Fussball-Weltmeisterschaft und sommerliche Temperaturen -­ da schlägt das Bierbrauerherz höher. Sie erhoffen sich einen schönen Absatzzuwachs. Nicht nur bei den normalen, sondern auch bei den alkoholfreien Bieren. Denn die Verkaufszahlen der Alkoholfreien stagnieren nach einem steilen Anstieg im Zusammenhang mit der abgesenkten Promillegrenze im Januar 2005. Bei Feldschlösschen beispielsweise ist der Absatz zweistellig gewachsen, verharrt aber mittlerweile auf diesem Niveau. Genauere Zahlen publiziert Feldschlössen nicht. Ähnlich klingt es bei den grossen Konkurrenten Heineken und Eichhof. Alle drei Produzenten bieten rund 17 verschiedene Sorten Alkoholfreies, Leichtbiere und Panaché an.

Konkurrenten schlafen nicht

Lange Zeit war das «Claustaler», das Eichhof seit Anfang der 1990er Jahre aus Deutschland importiert, das einzige alkoholfreie Bier in der Schweiz. Seit einigen Jahren gewinnen die Konkurrenten an Terrain: «Der Marktführer Claustaler kommt stärker in Bedrängnis, da alle Brauereien ein Alkoholfreies im Sortiment haben», bestätigt Eichhof-Marketingchef Martin Läuppi. Die einzige unabhängige Schweizer Brauerei ist hinter Feldschlösschen und Heineken die Nummer drei unter den hiesigen Bierbrauern. Doch Eichhof schläft nicht: Mit der Eigenkreation Eichhof alkoholfrei, die in Kooperation mit Migros verkauft wird, landete die Brauerei einen Coup. DasProdukt legt laut Läuppi zweistellige Wachstumsraten hin, weshalb man zufrieden sei. Bei Eichhof entfallen mittlerweile rund 15% des gesamten Bierausstosses inklusive Claustaler auf dieses Spezialsegment. 2004 waren es erst 10%. Das künftige Potenzial prognostiziert Läuppi auf bis zu 20%.

Bei Konkurrentin Feldschlösschen wird bereits gleich viel alkoholreduziertes Leichtbier wie alkoholfreies Bier verkauft. «Der Anteil am Umsatz stieg 2005 von 5 auf 8%», erklärt Stefan Kaspar, Mediensprecher der Carlsberg-Tochter Feldschlösschen.

Alkoholfreies hat tiefere Margen

Auch Branchensprecher MartinAmsler bestätigt, dass sich das Geschäft mit alkoholfreien Bieren gut entwickelt habe. Den Umsatzausfall, den die abgesenkte Promillegrenze verursache, hätten die Spezialprodukte jedoch nicht kompensieren können, betont der Sekretär des Schweizer Brauereiverbands Amsler. Eichhof-Marketingdirektor Martin Läuppi lässt zudem durchblicken, dass die Margen bei Alkoholfreien gegenüber einem Lagerbier wegen dem Verhältnis zwischen Produktionskosten und -menge niedriger sind.

Zum Schweizer Gesamtmarkt für alkoholfreie Biere liegen keine genauen Zahlen vor. Schätzungen gehen von einem Marktanteil zwischen 2 und 3% aus. Bei 4,1 Mio Hektoliter Bier, die 2005 in der Schweiz getrunken wurden, wären dies etwa 1,2 Mio Hektoliter. Damit sind die Alkoholfreien immer noch ein Nischenmarkt. Sie verkaufen sich derzeit besser via Detailhandel als in der Gastronomie. Die Marktforscher von ACNielsen beziffern den Markt für Alkoholfreie im Detailhandel auf derzeit rund 11 Mio Fr. Das sind rund 4% der Bierverkäufe über diesen Kanal. «Die Schweizer trinken ihr Bier jetzt halt öfter zu Hause», argumentiert Martin Amsler vom Brauereiverband. Innerhalb des zurückliegenden Jahres griffen 7,7% der Haushalte im Laden mindestens einmal zu Bier ohne Alkohol. Das sind zwar mehr als im Vorjahr ­ da waren es 6,2%. «Doch der ganz grosse Boom ist trotz tieferer Promillegrenze ausgeblieben», so Amsler. Der Trend gehe eher zu den halbstarken Leichtbieren, denn: «Alkohol ist ein Geschmacksverstärker. Ein richtiges Bier schmeckt einfach anders als eines ohne Alkohol.»

Das wissen auch die Bierbrauer und setzen deshalb auf die Fussball-Weltmeisterschaft als Verkaufsförderer für all ihre Produkte. Boudewijn van Rompu, CEO von Heineken Schweiz, schätzt, dass sein Unternehmen rund 200000 Hektoliter zusätzlich verkaufen kann. Der Effekt auf das Geschäftsjahr bleibt offen. Heineken gibt keine Zahlen bekannt.

Positiv äussert sich auch Feldschlösschen. «Wo gefeiert wird, gehört Bier dazu», sagt Sprecher Stefan Kaspar. Damit die dänischen Bierbrauer auch zu den Profiteuren des Spektakels gehören, lassen sie ihr «Carlsberg» im Fussballdesign in die Regale stellen.

In diesen Wochen werben die Bierbrauer auffällig intensiv für ihre Alkoholfreien. Das liegt jedoch nicht nur daran, dass sie deren Verkäufe ankurbeln wollen. Sie versprechen sich davon auch Impulse für ihre alkoholhaltigen Biere, für die sie im Fernsehen nicht werben dürfen. Gerade diese haben Reklame nötig, denn der Bierabsatz ging im Braujahr 2004/2005 um 2 l pro Kopf auf 55,5 l zurück. Was sich die Braukonzerne die Verkaufsförderung kosten lassen, ist allerdings so geheim wie ihre Braurezepte.

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