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Pläne
Alipays Mission in der Schweiz

Chinesische Touristin in Interlaken
Interlaken: Je mehr Chinesen mit Alipay zahlen können, desto mehr Geld geben sie aus.Quelle: Keystone

Der chinesische Online-Riese von Jack Ma will hiesige Händler und Touristiker auf seine Smartphone-Apps holen.

Von Daniel Tschudy
am 15.11.2017

Es war eine Zeitungsente, als im September quer durch Asien geisterte, Alipay hätte in einer Filiale der Fastfood-Kette KFC in Hangzhou südwestlich von Schanghai getestet, wie man mit einem Lächeln bezahlen könne. Der Bezahldienst des Online-Giganten Alibaba experimentiert tatsächlich mit Gesichtserkennung. Und damit, dass User in näherer Zukunft mit einem Lächeln bezahlen können. «Wir machen reale Live-Tests. Aber wir sind noch nicht bereit für den Markt», sagt Kai Cui.

Der 44-Jährige ist der Schweizer Statthalter von Alibaba-Konzernchef Jack Ma für den Schweizer Markt. Cui ist Mas Mann für die Schweiz und Europa. Und Cui hat eine Mission. Er will und soll Alipay in der Schweiz eta­blieren.

Von Null auf Hundert

Alipay ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. 2016 wurden über die Smartphone-App Transaktionen im Wert von umgerechnet rund 1500 Milliarden Euro abgewickelt – vornehmlich in China selbst und im restlichen Asien. Rund 520 Millionen Chinesen haben die App installiert. Sie erlaubt es dem Kunden, jede noch 
so kleine Ausgabe – den Kaugummi am ­Kiosk, den Espresso in der Bar – per Telefon zu begleichen.

«Mein Vater besass bis vor sechs Jahren nicht einmal eine Kreditkarte», erzählt Cui, «und das Bankensystem in China ist noch immer auf tiefem Niveau. Aber in der digitalisierten Welt bewegt sich China auf höchster Stufe.» Deshalb habe sich Alipay als primäres Zahlungssystem durchsetzen können. «China mutiert innert wenigen Jahren von einem Bargeldland zu einer cashlosen Gesellschaft.»

Touristen wollen mit Alipay zahlen

Und genau das hat direkten Einfluss auf das Verhalten der chinesischen Touristen in der Schweiz. Je einfacher sie auf ­ihrer Reise am Kiosk, am Bergbahnschalter oder im Uhrenladen Alipay einsetzen können, desto schneller geht die Bezahlung und desto eher geben sie Geld aus. Und hier kommt Cui ins Spiel. Er sucht im Auftrag von Jack Ma Schweizer Händler für Alipay. Am liebsten solche, die an der traditionellen China-Touristen-Route präsent sind – in Flughäfen, Bahnhöfen oder touristischen Hubs.

Wenn die Schweizer Händler Alipay akzeptierten, erklärt Cui, würden chine­sische Touristen regelrecht dazu animiert, in ihren Läden zu konsumieren. Die entsprechende Transaktion erfordert keine Unterschrift. Mit dem durch den Käufer eingegebenen respektive mittels Smartphone übertragenen Code ist die Bezahlung abgeschlossen. Und, so Cui, zu 100 Prozent garantiert.

Bei Alipay Schweiz geht es also nicht um eine Dienstleistung für Schweizer Kunden. Ebenso wenig um eine Konkurrenz zu Twint, wie Cui betont. Sondern schlicht und einfach um Bequemlichkeit der chinesischen Reisenden.

Alles für die chinesischen Reisenden

Schweizer für Fliggy Alipay ist aber nicht Cuis einzige Mis­sion. Er soll auch Schweizer Anbieter für Alibabas Online-Reiseplattform Fliggy finden. Fliggy bietet den rund 200 Millionen Mitgliedern direkt buchbare Reiseleistungen in China und rund um den Globus 
an: Flüge, Übernachtungen, Exkursionen, aber auch Visumsanträge.

2016 vermittelte Fliggy touristische Leistungen im Wert von über 20 Milliarden Euro. Mehr als 100'000 Anbieter sind bereits auf der Plattform – darunter 500 Airlines und rund 20'000 Reisebüros. Hauptmarkt für Fliggy sind in erster Linie China und seine Nachbarländer – also die populärsten Reisedestinationen der Chinesen wie Südkorea, Japan oder Singapur.

Vorreiter aus den Bergen

Nun liegt es an Cui, auch hierzulande Anbieter zu finden. Im Frühling durfte er sich am Ferientag von Schweiz Tourismus in Davos schon mal präsentieren. Aber noch hat Fliggy den Schweizer Markt nicht erobert. Erst ein Dutzend Schweizer Anbieter sind ­präsent. «Die Vorreiter sind natürlich die Bergbahnen – die Jungfraubahnen und die Titlis-Bahnen», so Cui. Beide sind schon seit den 1990er Jahren in China aktiv.

«Ich suche nun weitere Anbieter, die mit spezifischen Dienstleistungen auf die stark wachsende Zahl von chinesischen Individualtouristen zielen.» Er denkt an Tageskarten oder Eintritte für Kinos und Mu­seen. Hotels indes weniger. Dies in erster ­Linie, weil der US-Reiseriese Booking nicht nur in China eine starke Präsenz hat, sondern eben auch in der Schweiz. Deshalb streben Cui und Alibaba generell an, mit Booking zusammenzuarbeiten. Mit dem Ziel, das Angebot der Hotelplattform auf Fliggy einsehbar zu machen.

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