 Millionen Nutzer, die auf dem neuen Marktplatz teilnehmen können. Trencet wirbt aktiv um neue Anbieter von Gütern und Dienstleistungen in ihrem System.

Nutzerverhalten kann sich ändern

Bisher konnte niemand den Marktanteil von Alibaba strittig machen, doch wenn Nutzer ihre sozialen Netzwerke mit Onlineeinkäufen verknüpfen, könnte sich dies rasch ändern. Cynthia Meng, Analystin bei Jefferies, gibt zu bedenken: «Wenn Nutzer viel Zeit auf sozialen Netzwerken verbringen, bleibt wenig Zeit für andere Apps.» Wie erfolgreich eine kommerzielle Neuinterpretation von Facebook sein wird, muss sich erst noch zeigen.

(lur, mit Material von Reuters)